WassersportWie die Schwimmer baden gehen

Immer weniger Menschen schwimmen und die meisten von ihnen können es nicht richtig. Jetzt verlieren sie ihr Territorium auch noch an die Badegäste. von 

Für einen Familienvater aus Bayern wurde es am Strand von Sankt Peter-Ording besonders peinlich. In der FKK-Zone war er in sein Bötchen gestiegen, der ablandige Wind trieb ihn hinaus. Sein Paddel kam ihm abhanden und schwimmen konnte er nicht. So wurde der Splitterfasernackte bis in die Textil-Zone verweht. "Dort musste er von uns an Land geholt werden, wie ein Häufchen Elend saß der in seinem Boot", sagt Frank Friedrichs, "später haben wir uns kaputtgelacht."

Frank Friedrichs ist hauptamtlicher Schwimmmeister an einem der längsten deutschen Strände: Zwölf Kilometer Sandbank, 40.000 Gäste sind in diesen heißen Tagen dort. An der Badestelle Ording ist Friedrichs mit einem Dutzend Kollegen für ein Areal von 800 Metern in der Breite zuständig, von ihren drei Türmen spähen sie gen Nordsee oder laufen an der Wasserkante Patrouille, immer über Funk miteinander verbunden. Wird es brenzlig, können sie auf die Strandkorbvermieter zählen, die eine Ersthelferausbildung haben.

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Das ist auch gut so. Die meisten Gäste können nicht schwimmen, sagt er, das gehe "wohl eher in Richtung Baden oder Tümpeln".

Der Frosch war das Vorbild für die Brustschwimmer

Freizeitstudien kommen noch immer zum Ergebnis, dass Schwimmen unter Deutschen ein beliebtes Hobby ist. "Ob die aber wirklich schwimmen, sei mal dahingestellt", sagt Axel Dietrich, der Jugendbildungsreferent beim Deutschen Schwimm-Verband (DSV).

Beim Blick auf die Gegenwart fühlt sich Dietrich bestätigt: "In diesen heißen Tagen sind die Badeseen und Freibäder natürlich gut frequentiert", sagt er. "Aber sind sie zum Schwimmen frequentiert, oder zum Abkühlen?"

Mit dem Ausüben der Sportart allein ist es ohnehin nicht getan. Denn selbst unter Schwimmern werden viele Techniken falsch ausgeübt, weil sie früher falsch erlernt wurden. Das gilt besonders für Brustschwimmen.

Dieser Schwimmstil hat zwar Vorteile: Der Schwimmer kann sich orientieren und selbst Untrainierte können relativ ausdauernd ihre Bahnen ziehen. Aber er widerspricht auch der menschlichen Natur. Denn die Technik hat sich der Mensch früher beim Frosch abgeschaut, vor allem die der Beine.

Wer viel auf der Brust schwimmt und die Bewegungen nicht beherrscht, dem droht früher oder später eine bittere Diagnose: das Brustschwimmerknie. "Unsere Motorik ist auf abwechselnde Bewegungen ausgerichtet, nicht auf simultane", sagt der Sportwissenschaftler Andreas Hahn.

Leserkommentare
  1. Das Schlimme sind die Rücksichtslosen, die meinen, nur dann Spaß zu haben wenn sie sich im Badebecken Bälle zuwerfen. Die donnern nicht nur alle Naselang den Ball anderen Badegästen an den Kopf, sondern nehmen zu zweit einen Beckenbereich von 10 Personen in Anspruch. Ballverbot im Becken -> an vielen Sonnentagen bis zu 20% mehr Platz im Nichtschwimmerbereich -> mehr Platz im Schwimmerbereich.

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  2. Ich hab's auch nie gelernt, mit dem Kopf beim Brustschwimmen unter Wasser zu gehen - trau' ich mich nicht, mag ich nicht. Dennoch gehe ich gern Schwimmen, einen Kilometer schaffe ich gut ohne Nackenschmerzen, wenn ich den Kopf mal nach links, mal nach rechts wende. Ich habe im Leben wirklich was anderes zu tun, als auch noch einen Erwachsenenkurs zum Erlernen der richtigen Technik mitzumachen.
    Schade finde ich, dass sich in unserer Stadt alles auf das neue Freizeitbad konzentriert und die Öffnungszeiten der städtischen Freibads so schlecht sind. Im Sommer 19.30h Badeschluß ist doch ein Witz...
    Dass viele Leute aber nur zum Abkühlen ins Bad gehen, kann man ihnen aber doch nicht verdenken oder? Was soll man denn sonst in der Stadt machen?

