Trainerin Silvia NeidDie Spielerinnenversteherin

Trainerin Silvia Neid kam mit einer jungen, motivierten Mannschaft zur Europameisterschaft in Schweden. Jetzt hofft sie auf den Titel. Von G. Derichs, Stockholm von Gregor Derichs

Silvia Neid ist in ihrem Element. Sieben Mal hat sie diese Situation schon erlebt, so oft stand sie mit der deutschen Frauen-Nationalmannschaft in einem Endspiel der Europameisterschaft, sieben Mal wurde ihr danach der Siegerpokal in die Hände gereicht. Am Sonntag in Solna, einer Vorstadt von Stockholm, braucht es einen Sieg gegen Norwegen, um den achten Triumph feiern zu können.

Dabei wäre ein Sieg für die Deutschen besonders schön: "Wir haben bekanntlich mit dem Gegner noch eine Rechnung offen", sagt Neid. Gegen Norwegen, das ein halbes B-Team aufgeboten hatte, kassierte ihr nervöses Team in der vorigen Woche in Kalmar mit dem 0:1 die erste EM-Niederlage seit 20 Jahren. "Wir arbeiten daran, es besser zu machen. Dass die Norwegerinnen ein sehr schwerer Gegner sind, wissen wir", sagt Neid.

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Dabei nahmen der Trainerstab und die Spielerinnen am Donnerstag erfreut zur Kenntnis, dass mehrere Vorteile auf ihrer Seite liegen. "Wir haben einen Tag mehr Pause als Norwegen", sagte Dzsenifer Marozsan, die Torschützin beim 1:0 gegen Schweden. Und dazu musste Norwegen gegen Dänemark 120 Minuten spielen und zog nach einem 1:1 erst durch ein 4:2 im Elfmeterschießen ins Endspiel ein.

Neid liebt solche Turniere, wie sie sagt, und ergänzt: "Ich mag das Gefühl, die Abläufe, diese Situationen. Jedes Turnier und vor allem die Endspiele sind eine Herausforderung." Diese positive Einstellung konnte sie vor dem Sieg gegen Schweden endlich auch auf die jüngeren Spielerinnen übertragen. Die Skepsis, die auch bei ihr entstanden war, als das junge Team in der Vorrunde noch nach seiner Selbstsicherheit suchte, scheint gewichen zu sein. "Die ganze Betreuer-Crew arbeitet sehr intensiv, damit die Mannschaft beste Bedingungen bekommt. Irgendwann hatten wir das Gefühl, da kommt aber nicht genug von den Spielerinnen zurück", schilderte ein Team-Mitarbeiter die Stimmung, die nach dem 0:1 gegen Norwegen entstanden war. Auf jede der 23 Spielerinnen im Kader kommt ein DFB-Mitarbeiter. Die Komfortzone wirkte kontraproduktiv.

"Wir haben sehr viele Einzelgespräche geführt. Ich glaube, das hat viel gebracht", sagt Neid. Die 18- bis 22-Jährigen hängen eng zusammen; bewegt sich eine, bewegen sich meist alle. Die Weltmeisterinnen wie Annike Krahn oder Nadine Angerer sind und waren ganz andere Typen. Eher alternativ, fanden sich beide in einem Team mit Ersatzspielerinnen wie Isabelle Linden wieder, die ein glühender Fan von Justin Bieber ist. Akzeptiert wird das alles, Neid sagt dazu: "Wir haben uns vorher schon gut verstanden, aber jetzt beim Turnier sind wie noch enger zusammengerückt", sagt Neid.

Als Co-Trainerin von Tina Theune-Meier feierte sie die EM-Titel 1997, 2001 und 2005. Vier Jahre später dann führte Neid erstmals als Cheftrainerin eine reife Mannschaft ohne Punktverlust und souverän zum EM-Titel. "Mach’s noch einmal, Silv", lautet das Motto beim DFB für Sonntag. Ein Finalsieg mit ihrem neuen Talentschuppen wäre nach dem verpatzten Start eine kleine Überraschung – und der achte EM-Titel für Silvia Neid und den Verband.

