Weites Feld tat sich den Gladbachern Mitte der zweiten Halbzeit plötzlich auf. Ihr Stürmer Max Kruse konnte den Ball an der Mittellinie ohne gegnerischen Widerstand annehmen, sich drehen und Fahrt aufnehmen in Richtung Tor. So viel Platz hatte man gegen die Bayern zuletzt selten.

Und so blickte Arjen Robben in dieser Situation leicht vorwurfsvoll auf Bastian Schweinsteiger und gestikulierte. Schweinsteiger guckte vorsichtig anklagend auf Toni Kroos und rief. Kroos schaute kritisch auf … ja auf wen eigentlich? Da war kein Bayern-Spieler mehr in der Nähe, der ihm bei der Balleroberung helfen konnte.

Diese Szene aus dem 3:1-Sieg gegen Borussia Mönchengladbach, mit dem die Meister aus Bayern die Bundesliga-Saison 2013/14 eröffneten, war nicht unbedingt der Regelfall, aber auch keine Ausnahme. Sie haben zwar wieder gewonnen, doch sie wirkten angreifbar wie lange nicht.

In der vorigen Saison waren sie die Herrscher des Spiels, in den meisten Partien kam der Gegner kaum einmal mit dem Ball in die Nähe ihres Strafraums. Gegen Gladbach, im ersten Spiel unter Pep Guardiola, verschenkten die Bayern großzügig Räume zum Kontern.

Es ist ja eine der zwei Fragen der Saison: Wie spannend kann ein Meisterrennen mit diesen Superbayern sein? 25 Punkte Vorsprung, nur eine Niederlage, Meisterschaft sechs Spieltage vor Schluss, Gegentore erst ab der zweiten Stelle hinter dem Komma – das sind nur einige der Rekordmarken aus dem Vorjahr.

Zudem haben die Münchner ihren Kader verfeinert. Sie hatten ohnehin den besten, nun kamen in der Sommerpause zwei Stars hinzu: Mario Götze und Thiago Alcántara. Und natürlich der neue Trainer, der die Besten noch besser machen soll.

Die beruhigende Erkenntnis: So schnell geht die Veredlung nicht, beim Meister haperte es an der Feinabstimmung. So wurde es zum Abend der erstaunten Gesichter. Die Bayern-Spieler schauten oft zur Seitenlinie, wenn Guardiola kommandierte, sich grantig abdrehte, flehend zum Himmel wandte, wenn seine Spieler Fehler machten. Was er oft tat, weil sie viele machten.