Bayern gegen ChelseaGuardiola und Mourinho – vereint durch innigste Feindschaft

Der eine gilt als Nelson Mandela, der andere als George W. Bush der Fußball-Welt. Im Supercup sehen sich zwei wieder, die sich als Trainer ähnlicher sind, als man denkt. von Sven Goldmann

Josep Guardiola (links) und José Mourinho während des Supercup-Spiels Real Madrid gegen FC Barcelona im Jahr 2011

Josep Guardiola (links) und José Mourinho während des Supercup-Spiels Real Madrid gegen FC Barcelona im Jahr 2011  |  © Dani Pozo/AFP/Getty Images

Josep und José. Irgendwann mussten Josep und José sich ja mal wiedersehen. Also dann: heute Abend. Auf neutralem Terrain, in Prag, wo die Uefa ihren Super Cup ausspielen lässt. Einen Pokal, den es schon seit 1972 gibt, wer hat ihn doch gleich im vergangenen Jahr gewonnen? Auch diesmal hätte sich wahrscheinlich niemand ernsthaft interessiert für dieses Duell zwischen den Siegern der beiden europäischen Klubwettbewerbe, gäbe es da nicht eine sehr spezielle Besetzung auf den Trainerbänken. Es treffen aufeinander: Josep Guardiola von Bayern München und José Mourinho vom FC Chelsea, vereint durch größten Erfolg und innigste Feindschaft.

Guardiola, 42 Jahre alt, genießt nach 14 Titeln in vier Jahren beim FC Barcelona weltweit höchste Wertschätzung. Mourinho, 50, hat mit dem FC Porto und Inter Mailand die Champions League gewonnen, dazu nationale Meisterschaften in England, Italien und Spanien.

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Guardiola gegen Mourinho, das ist Poesie gegen Macht, Schönheit gegen Zweckmäßigkeit. Da passt es ganz gut, dass Bayern und Chelsea in Prag aufeinander treffen. Prag zählt sich neben Rom oder Paris oder Barcelona gern zu den schönsten Städten der Welt. Doch gespielt wird heute Abend in der Eden-Arena im Stadtteil Vrsovice, der Lower Eastside von Prag. Dort ragt sozialistischer Beton in den Himmel, und das ist, um im Bild zu bleiben, Mourinho-Architektur.

Der Portugiese steht für das auf reine Effizienz bedachte Streben seines Arbeitgebers nach Erfolg. Chelseas Besitzer Roman Abramowitsch hat sich mit dem Gewinn der Champions League im Sommer 2012 einen Traum erfüllt. Weil er aber auch geliebt werden will, hätte er seinem Klub gern auch ein neues Image gekauft. Der Trainer Josep Guardiola hätte es ihm ganz allein beschert, aber der nahm erst einmal ein Sabbatical in New York und entschied sich dort für München. Abramowitsch schwenkte um auf die bewährte Lösung mit Mourinho und akzeptierte damit, dass Chelsea auf absehbare Zeit ein seelenloses Milliardärs-Spielzeug bleibt. Und die Bayern ...

Sollte nach der glanzvollen Champions-League-Kampagne mit dem finalen Sieg in Wembley noch jemand gezweifelt haben: Spätestens seitdem Guardiola in München sein Werk verrichtet, gehört der früher als eiskalt empfundene FC Bayern zu den Guten. Josep Guardiola ist der Nelson Mandela der Fußball-Welt und José Mourinho der George W. Bush. Guardiola wird von allen zärtlich Pep genannt. Gibt es einen Kosenamen für Mourinho? In England sprechen sie von ihm als "the special one", aber darin liegt keine Zärtlichkeit und reichlich Unbehagen. Guardiola und Mourinho werden die ihnen zugedachten Klischees bis an das Ende ihrer höchst erfolgreichen Karrieren bedienen. Und sind sich doch ähnlicher, als es nach außen den Anschein hat.

Beide stehen als Idealtypus für den auch äußerlich smarten Fußballtrainer, den sich keiner mehr im Trainingsanzug vorstellen kann. Beide ziehen sie eine unsichtbare Mauer um ihre Mannschaften und erklären den Corpsgeist zum höchsten Gut jenseits der Viererkette. Und beide leben konsequent von und nach ihrem Image, so sehr es sich von dem des anderen auch unterscheiden mag.

Zwingende Konsequenz ist eine öffentliche Feindschaft, ausgelebt über die klassische Rivalität ihrer ehemaligen Klubs Real Madrid und FC Barcelona. Legendär ist die Saison 2010/11, es war die erste von Mourinho in Madrid, als er sich gleich fünfmal mit Guardiola duellierte. Am Ende gewann Barça Champions League und Meisterschaft. Für Real blieb nur der Gewinn der vergleichsweise unbedeutenden Copa del Rey und die Erkenntnis, dass es schwierig werden könnte mit Mourinho, der alle paar Wochen vermeintliche Verschwörungen aufdeckte und immer neue Brände legte.

