Fett wie ein TurnschuhAls Poledancer würden sie mir Dollars in die Unterwäsche stecken

Unser Fitnesskolumnist möchte als Poledancer schlank werden. Doch die US-Regierung liest seine Mails und hält ihn für einen Terroristen. Er muss flüchten, nur wohin? von Tuvia Tenenbom

Tuvia Tenenbom ist nach seinem Besuch im Friseursalon aufgetakelt.

Tuvia Tenenbom ist nach seinem Besuch im Friseursalon aufgetakelt.   |  © Isi Tenenbom

Seit Jahren schinde ich mich auf der Suche nach dem für mich idealen Fitnessprogramm, nach etwas, das ganz genau meinen Fähigkeiten entspricht. Erst vor Kurzem bin ich auf ein Fitnessstudio gestoßen, dessen Angebot nicht nur meiner Figur, sondern auch meiner Persönlichkeit entspricht: Poledance-Training. Ja, ich weiß: Diese Art von Sport ist normalerweise bestimmten Damen vorbehalten, die gewisse Berufe in "Herrenetablissements" ausüben. Doch wir leben in einer offenen und modernen Gesellschaft. Was für die Frau gut ist, ist auch für den Mann gut, und ich bin zufällig ein Mann. Ich bin sicher, dass ich in meinem neuen Stangenhobby brillieren werde und viele Leute mir liebend gerne frische Dollarscheine in die Unterwäsche stecken würden. Wie ein Tier im Zoo herumzuhüpfen ist das allerbeste Training, das es gibt. Ich würde abnehmen und gleichzeitig tonnenweise Geld verdienen: zwei Dinge, die wirklich jeder Amerikaner bewundert.

Ich schalte mein iPad ein, gehe ins Internet und finde schnell eine wunderbare Poledance-Trainerin, die zufällig jung und umwerfend schön ist – jedenfalls verstehe ich das so. Besser geht's nicht, sage ich mir, und beschließe, gleich am nächsten Tag mein neues Leben als Poledancer zu beginnen.

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Aber, wie so oft, ist das Leben komplexer als die Logik.

Tuvia Tenenbom
Tuvia Tenenbom

ist Autor, Essayist und Dramatiker. Er ist Artistic Director des Jewish Theater in New York und Autor des Buches Allein unter Deutschen: Eine Entdeckungsreise. Für ZEIT ONLINE schreibt er seit Dezember 2011 die Fitnesskolumne "Fett wie ein Turnschuh".

Im Morgengrauen des nächsten Tages entscheidet die US-Regierung, meine E-Mails zu durchforsten, sich in meine Social-Media-Konten einzuschleichen und jedes einzelne Mal aufzuzeichnen, wenn ich mein iPad ein- und ausschalte. Die Obama-Regierung glaubt offensichtlich, dass der wahre Grund für mein Interesse am Stangentanz nicht darin besteht, reich, sexy und gesund zu werden. Basierend auf komplexen Sicherheitsberechnungen sind sie zu dem Schluss gekommen, dass meine wahre Intention darin besteht, auf das Empire State Building zu klettern und einen spektakulären Selbstmordanschlag zu verüben, der halb Manhattan zerstören wird. Und nicht nur das: An diesem Nachmittag ist zu mir durchgesickert, dass meine junge sexy Poledance-Schönheit eigentlich ein 79-jähriger Hillbilly ist, der seine Anweisungen direkt vom Weißen Haus erhält und mich ins Gefängnis bringen soll, indem er sich als seine eigene Urenkelin ausgibt.

Um längere Gefängnisaufenthalte zu vermeiden, löse ich sofort meine Facebook-Konten auf und spende alle meine Mobilgeräte für Hillary Rodham Clintons Präsidentschaftswahlkampf.

Als Reaktion hierauf ernennen mich Präsident Obamas Beamte auf der Stelle zum amerikanischen Patrioten, und alle lieben mich, obwohl ich nicht an eine Poledance-Stange springen kann.