Erschienen im Tagesspiegel

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Leserkommentare
    • mugu1
    • 27. Juli 2013 16:46 Uhr

    Offen gesagt habe ich ein zwiespältiges Gefühl was dieses Team angeht. Nein, nicht weil ich Frauenfußball nicht gerne gucke, Im Gegenteil. Was das angeht war ich immer sehr offen und verfolge regelmäßig den Frauenfußball (seit rd. 20 J., wenn auch intensiver international).

    Zwiespältigkeit herrscht bei mir,ob ich wirklich unbedingt wünsche, dass Deutschland den EM-Titel 2013 holt. Einerseits wäre das natürlich wunderbar, in 1. Linie für die Spielerinnen selbst und für die Trainerin.

    Aber wäre das wirklich so toll für die künftige Entwicklung des deutschen Frauenfußballs?

    Das Team ist jung und -trotz der Erfolge bisher- vielseits mit Fehlern und Mängeln behaftet. Diese gilt es in den kommenden Jahren unbedingt auszumerzen, um die Vormachtstellung in Europa zurückzuerobern bzw. zu behalten u. zurück in die vorderste Linie der 1. Garde der Weltspitze zu kommen, wo man sich m.E. derzeit nicht mehr befindet.

    Wenn nun Deutschland diese EM gewinnen sollte,was vorher wohl niemand auf dem Plan hatte, sehe ich die Gefahr, dass man sich zufrieden zurücklehnt und auf den Lorbeeren des Erfolgs ausruht,nach dem Motto: Wir sind zurück! Wir sind wieder die Nr. 1.

    Doch das wäre falsch, gar gefährlich! Wie gesagt, die Defizite im Team sind deutlich erkennbar. Die beiden größten, jene die uns von der Weltspitze derzeit trennen, möchte ich hier nennen: 1. mangelnde Ballsicherheit (mangelnde Technik), 2. unzureichende Schusskraft.

    Und zugleich hoffe ich dann doch, das "Wir" die EM gewinnen.

    2 Leserempfehlungen
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    Ich kann mich ihnen nur anschließen. Der Mannschaft wünsche ich den Titel durchaus, Frau Neid schon weniger und der Art wie dieses Team Fussball spielt wünsche ich, dass sie das Finale hoch verlieren. Was ich bei dieser EM an technischen Fehler und Stochereien gesehen habe tat teilweise weh. Das hab ich bei stinknormalen B-Jugendmannschaften von Mannschaften deren Senioren in der 8 Liga spielen besser gesehen. Und mehr als unsere Nationalspielerinnen trainieren die auch nicht. Trotzdem wünsche ich den Damen den Titel. Vielleicht gibt es ja auch so mal intensives Technik- und Schusstraining ;-)

  1. Ich kann mich ihnen nur anschließen. Der Mannschaft wünsche ich den Titel durchaus, Frau Neid schon weniger und der Art wie dieses Team Fussball spielt wünsche ich, dass sie das Finale hoch verlieren. Was ich bei dieser EM an technischen Fehler und Stochereien gesehen habe tat teilweise weh. Das hab ich bei stinknormalen B-Jugendmannschaften von Mannschaften deren Senioren in der 8 Liga spielen besser gesehen. Und mehr als unsere Nationalspielerinnen trainieren die auch nicht. Trotzdem wünsche ich den Damen den Titel. Vielleicht gibt es ja auch so mal intensives Technik- und Schusstraining ;-)

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    Antwort auf "Zwiespältiges Gefühl"
  2. die heutige Mannschaft bei der EM 2013 hat nicht den Druck der Mannschaft bei der WM 2012. So gesehen ist die Ausgangssituation besser, denn allein das Erreichen des Finales ist ein großer Erfolg.
    Mental und physisch scheint die Frauennationalmannschaft gut aufgestellt. Sicher auch ein Verdienst der erfahrenen Trainerin Silvia Neid. So stehen denn die Chancen gegen Norwegen 50:50.
    Ein Erfolg wäre schön, eine Niederlage kein Desaster. So bleibt mir dem Gastgeber Schweden ein großes Dankeschön für die Ausrichtung der EM zu sagen. Die Schwedinnen haben wacker gekämpft und das Publikum war sehr fair, was wie auch immer für Schweden spricht.

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  3. so heißt der Kommentar richtig.

  4. heute nachmittag !

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