Wimbledon-Endspiel : Vorerst ausgeträumt

Sie war ganz nah dran: Sabine Lisicki stand im Tennis-Finale von Wimbledon. Doch die Französin Marion Bartoli war dieses Mal einfach stärker.
Sabine Lisicki bei ihrer Finalniederlage in Wimbledon ©ADRIAN DENNIS / AFP

Das Ass schlug unerreichbar neben Sabine Lisicki ein, es war vorbei. Marion Bartoli sank auf die Knie und schlug fassungslos die Hände über dem Kopf zusammen, sie war Wimbledonsiegerin. Lisicki mochte es auch kaum glauben, denn alles, was sie sich an diesem Tag so sehr erhofft hatte, hatte die Französin gerade zerstört.

Die 23 Jahre alte Berlinerin gratulierte Bartoli herzlich am Netz, dann sank sie auf ihren Stuhl und die Tränen kullerten über ihr Gesicht. Hinschauen, wie Bartoli hoch in ihre Box kletterte und sich von ihrem ganzen Team herzen ließ, mochte sie nicht. Es tat zu weh. Sie zwang sich zu einem Lächeln, als sie die silberne Platte für die Zweitplatzierte hochhielt. Doch das war nicht, was sie gewollt hatte.

Bartoli war es, die stolz die goldene Venus Rosewater Dish in die Höhe reckte. Und als das kunstvolle Stück 1864 gearbeitet wurde, kostete es bloß 50 Guineas – der Moment jedoch, sie nun festhalten zu dürfen, wäre für Lisicki unbezahlbar gewesen. "Ich habe immer davon geträumt, diese Schale einmal in der Hand zu halten", sagte sie später enttäuscht. Der Traum ist nun vorerst geplatzt. Mit 1:6 und 4:6 verlor die Berlinerin in nur 81 Minuten ihr erstes Grand-Slam-Finale, und dass es in Wimbledon gewesen war, schmerzte die Berlinerin ganz besonders.

Denn schon als Lisicki als Kind mit ihren Eltern den All England Club an der berühmten Londoner Church Road zum ersten Mal besuchte und sie sich mit großen Augen alles anschaute, hatte es sie gepackt. Liebe auf den ersten Blick war es zwischen ihr und Wimbledon. Sie wusste sofort, dass sie hier einmal gewinnen wollte, auf dem Rasen dieses Centre Courts.

Überwältigt von Wimbledon

Diese ungeheure Freude und die Zuneigung, die sie für diesen so besonderen Ort empfand, war Lisicki  anzumerken, als sie am Samstagnachmittag mit einem strahlenden Lächeln den Court betrat. "Ich habe mir alles angeschaut und die Atmosphäre aufgesaugt", sagte sie, "die vielen Zuschauer, dieser besondere Lärm – das ist einfach einmalig." Lisicki liebt die große Bühne, sie genießt jeden Moment und dafür lieben sie die Briten. Mit "Go Sabine"-Shirts bekleidet saßen auf der Tribüne etliche ihrer neuen Anhänger, die sie mit ihrer positiven Ausstrahlung für sich eingenommen hatte. Und obwohl Lisicki das alles so mochte, es so sehr wollte, war es plötzlich doch zu viel für sie. "Ich war einfach zu überwältigt von der ganzen Situation", sagte Lisicki, bis die Tränen ihre Stimme erstickte. Schon während der Partie hatte Lisicki geweint.

Zunächst schien es, als habe sie sich den Rat, den Steffi Graf ihr als siebenmalige Siegerin und letzte deutsche Finalistin mit auf den Weg gab, beherzigt. Sie solle dieses Endspiel einfach als ein normales Match sehen, ganz so, als haben sie gar nichts zu verlieren, hatte Graf gesagt. Und Lisicki begann die Partie genau nach diesem Prinzip, agierte mit aggressiven Returns gegen Bartoli, die die wohl unorthodoxeste Technik der Tour spielt und ihre Aufschläge mit kuriosen Bewegungen ausführt.

Hart sind diese dennoch, aber Lisicki gelang sofort das Break zum 1:0. Doch genau wie Bartoli zuvor gab Lisicki ihr Spiel danach mit einem Doppelfehler ab. Die Nervosität kroch in ihr hoch. Die Berlinerin riskierte viel bei ihren Aufschlägen, die sie mit 200 km/h abfeuern kann. Heute waren sie deutlich langsamer, und sie riskierte auch viel zu viel mit ihrer stärksten Waffe. Bartoli gelang mit ihren gewaltigen, beidhändigen Schlägen das Break zum 3:1 und dann zum 5:1 – Lisicki hatte Probleme gegen das unkonventionelle Spiel der Französin, dabei konnte sie diese vor zwei Jahren im Viertelfinale auf jenem Centre Court schon bezwingen.

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Kommentare

20 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Kein Bis, wenn's drauf ankommt

Es war im Grunde wie bei der Niederlage der deutschen Fußballherrennationalmannschaft bei der EM gegen Italien. Man wusste früh, dass es nichts wird. Und es scheint symptomatisch für den deutschen Spitzensport im Allgemeinen, dass keine großen Erfolge gelingen. Man denke nur an die letzte Olympiade oder auch an unsere famosen Hallenhandballer. Vielleicht ist es ein Magel an Mentalität, der seine Ursache zumindest zum Teil auch darin findet, dass ein zweiter, dritter oder fünfter Platz für die sportliche Reputation hierzulande ebenso reichen wie für ein Leben in relativem Luxus. Und es fehlt an Typen wie einem Oliver Kahn oder auch einem Boris Becker.

@ lxththf: Nicht so schnell beim Widerlegen!

Sie haben recht, es gibt natürlich Erfolge deutscher Sportler. Das bestreite oder relativiere ich auch nicht, ebenso wenig, dass S.L. Ein Turnier gespielt hat, dass ihr zuvor kaum jemand zugetraut hat. Und der Sieg gegen Serena Williams war ganz großer Sport. Zweifelsohne!
Worauf ich hinweisen wollte: Der deutsche Spitzensport hat, allgemein betrachtet, trotz überdurchschnittlicher staatlicher Sportförderung eine unterdurchschnittliche Performance. Und das im Übrigen gerade bei Olympia. Nicht umsonst gab es nach den letzten Sommerspielen eine Debatte um die Reduzierung der staatlichen Sportförderung:

http://www.spiegel.de/spo...

http://www.focus.de/sport...

Und mit Verlaub, es muss doch die Frage erlaubt sein, warum das so ist.