Leserkommentare
    • Infamia
    • 30. August 2013 16:19 Uhr

    Ich lese kaum Fußballberichte. Aber die der ZEIT sind ein wirkliches Lesevergnügen.

    • LTank
    • 30. August 2013 16:21 Uhr

    "Beide ziehen sie eine unsichtbare Mauer um ihre Mannschaften und erklären den Corpsgeist zum höchsten Gut jenseits der Viererkette."

    Nennt mich 'nen Geek, aber Guardiola ist einer der modernen Vorreiter der Dreierkette, die Bemerkung also eher missglückt.

    Ansonsten scheint der Autor wohl nicht der allergrößte Freund von Senor Pep zu sein. Das sei natürlich jedem freigestellt, wird aber schwierig wenn die Aussagen, wenn auch nicht komplett falsch, so doch arg manipulierend sind.

    Ein Beispiel: "Dass er im Herbst seiner Profikarriere positiv auf Nandrolon getestet wurde? Muss einfach ein Missverständnis gewesen sein." Der Autor verschweigt, dass Guardiola von diesem Vorwurf inzwischen freigesprochen wurde. Wenn ich richtig informiert bin, war seine Probe nach heutigen Standards nicht mehr auffällig. Es stellte sich nämlich heraus, dass der menschliche Körper die bei ihm gefundene Menge dieses Stoffes selber herstellen kann. Offensichtliche Nandrolon-Doper hatten dann auch eine vielfach höhere Konzentration des Stoffes im Körper.

    Weiß ich, ob Guardiola mal gedopt hat? Nein. Aber meines Wissenstandes nach, deutet momentan nichts darauf hin. (Außer dem Fakt, dass der Fußball als ganzer wohl ein Dopingproblem hat. Aber diesen Generalverdacht auf den einzelnen Spieler zu übertragen ist gelinde gesagt unfair.) Ich hoffe, ich konnte zeigen, dass ihre Aussage also mindestens ziemlich manipulierend ist.

    (Bin kein Doping-Experte. Bei Fehlern bitte berichtigen.)

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    • siar
    • 30. August 2013 17:47 Uhr

    heißt nicht, dass das Doping nicht stattfand.

    Einen Freispruch wegen Verjährung mit dem Nachweis der Unschuld gleichzusetzen ist schon verwegen. Erinnert irgendwie an Berlusconi.

  1. "...Zlatan Ibrahimovic, hat bei Inter Mailand unter Mourinho gespielt und über diesen gesagt: 'Für ihn hätte ich getötet!'"

    Ich bin mir recht sicher, mich zu erinnern, dass Ibra das damals in einem Kontext geäußert hat, in dem es um den Vergleich zwischen Guardiola und Mourinho ging. Da hat wohl aus Ibra, der sich während seiner Zeit in Barcelona bekanntlich überhaupt nicht mit Guardiola verstanden hat und dort sogar zeitweise Bankdrücker war, ein klein wenig das gekränkte Ego gesprochen. Wenn du jemandem weh tun willst, lobe seinen Intimfeind. Ganz einfach.

    Trotzdem muss Guardiola noch beweisen, dass er ein so guter Trainer wie Mourinho ist. Mourinho hat mit Porto (!) die CL gewonnen. Und dann mit Inter Mailand, die im Vergleich zu Barcelona damals auch nicht das Team mit den unbestreitbar besten Individualisten waren.

    Guardiola war bisher nur in Barcelona, die nun seit Jahren von dem besten profitieren, das La Masia jemals hervorgebacht hat. Auf jeder Position haben sie den oder einen der drei besten der Welt, alle kennen sich seit ihrer Jugend und wenn nicht, nun, dann kauft man eben für teuerstes Geld ein. Bei der unfairen Verteilung der Fernsehgelder in Spanien, die zu 50% allein auf Barcas und Real entfallen, ist die Portokasse je gefüllt. Was ich damit sagen will: Der Erfolg Barcas war AUCH Peps Erfolg. Aber so glückliche Umstände trifft ein Trainer selten an. Gewinnt er das Triple mit Bayern in den nächsten drei Jahren nicht, ist er nicht so gut, wie alle sagen.

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    • LTank
    • 30. August 2013 16:46 Uhr

    Zum einen haben sie Recht. Messi, Xavi und Co. sind ohne Zweifel Spieler mit herausragendem Potential. Das haben sie in den letzten Jahren bewiesen.

    Man muss sich aber auch daran erinnern, dass dieses Potential zu Guardiolas Amtsantritt keineswegs voll genutzt wurde. Das Team war hochkarätig besetzt und hatte vor zwei Jahren die Champions League gewonnen, stand jedoch 2008 in desolatem Zustand da. Die beiden Schlüsselspieler der Rijkaard-Jahre, Ronaldinho und Deco, brachten damals vor allem in der Disco Leistung.

