Sport und MedienSchleichwerbung mit Jürgen Klopp

Der Dortmunder Trainer schwärmt in einem Modemagazin von seinen Autofahrten auf Sylt. Dass er Markenbotschafter des Herstellers ist, sagt er nicht. von Sonja Álvarez

Jürgen Klopp und sein Auto auf Sylt

Jürgen Klopp und sein Auto auf Sylt (Grazia, Nr. 28, 4. Juli 2013, S. 38-39, Fotos: Lauth Communicates)  |  © Grazia, Nr. 28, 4. Juli 2013, S. 38-39, Fotos: Lauth Communicates/Repro/ZEIT ONLINE

Jürgen Klopp gibt sich entspannt. Er trägt Jeans und Sneaker, die Haut ist gebräunt, die Haartransplantation wie vom Wind zerzaust, lässig posiert er vor dem Wagen, im Hintergrund sind die Dünen Sylts zu sehen. Der Borussia-Dortmund-Trainer macht Urlaub auf der Insel, trotzdem darf eine Grazia-Redakteurin zum Interview vorbeikommen. Klopp schwärmt ihr von der Insel vor – und wie er sich auf ihr fortbewegt: "Wir gehen hier viel spazieren, aber fahren auch mit dem Auto. Wir haben hier einen Opel Adam – der ist so klein, dass er in jede Parklücke passt und der Hund trotzdem noch Platz hat."

Schöner hätte diesen Satz wohl auch kein Werbetexter formulieren können, doch steht der Satz nicht in einer Anzeige, sondern im redaktionellen Teil des Modemagazins.

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"Grazia Exklusiv", "Mit Kloppo im Urlaub auf Sylt", lautet der Titel über dem Interview, das in der aktuellen Ausgabe erschienen ist. Dass Klopp sogenannter Markenbotschafter für die Automarke ist, also viel Geld dafür bekommt, sie positiv zu präsentieren, verschweigt das Modemagazin. Auch wird nicht erwähnt, dass das Interview im Rahmen eines PR-Termins entstanden ist. Dafür hat Grazia als Aufmacherfoto das Werbebild vom am Auto lehnenden Klopp gewählt; die Passage, in der Klopp den Wagen lobt, als einzigen Textteil auf der Seite blau unterlegt.

"Redaktion ist Fehler unterlaufen"

"Das ist Schleichwerbung par excellence", sagt Hendrik Zörner, Sprecher des Deutschen Journalistenverbands (DJV). "Die Redaktion hätte die Passage unbedingt beim Redigieren streichen und andere Bilder verwenden müssen." Auch Edda Kremer vom Deutschen Presserat sagt: "Eine solche Form der Berichterstattung ist sicher diskussionswürdig." Werbung müsse strikt getrennt werden von redaktionellen Inhalten, das schreibe der Pressekodex vor. "Und diese journalistischen Regeln gelten für alle Magazine, da darf kein Unterschied zwischen Nachrichten- oder Modemagazin gemacht werden", sagt Zörner. Wer sich als Medium nicht daran halte, verspiele seine journalistische Glaubwürdigkeit.

Grazia-Chefredakteurin Claudia ten Hoevel will sich zu diesem Vorwurf nicht äußern und auch nicht dazu, ob das Interview und die wenige Seiten später folgende doppelseitige Opel-Anzeige an Klopps Aussage gebunden war. "Da ist der Redaktion ganz klar ein Fehler unterlaufen. Solche Interviews entsprechen nicht der gängigen Praxis der Grazia", sagt Jonas Schmieder, Sprecher der Mediengruppe Klambt, die die Grazia zusammen mit Gruner + Jahr herausgibt. Ein Opel-Sprecher teilt lediglich mit, dass der Autokonzern "die journalistische Unabhängigkeit respektiere und keinen Einfluss auf die redaktionelle Bildgestaltung oder -auswahl nimmt".

Klopps Agentur Projekt b versichert, dass es von den Unternehmen keine Vorgaben gebe, wann, wo und wie oft der Trainer in Interviews die Marken nennen müsse. Aber als Botschafter stehe er hinter den jeweiligen Marken. Deshalb sei es selbstverständlich, dass er diese bei einem PR-Termin wie mit der Grazia erwähne. Anders sei die Sache bei Interviews, bei denen es um die sportliche Leistung gehe.

Leserkommentare
  1. Passt doch bestens zum anderen topaktuellen Thema!

    http://www.zeit.de/kultur...

