Seit Jahren schinde ich mich auf der Suche nach dem für mich idealen Fitnessprogramm, nach etwas, das ganz genau meinen Fähigkeiten entspricht. Erst vor Kurzem bin ich auf ein Fitnessstudio gestoßen, dessen Angebot nicht nur meiner Figur, sondern auch meiner Persönlichkeit entspricht: Poledance-Training. Ja, ich weiß: Diese Art von Sport ist normalerweise bestimmten Damen vorbehalten, die gewisse Berufe in "Herrenetablissements" ausüben. Doch wir leben in einer offenen und modernen Gesellschaft. Was für die Frau gut ist, ist auch für den Mann gut, und ich bin zufällig ein Mann. Ich bin sicher, dass ich in meinem neuen Stangenhobby brillieren werde und viele Leute mir liebend gerne frische Dollarscheine in die Unterwäsche stecken würden. Wie ein Tier im Zoo herumzuhüpfen ist das allerbeste Training, das es gibt. Ich würde abnehmen und gleichzeitig tonnenweise Geld verdienen: zwei Dinge, die wirklich jeder Amerikaner bewundert.

Ich schalte mein iPad ein, gehe ins Internet und finde schnell eine wunderbare Poledance-Trainerin, die zufällig jung und umwerfend schön ist – jedenfalls verstehe ich das so. Besser geht's nicht, sage ich mir, und beschließe, gleich am nächsten Tag mein neues Leben als Poledancer zu beginnen.

Aber, wie so oft, ist das Leben komplexer als die Logik.

Im Morgengrauen des nächsten Tages entscheidet die US-Regierung, meine E-Mails zu durchforsten, sich in meine Social-Media-Konten einzuschleichen und jedes einzelne Mal aufzuzeichnen, wenn ich mein iPad ein- und ausschalte. Die Obama-Regierung glaubt offensichtlich, dass der wahre Grund für mein Interesse am Stangentanz nicht darin besteht, reich, sexy und gesund zu werden. Basierend auf komplexen Sicherheitsberechnungen sind sie zu dem Schluss gekommen, dass meine wahre Intention darin besteht, auf das Empire State Building zu klettern und einen spektakulären Selbstmordanschlag zu verüben, der halb Manhattan zerstören wird. Und nicht nur das: An diesem Nachmittag ist zu mir durchgesickert, dass meine junge sexy Poledance-Schönheit eigentlich ein 79-jähriger Hillbilly ist, der seine Anweisungen direkt vom Weißen Haus erhält und mich ins Gefängnis bringen soll, indem er sich als seine eigene Urenkelin ausgibt.

Um längere Gefängnisaufenthalte zu vermeiden, löse ich sofort meine Facebook-Konten auf und spende alle meine Mobilgeräte für Hillary Rodham Clintons Präsidentschaftswahlkampf.

Als Reaktion hierauf ernennen mich Präsident Obamas Beamte auf der Stelle zum amerikanischen Patrioten, und alle lieben mich, obwohl ich nicht an eine Poledance-Stange springen kann.

Das ist alles schön und gut, aber ich fühle mich elend. Ich will nicht, dass die Leute mich lieben, nur weil ich ein berühmter Patriot bin. Das macht überhaupt keinen Spaß. Ich will geliebt werden, weil ich sexy bin, muskulös, gut aussehend, heiß – kurz gesagt: Ein Poler.

Ich denke ein bisschen darüber nach und weil ich nicht mehr im Internet bin, und daher niemand weiß, wo ich bin, und was ich mache, beschließe ich, in einem von New Yorks berühmten Wolkenkratzern nach einer Poledance-Lehrerin zu suchen, einer, die tatsächlich jung ist.

Aber so einfach ist das Leben nicht.