TennisSabine Lisicki steht im Wimbledon-Finale

Mit einem spektakulären Sieg im dritten Satz hat die 23 Jahre alte Berlinerin den Einzug in das Grand-Slam-Finale geschafft. Dort trifft sie auf die Französin Bartoli.

Sabine Lisicki

Sabine Lisicki  |  © Suzanne Plunkett/Reuters

Die deutsche Tennisspielerin Sabine Lisicki steht im Finale des Grand-Slam-Turniers in Wimbledon. Die 23 Jahre alte Berlinerin gewann gegen Agnieszka Radwanska aus Polen mit 6:4, 2:6, 9:7 und ist die erste deutsche Tennisspielerin im Wimbledon-Endspiel seit Steffi Graf 1999.

Die Halbfinal-Partie zwischen Lisicki und der Weltranglisten-Vierten ist das zweite Match des Tages auf dem Centre Court. Zuvor dominierte die Französin Marion Bartoli über Kirsten Flipkens aus Belgien. Auf Bartoli trifft Lisicki im Finale am Samstag.

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Für Lisicki ist es das erste Grand-Slam-Finale ihrer Karriere. 2009 und 2012 stand sie in Wimbledon jeweils im Viertelfinale, 2011 im Halbfinale. Der letzte deutsche Titel bei einem der vier wichtigsten Tennis-Turniere gelang Steffi Graf 1999 bei den French Open.

Lisicki erarbeitete sich im siebten Spiel erstmals Breakbälle. Der erste landete im Aus, der zweite und dritte im Netz. Auch den vierten Breakball hätte Radwanska nach einem Netzroller Lisickis fast noch zurück ins Feld gebracht, doch diesmal landete der Ball knapp neben der Linie. Lisicki ging 4:3 in Führung und entschied nach 33 Minuten den ersten Satz für sich.

Lisicki holte im dritten Satz nach hohem Rückstand auf

Im zweiten Durchgang nahm Lisicki ihrer Kontrahentin, gegen die sie schon Juniorinnenturniere in Polen gespielt hat, erneut den Aufschlag ab. Prompt holte die Nummer 24 der Welt das Re-Break. Zum 1:3 brachte Lisicki ihren Service nicht durch, verkürzte durch ein Break wieder zum 2:3, verlor anschließend jedoch erneut ihr Aufschlagsspiel. Mit zwei Doppelfehlern nacheinander erlaubte Lisicki ihrer Gegnerin die ersten Satzbälle – nach 36 Minuten war Durchgang zwei verloren.

Der dritte Satz begann wenig verheißungsvoll: Radwanska ging 3:0 in Führung. Aber schon bei ihrem sensationellen Achtelfinal-Sieg gegen Serena Williams hatte Lisicki einen 2:4-Rückstand im entscheidenden Durchgang noch aufgeholt. Auch diesmal glich sie zum 3:3 und später zum 4:4 aus. In der Box wurden die Nerven von Trainer Wim Fissette, Vater Richard, Mutter Elisabeth und Teamchefin Rittner auf eine harte Probe gestellt.

Mit dem Break zum 5:4 schien die Vorentscheidung gefallen zu sein. Doch Radwanska konterte, glich aus und ging sogar mit 6:5 in Führung. Anschließend war es ein Spiel auf Augenhöhe. Dann das entscheidende Break von Lisicki zum 8:7. Wenige Minuten später hatte sie drei Matchbälle. Den ersten wehrte die Polin ab, den zweiten nicht mehr. Nach 138 Spielminuten fiel Lisicki jubelnd auf den Rücken.

Gegen ihre Final-Gegnerin Bartoli hat die Deutsche eine positive Bilanz. Von vier Vergleichen hat sie drei gewonnen. Schon zweimal standen sich beide in Wimbledon gegenüber. 2008 setzte sich die Französin in der ersten Runde durch, zuletzt 2011 aber im Viertelfinale Lisicki.  

Sky lehnt ARD-Angebot für Finale ab

Das starke öffentliche Interesse an Lisicki veranlasste die ARD zu einem Vorstoß beim Pay-TV-Sender Sky. Das Erste möchte am Samstag live übertragen und hat ein entsprechendes Angebot gemacht, bestätigte Sky-Sprecher Ralph Fürther dem Medienmagazin dwdl.de. Doch das Angebot entsprach offenbar nicht den Erwartungen von Sky.

Der Sender habe das Angebot geprüft und für nicht ausreichend erachtet. Das bedeute, "dass Sky das Endspiel von Sabine Lisicki am Samstag live und exklusiv übertragen wird", sagte er. Die ARD wollte auf Anfrage keine Stellungnahme zu der Thematik abgeben.

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Leserkommentare
    • ptk
    • 04. Juli 2013 18:20 Uhr

    Was für ein Spiel, Glückwunsch an Sabine Lisicki! Besonders wie sie nach dem Tief im zweiten Satz zurückgekommen ist, war unglaublich.

