ZEIT ONLINE: Herr Friedrich, gibt es so etwas wie die Kapitalertragssteuer auch in den USA?

Arne Friedrich: Ja, deshalb muss ich in den nächsten Wochen noch mal zurück nach Chicago fliegen und mich mit meinem Steuerberater treffen. Meine Zeit als Spieler ist zwar beendet, aber meine Steuern muss ich dort bis Oktober gezahlt haben.

ZEIT ONLINE: Fußballspielen hat sich für Sie erledigt?

Friedrich: Absolut, ich habe leider wieder Probleme mit meiner Bandscheibe bekommen, musste in Chicago kündigen und habe meine Karriere nun definitiv beendet. Irgendwann ist alles mal vorbei.

ZEIT ONLINE: Wie viel Kapitalertragssteuer haben Sie in Deutschland in den vergangenen Jahren gezahlt?

Friedrich: Die Frage ist mir etwas zu privat. Aber: Ich habe sie immer gewissenhaft bezahlt.

ZEIT ONLINE: Haben Sie den Steuer-Fall Hoeneß verfolgt?

Friedrich: Wie die Meisten hauptsächlich durch die Medien.

ZEIT ONLINE: Sie waren ähnlich überrascht wie die meisten Beobachter?

Friedrich: Ich habe Uli Hoeneß ab und zu die Hand geschüttelt, aber ich kenne ihn persönlich nicht. Dennoch war ich total überrascht, als ich erfuhr: Er wäre längst im Gefängnis, wenn er keine Kaution gezahlt hätte. Er hat im karitativen Bereich sehr viel geleistet, überall hört man, er habe ein sehr großes Herz. Damit habe ich nun wirklich nicht gerechnet.

ZEIT ONLINE: Kann es sein, dass man einfach vergisst, die Kapitalertragssteuer beim deutschen Finanzamt anzugeben?

Friedrich: Ich kann mir das nicht vorstellen. Alle Einkünfte, die ich habe, egal woraus, werden gesammelt und dem Steuerberater übergeben. Natürlich ist es etwas schwieriger, wenn man Einkünfte in einem anderen Land erzielt. Aber einfach vergessen kann man die Steuer auch dann nicht, erst Recht nicht, wenn man als Profi so lange im Geschäft ist.

ZEIT ONLINE: Haben Sie in Ihrem Leben schon mal selbst eine Steuererklärung ausgefüllt?

Friedrich: Noch kein einziges Mal. Ist viel zu kompliziert für mich. Ich habe davon keine Ahnung, aber seit vielen Jahren einen Steuerberater, der aus der gleichen Gegend kommt wie meine Familie. Das ist eine Vertrauensperson. Ich habe aber mal hautnah mitbekommen, was bei einer Steuerprüfung passiert. Da ich Werbeeinkünfte habe oder hatte, musste ich mich auch als Firma registrieren, und als die Steuerfahnder dann die Firma kontrolliert haben, ging es richtig zur Sache. Dort, wo Geld ist, schauen die gewissenhaft nach. Ich musste viele Fragen beantworten und Belege zusammensuchen. Dabei bin ich im Vergleich zu großen Unternehmen oder Uli Hoeneß noch ein kleiner Fisch.

ZEIT ONLINE: Hoeneß’ Steuerschulden beziehen sich auf ein Konto in der Schweiz. Mit diesem Geld, das er als "Spielgeld" ansah, hat er an der Börse gezockt. Ist das Zocken unter Fußballern, die schnell zu Millionären werden, ein verbreitetes Hobby?