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    Aber bei einem Jahresgehalt von 2,1 Millionen EUR beim "Arbeiterverein" BVB ist man ja quasi wirtschaftlich "gezwungen" noch ein wenig Schleichwerbung zu machen ;)

  2. ...und das mangelnde Vertrauen der Leser ja auch in oben geschilderten Aktionen begraben.

    Die Tendenz zur kritischen Nachfrage in Interviews verschwindet, aus Angst, keinen hochrangingen Interviewpartner mehr zu bekommen, fallen unliebsame Fragen schon der Schere im Kopf des Journalisten zum Opfer, was bleibt, ist oftmals belangloses Blabla. Im Gegenzug werden bei Gelegenheit dann, vielleicht in einer Art kleingeistigen Rache, "gefallene Helden" mit einer Häme überzogen, die der Sache nicht mehr angemessen ist. Ein wunderbares Beispiel, wenn auch außerhalb des Sportes ist die Causa zu Guttenberg. Der Mann wurde zuerst völlig unkritisch glorifiziert, danach medial derart zerlegt, dass es kaum noch menschenwürdig war. Kurze Zeit darauf wieder mal wieder kurz auf die Bühne geholt, um zu testen, ob vom Volke schon wieder goutiert, als dem nicht so war, wieder in die Versenkung geschickt.

    Ein ehrliches und reflektiertes Selbstbewusstsein der Medien wäre wünschenswert. Ein Interview mit einem Jürgen Klopp einfach mal verweigern, wenn dies nur unter Nennung der Sponsoren stattfinden kann. Und dann ggf. auch mal drauf verweisen, dass man gerne den Startrainer präsentiert hätte, aber nicht zu dessen Bedingungen. Und weil man bestimmte Grundregeln der journalistischen Ethik nicht verletzen wollte. Dann, und vermutlich NUR dann, werden Leser bereit sein, für hochwertigen Journalismus Geld zu bezahlen, der selbigen auch am Leben hält.

    10 Leserempfehlungen
    • deDude
    • 09. Juli 2013 17:33 Uhr

    .... der regelmäßig in diversen "Mode- und Glamourmagazinen" veröffentlicht wird sollte das bei Weitem der geringste Aufreger sein. Selbst bei unserer lokalen Tageszeitung gehen die Verstrickungen zwischen Verlag und Wirtschaft soweit, dass negative Berichterstattung über die eigene Werbekundschaft gleich ganz unterbunden wird.

    Das ist denke ich weder "Kloppo- noch modemagazinspezifisch sondern inzwischen ein grundlegendes Problem in großen Teilen der Presselandschaft.

    6 Leserempfehlungen
  3. Klopp hat einen Werbevertrag mit Opel geschlossen, bekommt viel Geld von denen, und bei seinem Engagement geht es ihm sicher auch darum, die Arbeitsplätze der Opel-Mitarbeiter zu sichern.

    Also setzt sich Klopp für Opel ein. Das ist aller Ehren wert und sollte nicht auf so kleinkarierte Weise wie in diesem Artikel kritisiert werden.

    Jedem halbwegs intelligenten Leser dieses Grazia-Artikels sollte klar sein, dass Klopp mit der Erwähnung des Opel Adam Werbung für Opel macht. Man muss schon auf dem Mond wohnen, um die Opel-Fersehwerbespots des Dortmunder Trainers nicht bemerkt zu haben.

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    • TDU
    • 09. Juli 2013 18:27 Uhr

    Schleichwerbung ist überhaupt nicht gut. Aber zugunsten Opels soll es mir mal egal sein. Und Kloppo sollte nicht immer so betont ehrenhaft daher kommen. Als ob allles der Ehre wegen getan würde bei Borussia Dortmund.

  4. manch artikel darüber noch mehr

    ;)

    3 Leserempfehlungen
    • TDU
    • 09. Juli 2013 18:27 Uhr

    Schleichwerbung ist überhaupt nicht gut. Aber zugunsten Opels soll es mir mal egal sein. Und Kloppo sollte nicht immer so betont ehrenhaft daher kommen. Als ob allles der Ehre wegen getan würde bei Borussia Dortmund.

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Gut so !"
  5. 7. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf haltlose Unterstellungen. Danke, die Redaktion/sam

  6. Kein öffentlich-rechtliches Medium, also auch kein Problem.

    Ist zumindest meine Einschätzung

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Jürgen Klopp | Medien | Bundesliga | Fußball | Joachim Löw | Borussia Dortmund
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