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    Natürlich sei den Leuten das Abkühlen unbenommen. Aber auch hier wieder die Frage: warum kann es denn kein Nebeneinander geben, ein geordnetes: Hier planschen, hier schwimmen - und gut ist?

    "Was soll man denn sonst in der Stadt machen?"Das meinen Sie jetzt aber nicht ernst oder?

    Schwimmen ist ein sehr stark von Technik geprägter Sport. Die richtige Schwimmtechnik ist eben das A und O. Ich frage mich schon seit Jahren warum in Deutschland immer noch Brustschwimmen als erste Schwimmtechnik gelehrt wird. Die Brustschwimmtechnik ist mit die komplexeste Technik die es beim Schwimmen gibt. Das Ausatmen Unterwasser kann man schön in der Badewanne üben. Kraulen ist besonders für Kinder extrem leicht zu erlernen und man erhält dadurch auch gleich eine bessere Wasserlage, denn die schnellen Schwimmer sind nicht schnell wegen ihrer Kraft, sondern ihrer hydrodynamisch besseren Lage.

    Eine neue Schwimmtechnik zu erlernen kann sehr viel Freude bereiten.

    • Kosyme
    • 27. Juli 2013 8:36 Uhr

    "Ab vormittags, wenn dort der Höllenlärm ausbricht, bleibt Schwimmern wie ihm nur noch der See. Doch es muss schon ein besonders großer oder verlassener sein."

    Es geht manchmal auch am Abend:

    " Die vielen anderen Kinder die den Nachmittag hier verbracht hatten, waren schon gegangen und ich nahm an, in wenigen Minuten hätte ich das Wasser für mich und dann würde ich mich auf den Rücken legen können und mit weiten Armschlägen das Becken durchqueren. Ohne mich sorgen zu müssen, versehentlich jemanden zu rammen oder nass zu spritzen..."

    aus: http://meykosoft.jimdo.com/unterwegs/duschen/

    Eine Leserempfehlung
  3. Ich habe 27 Jahre meines Erwachsenenlebens in Australien verbracht. Nahezu alle Schwimmbäder dort haben mindestens ein grosses rechteckiges 50m Becken mit einer grossen Zahl von abgeteilten Bahnen für sportlich ambitionierte Schwimmer. Für Kinder, die planschen wollen, gibt es ein Extra-Becken. Ich bin jetzt 74, schwimme immer noch gern und vermisse solche Einrichtungen sehr. Deutsche Schwimmbäder sind mir ein Greuel.

    Schwimmtraining, ausser in einem Club, wird zwangsläufig zum ineffektiven Slalomschwimmen, da man ständig vor den 'tratschenden' Brust- und Kreuz-und-Querschwimmern auf der Hut sein muss. Aber hier geht ja 'Wellness' vor Gesundheit.

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    Gebe meinem Vorredner Recht - jedes Mal, wenn ich in Deutschland bin und meine Schwimm-Routine durchziehen moechte, endet es in Frustration.

    Nun lebe ich in einem nicht gerade auf Organisation ausgerichteten Land, trotzdem schaffen sie es, das Schwimmbecken mit Styropor-bestueckten Seilen aufzuteilen, zB. "LANGSAM", "MITTEL", "SCHNELL/SPORT" und mit einem aufgestellten Schild inklusive Schwimmrichtung (Uhrzeigersinn o. Gegen-Uhrzeigersinn) angezeichnet.

    Zusaetzlich gibt es hier es Kurse, die morgens oder abends vor der Arbeit stattfinden, unter Anderem auch fuer Technik-Korrektur bei Amateuren. Wie das Schwimmbad: Rund um die Uhr gut besucht.