    Hier hat man mal wieder gesehen, warum Tennis für Zuschauer so spannend ist. Das Blatt kann sich unglaublich schnell wenden.

    Ich wünsche Lisicki viel Erfolg für das Finale am Samstag. Die englischen Fans wird sie hinter sich haben nach dieser Leistung.

    5 Leserempfehlungen
  1. Was für ein Thriller. Normalerweise schaue ich nicht Tennis, bin hier sozusagen ein Eventfan. Aber das Finale werde ich mir nicht entgehen lassen. Ich drücke Lisicki beide Daumen und große Zehen, dass sie sich den Grand-Slam-Sieg holt.

    Doch das wird nur gelingen, wenn sie auch die einfachen Punkte holt und nicht so viele unerklärliche Fehler macht. Sie stand sich heute die meiste Zeit selbst im Weg. Ein Sieg Radwanskas hätte viel mit Glück zu tun gehabt.

    2 Leserempfehlungen
  2. Da zahlt man jeden Monat 17 EUR an Euch, aber so etwas bekommen wir trotzdem nicht zu sehen...

    9 Leserempfehlungen
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    Auf der Homepage von Wimbledon gibt es Live-Net-Radio. Das ist spannend kommentiert und die Spielstände können Sie zeitgleich online verfolgen.
    Anschließend kann man sich die Highlights der Partie auf Video anschauen.
    Ich finde nicht, dass die öffentlich-rechtlichen derartige Veranstaltungen übertragen müssen, nur weil der Hype wegen Lisicki im Moment vorhanden ist.

    Oder sie schauen sich einen x beliebigen stream aus dem ausland an.

    Entfernt. Bitte kommentieren Sie das konkrete Artikelthema. Danke, die Redaktion/sam

    verständlich und richtig, dass Sky auf dieses Angebot nicht eingeht.
    Wer das Spiel sehen will, soll sich eben Sky zulegen. Der ÖR hat wichtigeres zu senden.

    Statt den Schuldigen bei den ÖR`s zu suchen, sollten Sie eher froh sein, dass wir noch ein gebührenfinanziertes Fernsehen in Deutschland haben, wo die Chancen gut stehen, entsprechendes Interesse des Publikums vorausgesetzt, dass man so etwas auch ins ÖR zurück bekommt.

    Denn all diejenigen, die so vehement über 17 Euro monatlich lamentieren, und davon gibt es ja genug, bekommen einen Vorgeschmack auf das, was uns blüht, würden wir das ÖR abschaffen. In den USA hat man diverse Bezahlsender, wo man dann die Qual der Wahl hat, für welchen man sich entscheidet, denn mehr als einen will und kann sich kaum einer leisten. Da bleibt dann immer irgendwas auf der Strecke, was einen interessieren könnte. Ach ja, das freie Fernsehen ist dann eher eine verlängerte Werbepause statt eine zusammenhängende Sendung.

    Eine Lisicki alleine rechtfertigt halt noch nicht, dass man sich um teure Tennisrechte bemüht. Die Gefahr, dass man im Falle des Ausscheidens in der Vorrunde kaum Zuschauer hat, ist einfach noch zu groß.

    • oh.stv
    • 05. Juli 2013 8:23 Uhr

    im Jahr sind wohl nicht genug um uns Wimbeldon zu zeigen ..... danke ARD.

  3. Ich habe meine "Tenniskenntnisse" aus der Zeit von Bobbele und Steffi von damals und aus dem TV. Da ich meiner Mutter heute beiwohnen durfte, als die zwei Halbfinals der Damen zu erschauen waren, möchte ich, insbesondere in der Annahme, dass Lisicki diesen Beitrag lesen wird, folgendes bemerken:

    1.: Da Bartoli die Vor- wie Rückhand beidhändig spielt, einfach die Aussenseiten des Platzes recht wechselseitig anspielen!

    2.: Keinen Rossini vorm Finale hören!

    3.: Vor der Pasta kommt das Basta!

    Viel Glück dabei.

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  4. Auf der Homepage von Wimbledon gibt es Live-Net-Radio. Das ist spannend kommentiert und die Spielstände können Sie zeitgleich online verfolgen.
    Anschließend kann man sich die Highlights der Partie auf Video anschauen.
    Ich finde nicht, dass die öffentlich-rechtlichen derartige Veranstaltungen übertragen müssen, nur weil der Hype wegen Lisicki im Moment vorhanden ist.

