BundesligaDie Bayern sind wieder angreifbar

Die Bayern gewinnen zwar ihr erstes Bundesligaspiel unter Pep Guardiola. So souverän wie im Vorjahr sind sie aber nicht mehr. Oder noch nicht. von 

Hat wieder mehr zu tun bei den Bayern: Torhüter Manuel Neuer

Hat wieder mehr zu tun bei den Bayern: Torhüter Manuel Neuer   |  © Lennart Preiss/Getty Images

Weites Feld tat sich den Gladbachern Mitte der zweiten Halbzeit plötzlich auf. Ihr Stürmer Max Kruse konnte den Ball an der Mittellinie ohne gegnerischen Widerstand annehmen, sich drehen und Fahrt aufnehmen in Richtung Tor. So viel Platz hatte man gegen die Bayern zuletzt selten.

Und so blickte Arjen Robben in dieser Situation leicht vorwurfsvoll auf Bastian Schweinsteiger und gestikulierte. Schweinsteiger guckte vorsichtig anklagend auf Toni Kroos und rief. Kroos schaute kritisch auf … ja auf wen eigentlich? Da war kein Bayern-Spieler mehr in der Nähe, der ihm bei der Balleroberung helfen konnte.

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Diese Szene aus dem 3:1-Sieg gegen Borussia Mönchengladbach, mit dem die Meister aus Bayern die Bundesliga-Saison 2013/14 eröffneten, war nicht unbedingt der Regelfall, aber auch keine Ausnahme. Sie haben zwar wieder gewonnen, doch sie wirkten angreifbar wie lange nicht.

In der vorigen Saison waren sie die Herrscher des Spiels, in den meisten Partien kam der Gegner kaum einmal mit dem Ball in die Nähe ihres Strafraums. Gegen Gladbach, im ersten Spiel unter Pep Guardiola, verschenkten die Bayern großzügig Räume zum Kontern.

Es ist ja eine der zwei Fragen der Saison: Wie spannend kann ein Meisterrennen mit diesen Superbayern sein? 25 Punkte Vorsprung, nur eine Niederlage, Meisterschaft sechs Spieltage vor Schluss, Gegentore erst ab der zweiten Stelle hinter dem Komma – das sind nur einige der Rekordmarken aus dem Vorjahr.

Oliver Fritsch
Oliver Fritsch

Oliver Fritsch ist Redakteur im Ressort Sport bei ZEIT ONLINE. Seine Profilseite finden Sie hier.

Zudem haben die Münchner ihren Kader verfeinert. Sie hatten ohnehin den besten, nun kamen in der Sommerpause zwei Stars hinzu: Mario Götze und Thiago Alcántara. Und natürlich der neue Trainer, der die Besten noch besser machen soll.

Die beruhigende Erkenntnis: So schnell geht die Veredlung nicht, beim Meister haperte es an der Feinabstimmung. So wurde es zum Abend der erstaunten Gesichter. Die Bayern-Spieler schauten oft zur Seitenlinie, wenn Guardiola kommandierte, sich grantig abdrehte, flehend zum Himmel wandte, wenn seine Spieler Fehler machten. Was er oft tat, weil sie viele machten.

Leserkommentare
    • lxththf
    • 10. August 2013 11:33 Uhr

    dass Bayern so sehr im Fokus steht, nach der letzten Saison, Pep und den Neueinkäufen, aber man könnte natürlich auch einfach Favre loben, dem es ein ums andere Mal gelingt, gegen große Teams ein Rezept zu finden, diese zu ärgern. Gladbach ist einer der unangenehmsten Gegner für die meisten Bundesligisten und hätte etwas mehr Beachtung in der Analyse verdient.
    http://spielverlagerung.d...

    13 Leserempfehlungen
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    • LTank
    • 10. August 2013 11:51 Uhr

    Sehr guter Punkt. Den Gladbachern gebührt ein dickes Lob. Sie haben gegen die Bayern gestern defensiv eigentlich alles richtig gemacht. Sie haben sich darauf konzentriert den Raum zu zu machen, in dem die Bayern wohl am gefährlichsten werden können, die Mitte. Dass die Münchener dann eben über die Flügel kommen - that's life.

    Die Gladbacher haben aber auch echt eine interessante Truppe. Leute wie Herrmann und Kruse sind hochmoderne Spieler, die auch in der Nationalmannschaft ein Wörtchen mitreden können. Vor allem Kruse, da Herrmanns Position schon doppelt und dreifach besetzt ist. Mit Raffael haben sie zudem einen ganz feinen 10er an Bord. Toller Fußballer. Er ist aber nur dann richtig wertvoll, wenn er ähnlich stark mitarbeitet wie gestern. Mit Daems und Jantschke sind die defensiven Außen mit grundsoliden und bissigen Spielern besetzt. Jantschke fand ich gestern beeindruckend: Er hatte gegen Ribery natürlich keine Chance, aber die hat er überraschend gut genutzt. Wirklich kritisch sehe ich eigentlich nur Xhaka. Das Talent möchte ich ihm nicht absprechen, aber seine Entscheidungsfindung ist manchmal nicht bundesligatauglich. Außerdem wirkt er so als würde er ein ziemlich großes Ego mit sich rumtragen. Das muss er sich aber erstmal durch Leistung verdienen. Zu guter Letzt haben sie mit Favre einen seriösen und taktisch beschlagenen Trainer. Man kann wohl davon ausgehen, dass sie auch diese Saison wieder weit von den Abstiegsplätzen entfernt sein werden.