    Schwimmkurse organisieren mag ja aufwaendiger sein, aber ein paar Styropor-Trennseile? So viel sollte doch zu schaffen sein!

  4. Was mir besonders in Hallenbädern immer wieder sauer aufstösst sind sogenannte "Rentner-Pulks" - fasst ausschliesslich ältere Damen, die mindestens zu zweit, gerne aber auch zu dritt oder zu viert zusammen schwimmen. Dabei schwimmen sie immer sehr, sehr langsam um miteinander tratschen zu können und sie haben meistens ihren gegenseitigen Abstand so optimiert, dass sie möglichst viel Platz verbrauchen ohne dass man zwischen ihnen durchschwimmen kann. So blockieren die Damen locker mal zwei Bahnen komplett, und man muss sie grossflächig umschwimmen.

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    regt mich auch am meisten auf (altersunabhängig). Es ist für viele, die nicht das reine Bahnenschwimmen betreiben, wohl einfach nicht bewusst, dass ein Becken durchaus in Bahnen unterteilt werden kann.
    Ganz besonders ignorant empfinde ich die Leute, die sich vor dem ins Wasser gehen nicht mal orientieren, wo denn die schnelleren und langsamren Schwimmer sind und sich nicht entsprechend einordnen. Es ist wie mit dem Mofa ohne zu schauen auf die Autobahn zu fahren und sich dann konsequent links festzusetzen.
    Das ärgerliche ist eben, dass der an sich gesunde Kraulstil dadurch unterbrochen wird. Indem man ständig die "Fahrbahn" im Blick haben muss, kann man nur schwer seinen Rhythmus finden, muss immer wieder den Kopf leicht anheben und kommt dadurch ebenfalls in die Nackenprobleme.
    Ich kenne durchaus Bäder, in denen es eine ausgewiesene Kraulbahn gibt. Allerdings wird die dann weder von Bändern abgesteckt noch werden Planscher konsequent ermahnt.
    Ein Freund sah mir mal beim Schwimmen zu (ich kraule standardmäßig einen Kilometer) und meinte überrascht, wie viel Wut ich ausstrahlen würde. Das ist keine Wut, es ist nur der offensive Blick, mir aus der Bahn zu gehen.

    John von Düffels Buch "Schwimmen" gehört im übrigen zu meinen Lieblingsbüchern.

    • murewa
    • 27. Juli 2013 10:25 Uhr

    Sie beschreiben das sehr gut. Ich habe diese Damen (für mich) immer Raddampfer genannt. Was noch hinzukommt - und ihren Schwimmstil erklärt - ist der Umstand, dass die Damen über sorgfältig vom Frisör betonierte Frisuren verfügen, die nicht nass werden dürfen. Und man kann auch davon ausgehen, dass sie deswegen vor Betreten des Beckens nicht vollständig geduscht sind. So entströmen ihrem Halsbereich die Reste aufgetragener Duftstoffe und wabern über die Wasserfläche. Mir graust vor denen, besonders im Hallenbad.

    ich tauche immer unten durch :o)

    • dapf15
    • 19. August 2013 13:46 Uhr

    Dagegen hilft Rückenschwimmen: Komm ich den Damen entgegen, haben sie die Chance auszuweichen (und tun das auch). Hole ich sie ein, entschuldige ich mich nach dem Poklatscher kurz und bekomme Platz gemacht. Meist ist dann auch recht schnell der Schwimmmeister zur Stelle und verweist die Kaffeeklatschtruppe auf die "Bummelbahnen".