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    Antwort auf "Danke, ARD/ZDF!"
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    Ja, schön und gut, dass soetwas angeboten wird. Ich fand auch bei Olympia die Livestreams sehr gut. Aber was tun dann die Menschen, die nicht gerade gut englisch sprechen und verstehen? Die können damit nichts anfangen...

    denn die haben auch nach dem Ausscheiden von Federer und Wawrinka, fleissig ab 14.00 h täglich, weitergesendet.
    Das nenne ich Interesse für die Sache. Für jeden langweiligen Fussball-Match ist Geld und Sendezeit vorhanden. Aber dieses wohl älteste und bedeutendste aller Tennisturniere scheint weder Geld noch Zeit, geschweige denn Interesse da zu sein.

  5. Ja, schön und gut, dass soetwas angeboten wird. Ich fand auch bei Olympia die Livestreams sehr gut. Aber was tun dann die Menschen, die nicht gerade gut englisch sprechen und verstehen? Die können damit nichts anfangen...

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    Also, ich höre mir selbst oft Fußball im Radio an - und manchmal erzeugt das tatsächlich mehr Spannung als die TV-Bilder. (Kleiner Exkurs: Ich erzähle in diesem Zusammenhang immer gern vom Elfmeterschießen im EM Halbfinale GER - ENG '96... :"und wer muß zuerst ran? -Der KLEIIINE Thomas Häßler!!!")^^

    -Aber Tennis im Radio? Sorry, nein. Tennis ist dafür viel zu schnell, die entscheidenden Punkte entstehen oft "aus dem Nichts". - Dann kann ich auch gleich einen der zahlreichen Live-Ticker im Internet mitlesen. Deshalb klingt Ihr Kommentar für mich höhnisch.
    Wer das Spiel am Samstag SEHEN will: Der britische Sender UKITV überträgt es live. -Zwar natürlich ebenfalls mit englischem Kommentar - aber dafür hat man ja das Bild.
    Ich hoffe die Redaktion löscht diesen Post nicht, wenn ich darauf verweise, dass die Google-Suche nach einem "UKITV Stream" vermutlich nur zu in D illegalen oder halblegalen Inhalten führt. ;)

    Zum Spiel: Der Wahnsinn! Bei 0:1, 0:30 im 3.Satz hatte ich schon gedacht: "Naja, aber immerhin Halbfinale" ^^
    Der erste Satz war (von beiden Spielerinnen) der beste Satz den ich dieses Jahr bei den Damen gesehen habe.

    • dacapo
    • 05. Juli 2013 0:30 Uhr

    Denn wer das Spiel des WF ansehen möchte, schaut gegen Zahlung bei Sky. Die bringen fast alles über Sport.

  6. sondern auch jede Menge Sympathiepunkte. Selten hat man einer deutschen Tennisspielerin so gerne beim ihrem Spiel, beim Interview, bei Autogramme geben zugeschaut wie Sabine Lisicki.
    Sie hat mit Herzblut und Können gekämpft und ist ihrem erklärten Ziel einen mächtigen Schritt näher gekommen.
    Doch Sie aber jetzt schon mit Ihrem Auftritt in Wimbledon einen großen Erfolg errungen - und für die "Deutschen" in England Sympahtiepunkte gesammelt.

    Angela Merkel könnte sich in Sachen Emphatie und Leidenschaft für eine große Sache eine gehörige Scheibe davon abschneiden.

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    Vielen Dank für die schöne Beschreibung.
    Lisickis Liebe für Wimbledon, ihre Natürlichkeit und Herzlichkeit sind vollkommen echt und nicht aufgesetzt, das könnte letztlich entscheidend für ihre Siege im Achtel- und Halbfinale gewesen sein. Knapp genug war es beide Male und wird es wohl auch beim Finale werden.
    Bezeichnend auch, dass Radwanska sie am Ende des Spieles keines Blickes würdigt. Ähnliches kann ich mir bei eine Niederlage Lisickis nicht vorstellen.

    bei der Agnieska Radwanska vor und nach dem Spiel. Das Spiel hat Sabine gemacht, Radwanska hat nur das nötigste getan bzw. verteidigt und keine Miene verzogen. Nach so einem tollen Fight sollte man - trotz großer Enttäuschung - der Gegnerin ins Gesicht sehen und ihr die Hand schütteln. Das war zwar "Pokerface" aber nicht Profilike.

  7. denn die haben auch nach dem Ausscheiden von Federer und Wawrinka, fleissig ab 14.00 h täglich, weitergesendet.
    Das nenne ich Interesse für die Sache. Für jeden langweiligen Fussball-Match ist Geld und Sendezeit vorhanden. Aber dieses wohl älteste und bedeutendste aller Tennisturniere scheint weder Geld noch Zeit, geschweige denn Interesse da zu sein.

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    Nicht ganz. Heute und gestern haben sie (unerklärlicherweise) Radfahren gebracht. :(

    habe heute auf BBC geschaltet - was für ein Glück!

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, zz
  • Schlagworte Sabine Lisicki | ARD | Steffi Graf | Grand-Slam-Turnier | Serena Williams | Sky
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