    • LTank
    • 10. August 2013 11:51 Uhr

    Sehr guter Punkt. Den Gladbachern gebührt ein dickes Lob. Sie haben gegen die Bayern gestern defensiv eigentlich alles richtig gemacht. Sie haben sich darauf konzentriert den Raum zu zu machen, in dem die Bayern wohl am gefährlichsten werden können, die Mitte. Dass die Münchener dann eben über die Flügel kommen - that's life.

    Die Gladbacher haben aber auch echt eine interessante Truppe. Leute wie Herrmann und Kruse sind hochmoderne Spieler, die auch in der Nationalmannschaft ein Wörtchen mitreden können. Vor allem Kruse, da Herrmanns Position schon doppelt und dreifach besetzt ist. Mit Raffael haben sie zudem einen ganz feinen 10er an Bord. Toller Fußballer. Er ist aber nur dann richtig wertvoll, wenn er ähnlich stark mitarbeitet wie gestern. Mit Daems und Jantschke sind die defensiven Außen mit grundsoliden und bissigen Spielern besetzt. Jantschke fand ich gestern beeindruckend: Er hatte gegen Ribery natürlich keine Chance, aber die hat er überraschend gut genutzt. Wirklich kritisch sehe ich eigentlich nur Xhaka. Das Talent möchte ich ihm nicht absprechen, aber seine Entscheidungsfindung ist manchmal nicht bundesligatauglich. Außerdem wirkt er so als würde er ein ziemlich großes Ego mit sich rumtragen. Das muss er sich aber erstmal durch Leistung verdienen. Zu guter Letzt haben sie mit Favre einen seriösen und taktisch beschlagenen Trainer. Man kann wohl davon ausgehen, dass sie auch diese Saison wieder weit von den Abstiegsplätzen entfernt sein werden.

    2 Leserempfehlungen
  1. Das war unter Jupp deutlich aggressiver und flächendeckender praktiziert, ähnlich der Dortmunder Raumfresserei (nur eben NOCH besser).
    Davon war verhältnismäßig wenig zu sehen.
    Und defensiv fehlt Martinez als 2. zentraler MFspieler an allen Ecken und Enden.

    Guardiola sollte sich erinnern, dass Defensive Championships gewinnt, nicht Offensive.
    Trifft man auf ein typisches Bus parking-Team, also üblicherweise Mourinho oder italienische Teams, da reicht ein übler Konter, um in Rückstand zu geraten. Wenn man sich dann offensiv dazu die Zähne ausbeißt, dann scheidet man eben aus.
    Da hatte Bayern letzte Saison mit dem Heynckes-Pressing und der generell sicheren Defensive eine wesentlich bessere Basis, um den Erfolg letztlich doch zu erzwingen.

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  2. ...das Borussia Möchengladbach gestern auch ziemlich stark gespielt hat. Der Torwart war wahnsinn... da hätte mehr passieren können. Auch im Angriff hat die Borussia stellenweise stark kombiniert.

    • didyme
    • 10. August 2013 14:12 Uhr

    Ich werde erst daran glauben, dass die Bayern wieder angreifbar sind, wenn sie verlieren. Bis dann ist alles Gerede wie in diesem Artikel Schönfärberei für eine Bundesliga, die für mich kaum Anreiz mehr bietet, weil der Meister schon feststeht, bevor die Saison überhaupt begonnen hat.

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    • Radeba
    • 10. August 2013 15:37 Uhr

    Wenn es so weiter geht, kann es paradoxerweise langweilig sein - hoffentlich kommen BVB, Bayer and Schalke 04 (am mindestens) zur Hilfe:)
    http://radeba.manifo.com/

  3. mal abwarten ob es fuer den fc bayern so einfach wird wie man allerorten hoert. ich glaube nicht. guardiola muss mit 20 ego's umgehen und die bei laune halten. und es macht sicherlich einen unterschied ob ich das mit 22 jaehrigen profi's oder mit profis von 29 und 30 jahre machen muss. ich meine das sowohl beim elfmeter sowie bei der verteilung der gelben karten(manzukics) bayern bevorzugt wurde. in gleicher situation haetten lahm o.a. sicher keinen elfmeter gegen bekommen.

    • Hainuo
    • 10. August 2013 20:26 Uhr

    Solange Pep Guordiola an dem offensiven Spiel festhält, kann man was gegen die Bayern ausrichten. Hinten anfällig, und wenn sich der ein oder andere Außenverteidiger an die Zeit vor zwei Jahren erinnert: Stellt euch Robbery auf die Hacken, die mögen das nicht gern. Irgendwann kommt wieder Frust auf und sie hängen meckernd in den Seilen, vergessend, dass sie eigentlich Spitzenfußballer sind. Ribery, und gerade der, ist für mich jemand, der einen Großteil seines Talents vergeudet hat. Bald ist er dreißig und hat einen Großteil seiner Karriere mit einer falschen Einstellung zum Balltreten verbracht. Vorne zaubern wollen, aber hinten nicht mitarbeiten. Sind die anderen bös' zu mir, hör ich halt auf zu zaubern. Nicht, dass ich es schade finden würde.

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