  5. regt mich auch am meisten auf (altersunabhängig). Es ist für viele, die nicht das reine Bahnenschwimmen betreiben, wohl einfach nicht bewusst, dass ein Becken durchaus in Bahnen unterteilt werden kann.
    Ganz besonders ignorant empfinde ich die Leute, die sich vor dem ins Wasser gehen nicht mal orientieren, wo denn die schnelleren und langsamren Schwimmer sind und sich nicht entsprechend einordnen. Es ist wie mit dem Mofa ohne zu schauen auf die Autobahn zu fahren und sich dann konsequent links festzusetzen.
    Das ärgerliche ist eben, dass der an sich gesunde Kraulstil dadurch unterbrochen wird. Indem man ständig die "Fahrbahn" im Blick haben muss, kann man nur schwer seinen Rhythmus finden, muss immer wieder den Kopf leicht anheben und kommt dadurch ebenfalls in die Nackenprobleme.
    Ich kenne durchaus Bäder, in denen es eine ausgewiesene Kraulbahn gibt. Allerdings wird die dann weder von Bändern abgesteckt noch werden Planscher konsequent ermahnt.
    Ein Freund sah mir mal beim Schwimmen zu (ich kraule standardmäßig einen Kilometer) und meinte überrascht, wie viel Wut ich ausstrahlen würde. Das ist keine Wut, es ist nur der offensive Blick, mir aus der Bahn zu gehen.

    John von Düffels Buch "Schwimmen" gehört im übrigen zu meinen Lieblingsbüchern.

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    Antwort auf "Meine Erfahrungen"
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    Dann gehören sie evtl. zu den von mir geliebten 'Kampfschwimmern', die sich rücksichtslos 'ihre' Bahn erkämpfen. Ich schwimme auch auf Strecke und tratsche im übrigen nie im Wasser, aber in einem vollen Bad ist es nun mal notwendig, auf die Bahn zu achten und sich gegen seitig nicht zu behindern. Da muß man schon mal ein bißchen ausweichen, wenn jemand entgegenkommt. Wenn jeder das macht, können alle gut schwimmen. Ein Recht auf die eigene Bahn gibt's nun mal nur im eigenen Pool!

  6. Wer sportlich Schwimmen will, dem bleibt eigentlich im Sommer nur noch der See. Ich habe ein Schwimmbad mit Sportbecken in meinem neuen Stadtteil entdeckt, was von 10.00 bis 18.00 Uhr geöffnet ist. Was für ein Anachronismus! Kein Wunder, dass Bäderland in HH defizitär arbeitet. Gerade im Frühbereich gäbe es genügend Interessenten, die morgens sportlich ihre Bahnen ziehen wollen. Im späteren Abendbereich wäre das auch möglich. Aber nein, da wird dann eine Öffnungszeit angeboten, wo wahrscheinlich die Hälfte des Tages Leerstand herrscht.

    Sportliche Schwimmer schwimmen eigentlich bei jedem Wetter und wahrscheinlich bei schlechtem Wetter sogar am liebsten, da genügend Platz. Aber ihnen macht man das Leben besonders schwer. So entwickelt sich dann eine Spirale nach unten. Immer weniger haben Lust, da sie eigentlich keine Möglichkeit sehen, ihrem Hobby angemessen zu frönen und so sind die Schwimmbäder nur noch dann gut besucht, wenn die Sonne brüllt. Und wenn dann mal ein schlechter Sommer herrscht, herrscht totaler Leerstand, weil die, die sportlich Schwimmen wollen, sich andere Interessen gesucht haben. Also werden mehr und mehr Bäder geschlossen und die wenigen, die noch offen haben, werden unzumutbarer.

    Wenigstens im Sommer bleibt mir noch der See. Egal bei welchem Wetter, außer bei Gewitter. Leider nicht ganz ungefährlich, wenn man alleine schwimmt.

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  7. Natürlich sei den Leuten das Abkühlen unbenommen. Aber auch hier wieder die Frage: warum kann es denn kein Nebeneinander geben, ein geordnetes: Hier planschen, hier schwimmen - und gut ist?

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    Antwort auf "Kopfunter"
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    In den besseren Bädern ist es ganz normal, eine oder zwei Bahnen werden für Schwimmer reserviert, auf dem Rest kann man machen, was man will.

    Allerdings gibt es da ein oft ganz banales Problem: Die meisten Städte und Kommunen sind in Bezug auf die Anzahl der Bäder unterversorgt. In Berlin ist es z.B. üblich, dass sich Stadtteile wie Kreuzberg oder Neukölln, die jeweils um die 200.000 - 300.000 Einwohner haben, nur ein Freibad leisten können. Dies ist für den Hochsommer einfach nicht ausreichend.

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  • Schlagworte Badesee | Hobby | Freizeit | John von Düffel | Wasser | Schwimmen
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