Mats Hummels, Manuel Neuer und Sami Khedira sind etwas ratlos. © Lars Baron/Bongarts/Getty Images

Schon wer ihn zu Fuß erklimmen will, muss hinauf über steile Gassen und Treppen. Wer auf den Betzenberg nach Kaiserslautern reiste, den erwartete nichts Gutes, den erwartete Kampf, auch von den Rängen. "Die Zuschauer führen sich auf wie wilde Tiere", sagte Uli Hoeneß vor einigen Jahren. In seinen besten Zeiten war der Betzenberg eine Festung.

Die glorreichen Zeiten der Roten Teufel sind vorbei. Geblieben ist die Haltung der Leute. Aus wenig viel machen – das hat überlebt. Scheinbar übermächtige Gegner werden niedergekämpft.

Und dann das! Beim Testspiel der Nationalmannschaft gegen Paraguay erlebte der Betze einen Kulturschock. Die Heimelf war ihrem Gegner in den wichtigen Fußballdingen überlegen, Technik, Schnelligkeit, Athletik. Doch gab sich Jogi Löws Elf gastgeberhaft generös. Am Ende stand es nicht 5:1, sondern 3:3. Es war Fußball der Marke "leben und leben lassen".

"Was stellt ihr eusch widder so dabbisch an?"

Kein Wunder, dass das Pfälzer Publikum verstört reagierte. Als Marco Reus zum wiederholten Male vor dem Tor mit dem Schießen zögerte, stöhnten die Leute. Als Mesut Özil seinen Gegenspieler demütigen und durch die Beine spielen wollte und scheiterte, knodderte es auf den teuren Plätzen. Selbst Miroslav Klose, der Pälzer Bu, mit dem der DFB auf Plakaten für das Spiel geworben hatte, erntete ein enttäuschtes Raunen, als er den Ball nicht richtig traf.

Vor allem aber die Abwehr verursachte Zorn. Der Betzenberg mag am liebsten Spieler, die Harry und Gerry heißen und auch so Fußball spielen: hart, vielleicht auch herzlich, herzlich ist aber kein Muss. Gegen Paraguay bekamen sie, sagen wir, tolerantes Abwehrspiel zu sehen: Sami Khedira und Ilkay Gündogan ließen sich zwei Mal hintereinander gemeinsam von einem einzigen Gegenspieler nass machen, weil sie ihm eine große Lücke öffneten. Diese Art der Balleroberung glich dem Versuch, sich mit einem Kamm zu frisieren, der nur noch zwei Zinken hat.

Vor dem 0:2 prallte Khedira den Ball dem Gegner vor die Füße. "Der isch doch voll", brüllte ein erregter Mann auf der Tribüne, "bis owwe hie". Und wiederholte seine Auffassung nur etwas leiser eine halbe Minute später.

Dann war da noch Mats Hummels. Ein Mal ließ er seinen Gegenspieler hinter seinem Rücken ziehen und sich von einem erwartbaren langen Pass überraschen. Ein anderes Mal machte er den Passweg zum Stürmer auf. Beide Male stand kurz später ein Paraguayer alleine vor dem Tor, beide Male schoss ein Paraguayer hinein. Nach dem ersten reagierten die Zuschauer geduldig. Das zweite führte zu Pfiffen. Als die Spieler kurz darauf zur Pause in die Kabine gingen, rief ihnen der Pfälzer zu: "Was stellt ihr eusch widder so dabbisch an?"