    Dass sich die Mannschaft in kurzer Zeit so stark veränderte und Messi und Konsorten ihr Potential ausschöpfen konnten, ist Guardiola zu verdanken. Er hat sich damals wahrlich an keinen gedeckten Tisch gesetzt und den Erfolg geerntet, sondern hat, im Rahmen einer vorher bestehenden fußballerischen Tradition, viel erst aufgebaut.

    Und das ist nur einer von vielen Gründen, warum man Guardiolas Arbeit in Barcelona nur schwer zu hoch einschätzen kann.

    • LTank
    • 30. August 2013 16:46 Uhr

    Zum einen haben sie Recht. Messi, Xavi und Co. sind ohne Zweifel Spieler mit herausragendem Potential. Das haben sie in den letzten Jahren bewiesen.

    Man muss sich aber auch daran erinnern, dass dieses Potential zu Guardiolas Amtsantritt keineswegs voll genutzt wurde. Das Team war hochkarätig besetzt und hatte vor zwei Jahren die Champions League gewonnen, stand jedoch 2008 in desolatem Zustand da. Die beiden Schlüsselspieler der Rijkaard-Jahre, Ronaldinho und Deco, brachten damals vor allem in der Disco Leistung.

    Dass sich die Mannschaft in kurzer Zeit so stark veränderte und Messi und Konsorten ihr Potential ausschöpfen konnten, ist Guardiola zu verdanken. Er hat sich damals wahrlich an keinen gedeckten Tisch gesetzt und den Erfolg geerntet, sondern hat, im Rahmen einer vorher bestehenden fußballerischen Tradition, viel erst aufgebaut.

    Und das ist nur einer von vielen Gründen, warum man Guardiolas Arbeit in Barcelona nur schwer zu hoch einschätzen kann.

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    Da haben Sie, zugegeben, nicht unrecht. Deco und Ronaldinho auszusortieren muss man sich erst einmal trauen. Das Potenzial von Xavi und Iniesta kannte er allerdings längst.

    Ich behaupte nicht, Guardiola sei ein schlechter oder auch nur mittelmäßiger Trainer. Nur der Beweis, dass er so groß ist, wie er gemacht wird - der steht noch aus. Ist er es, muss er mit der Mannschaft, die ihm der FC Bayern jetzt zur Verfügugung stellt, das Triple noch einmal holen (oder doch "wenigstens" die CL) - dabei bleibe ich.

  2. ... Mitteln sein?
    Bei DEM Foto versteht man jedenfalls, dass der Handschlag als Gruß nur deshalb "erfunden" wurde, um sicher zu stellen, dass das Gegenüber nicht bewaffnet ist.

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  3. wäre, was am am ehesten verpassen kann und jetzt schreibt die ZEIT sogar einen eigenen Artikel darüber? Wie geht denn das zusammen? :)

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  4. Da haben Sie, zugegeben, nicht unrecht. Deco und Ronaldinho auszusortieren muss man sich erst einmal trauen. Das Potenzial von Xavi und Iniesta kannte er allerdings längst.

    Ich behaupte nicht, Guardiola sei ein schlechter oder auch nur mittelmäßiger Trainer. Nur der Beweis, dass er so groß ist, wie er gemacht wird - der steht noch aus. Ist er es, muss er mit der Mannschaft, die ihm der FC Bayern jetzt zur Verfügugung stellt, das Triple noch einmal holen (oder doch "wenigstens" die CL) - dabei bleibe ich.

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    • LTank
    • 30. August 2013 18:40 Uhr

    Kommt natürlich uch ganz stark drauf an, wo man seine persönlichen Prioritäten bei der Beurteilung von Trainern setzt. Das ist sicherlich auch Geschmackssache. Wenn man Erfolg an mehreren Orten für extrem wichtig erachtet, dann schneidet Guardiola sicher (noch) nicht so gut ab. Ich persönlich mag eher die Innovatoren auf der Trainerbank- da bekommt Guardiola dann, mMn, Bestnoten. Steht man stattdessen auf langfristig erfolgreiche Arbeit, dann mag man wohl eher Sir Alex Ferguson und kann mit Mourinho und Pep (noch) nicht allzu viel anfangen.

    Wie gesagt, alles ehrbare Prioriäten.

    • siar
    • 30. August 2013 17:47 Uhr

    heißt nicht, dass das Doping nicht stattfand.

    Einen Freispruch wegen Verjährung mit dem Nachweis der Unschuld gleichzusetzen ist schon verwegen. Erinnert irgendwie an Berlusconi.

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    • LTank
    • 30. August 2013 19:07 Uhr

    Sie meinen nicht, dass ich gesagt hätte, dass Pep Guardiola erwiesenermaßen unschuldig ist, oder? Ich hab ja sogar extra betont, dass ich eben nicht weiß, ob Pep gedopt hat.

    Wie dem auch sei, es ändert meiner Ansicht nach nichts daran, dass der Artikel den Freispruch ziemlich tendentiös verschweigt. Dass der Artikel es auch an anderer Stelle nicht so genau mit der Wahrheit nimmt, hatte ein anderer User ja schon am Beispiel der Pep-Tito-New York-Geschichte angeprangert.

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