Besucher vergnügen sich im Prinzenbad in Berlin. © Stephanie Pilick/dpa

Für einen Familienvater aus Bayern wurde es am Strand von Sankt Peter-Ording besonders peinlich. In der FKK-Zone war er in sein Bötchen gestiegen, der ablandige Wind trieb ihn hinaus. Sein Paddel kam ihm abhanden und schwimmen konnte er nicht. So wurde der Splitterfasernackte bis in die Textil-Zone verweht. "Dort musste er von uns an Land geholt werden, wie ein Häufchen Elend saß der in seinem Boot", sagt Frank Friedrichs, "später haben wir uns kaputtgelacht."

Frank Friedrichs ist hauptamtlicher Schwimmmeister an einem der längsten deutschen Strände: Zwölf Kilometer Sandbank, 40.000 Gäste sind in diesen heißen Tagen dort. An der Badestelle Ording ist Friedrichs mit einem Dutzend Kollegen für ein Areal von 800 Metern in der Breite zuständig, von ihren drei Türmen spähen sie gen Nordsee oder laufen an der Wasserkante Patrouille, immer über Funk miteinander verbunden. Wird es brenzlig, können sie auf die Strandkorbvermieter zählen, die eine Ersthelferausbildung haben.

Das ist auch gut so. Die meisten Gäste können nicht schwimmen, sagt er, das gehe "wohl eher in Richtung Baden oder Tümpeln".

Der Frosch war das Vorbild für die Brustschwimmer

Freizeitstudien kommen noch immer zum Ergebnis, dass Schwimmen unter Deutschen ein beliebtes Hobby ist. "Ob die aber wirklich schwimmen, sei mal dahingestellt", sagt Axel Dietrich, der Jugendbildungsreferent beim Deutschen Schwimm-Verband (DSV).

Beim Blick auf die Gegenwart fühlt sich Dietrich bestätigt: "In diesen heißen Tagen sind die Badeseen und Freibäder natürlich gut frequentiert", sagt er. "Aber sind sie zum Schwimmen frequentiert, oder zum Abkühlen?"

Mit dem Ausüben der Sportart allein ist es ohnehin nicht getan. Denn selbst unter Schwimmern werden viele Techniken falsch ausgeübt, weil sie früher falsch erlernt wurden. Das gilt besonders für Brustschwimmen.

Dieser Schwimmstil hat zwar Vorteile: Der Schwimmer kann sich orientieren und selbst Untrainierte können relativ ausdauernd ihre Bahnen ziehen. Aber er widerspricht auch der menschlichen Natur. Denn die Technik hat sich der Mensch früher beim Frosch abgeschaut, vor allem die der Beine.

Wer viel auf der Brust schwimmt und die Bewegungen nicht beherrscht, dem droht früher oder später eine bittere Diagnose: das Brustschwimmerknie. "Unsere Motorik ist auf abwechselnde Bewegungen ausgerichtet, nicht auf simultane", sagt der Sportwissenschaftler Andreas Hahn.