Das ist alles schön und gut, aber ich fühle mich elend. Ich will nicht, dass die Leute mich lieben, nur weil ich ein berühmter Patriot bin. Das macht überhaupt keinen Spaß. Ich will geliebt werden, weil ich sexy bin, muskulös, gut aussehend, heiß – kurz gesagt: Ein Poler.

Ich denke ein bisschen darüber nach und weil ich nicht mehr im Internet bin, und daher niemand weiß, wo ich bin, und was ich mache, beschließe ich, in einem von New Yorks berühmten Wolkenkratzern nach einer Poledance-Lehrerin zu suchen, einer, die tatsächlich jung ist.

Aber so einfach ist das Leben nicht.

Leserkommentare
  1. melden Sie sich! Meine Familie gewährt Ihnen gerne Asyl!
    Wir bieten an:
    - Freie Kost (auch jüdisches Essen) und Logis
    - Sport (functional fitness)
    - kein Fernsehen
    - interessante Gespräche mit einer Landsfrau von Ihnen

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    • Rend
    • 03. Juli 2013 17:21 Uhr

    Können sie denn auch Stangentanz?

    Das kann er uns dann beibringen.

  2. muss wohl ein laufender Vertrag sein, eine andere Erklärung gibt es nicht.

    Hat sich der Mann nicht endgültig unmöglich gemacht? In meinen Augen schon.

    7 Leserempfehlungen
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    da müssen Sie jetzt durch.
    Aber vielleicht wird es ja noch schlimmer, je nachdem, wer die nächsten 100 Stück liefern darf.

    • Rend
    • 03. Juli 2013 17:21 Uhr

    Können sie denn auch Stangentanz?

    Antwort auf "Herr Tenenbom"
    • Ximer
    • 03. Juli 2013 17:51 Uhr

    schlecht

    4 Leserempfehlungen
  3. 5. […]

    Entfernt. Bitte äußern Sie ihre Kritik sachlich und differenziert. Danke, die Redaktion/jp

  4. 6. Tadel

    Manche Sachen sind überhaupt nicht witzig, und man sollte auch keine Witze drüber reissen. Klappt eh nicht. Siehe Beispiel Totalüberwachung durch […] Weltmacht und obiger Artikel.

    aj

    Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/jp

  5. Das kann er uns dann beibringen.

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    Antwort auf "Herr Tenenbom"
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    • Rend
    • 03. Juli 2013 19:20 Uhr

    Warum antworten die Leute immer auf ihre ursprünglichen Kommentare, wenn sie eigentlich meiner Antwort auf ihren Kommentar antworten wollten.

    Ich schaue (wie es eigentlich auch völlig normal ist) immer nur auf "Reaktionen anzeigen" bei meinen eigenen Kommentaren, ob mir jemand geantwortet hat.

    Dadurch finde ich Antworten an mich, wie die von ihnen gerade, dann nur rein zufällig (weil sie eben rein technisch nicht an mich gingen).

    Ja ich weiss, hat nichts mit Herrn Tenenbom und seiner Stangen-Akrobatik zu tun, aber musste einfach mal gesagt werden, regt mich einfach jedesmal auf.

    Noch viel Spass beim Pole-Dance :D

    • Rend
    • 03. Juli 2013 19:20 Uhr

    Warum antworten die Leute immer auf ihre ursprünglichen Kommentare, wenn sie eigentlich meiner Antwort auf ihren Kommentar antworten wollten.

    Ich schaue (wie es eigentlich auch völlig normal ist) immer nur auf "Reaktionen anzeigen" bei meinen eigenen Kommentaren, ob mir jemand geantwortet hat.

    Dadurch finde ich Antworten an mich, wie die von ihnen gerade, dann nur rein zufällig (weil sie eben rein technisch nicht an mich gingen).

    Ja ich weiss, hat nichts mit Herrn Tenenbom und seiner Stangen-Akrobatik zu tun, aber musste einfach mal gesagt werden, regt mich einfach jedesmal auf.

    Noch viel Spass beim Pole-Dance :D

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    Antwort auf "Noch nicht"
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    Schönen Abend noch!

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