Bärbel, Max und Julius heißen die Esel, die bereitstehen. Wer kurzatmig ist, kann einen von ihnen ausleihen und sich die Höhenmeter befördern lassen, um von der Wartburg hinab auf das Irdische zu blicken.

Hier oben, wo sich die Welt schon so manches Mal ändern ließ, liegt Eisenach zugrunde; gebettet in den Thüringer Wald und viel Ruhe. Nach Luther und Bach und den Wartburgfesten erfährt die Prominenz dieses Ortes nun eine Gegenwart. Denn dort unten, durch ein Fernrohr kann man die Halle erspähen, spielt fortan ein Handball-Bundesligist. Am Samstagabend ist es so weit, da der Anpfiff für den Aufsteiger ThSV Eisenach in der "stärksten Liga der Welt" ertönt.

So verkünden es die Plakate am Vereinsheim neben der Halle. Aber es dürfte ein kurzes Gastspiel für den thüringischen Klub werden. Die Provinz ist in der Bundesliga nicht mehr unbedingt willkommen, der ThSV Eisenach vorerst nur geduldet. Die Liga hat die Auflagen in den vergangenen Jahren erhöht. Das stellt Vereine aus kleinen Orten vor große Probleme.

In Deutschland gibt es seit jeher viele erfolgreiche Provinzvereine, die zum Beispiel TBV Lemgo oder VfL Gummersbach heißen. Der THW Kiel dominierte in den vergangenen Jahren. 2011 wurde die Siegesserie unterbrochen, der HSV Hamburg konnte die Meisterschaft gewinnen. Nun gehen die Hamburger als Titelträger der Champions League in die neue Saison. Vor wenigen Jahren wurde der Verein von einem potenten Investor hochgezüchtet; aus Marketinggründen hat er sich die Lizenz für die charakteristische Raute des örtlichen Fußballvereins gekauft. Mit diesem Ehrgeiz steht der HSV Hamburg symptomatisch für das Bestreben der Bundesliga, vermehrt in Metropolen präsent zu sein. Das geht mit einer Kommerzialisierung der Liga einher und ändert den Sport.

Als der Traditionsverein ThSV Eisenach, der in der DDR erfolgreiche Jahrzehnte erlebte, letztmals vor neun Jahren in der Bundesliga spielte, galten noch andere Standards. Um diese Saison in der ersten Liga spielen zu dürfen, musste die Halle umgebaut werden. Der Umbau ist nur unter Vorbehalt genehmigt, für ein Jahr. Sollte der ThSV die Klasse halten, erwartet der Verband radikale Veränderungen. Am besten eine Multifunktionshalle, die in Eisenach niemand zahlen kann.

Die Anzeigetafeln wurden erst am Mittwoch geliefert

"Sehen Sie!", sagt Karsten Wöhler und zeigt auf den Boden der Halle. "Hier mussten wir alles abschleifen und die Logos der Sponsoren so aufkleben, dass es den Vorgaben entspricht", sagt der Geschäftsführer des ThSV Eisenach, bevor er an die Decke zeigt: "12.000 Lux muss eine Lichtanlage in der Bundesliga stark sein, die haben wir zum Glück bekommen."

Der Aufstieg sei in dem 40.000-Seelen-Ort nicht der Plan gewesen, "das kam eher zufällig. Auf einmal sind wir auf Platz drei gerutscht und dann dort geblieben", sagt Wöhler, der in den vergangenen Wochen wenig geschlafen hat. Im letzten Moment wird die Halle fertig sein, neue Anzeigetafeln wurden erst am Mittwoch geliefert, an der Pressetribüne wird noch jetzt geschraubt. Das Geräusch von Bohrmaschinen dröhnt durch die Halle, während Wöhler das größte aller Probleme erklärt. "Wir mussten einen 25 Quadratmeter großen Kameraraum schaffen, dafür haben wir ein riesiges Loch in die Wand gerissen."

Wie in Eisenach haben viele Turnhallen nur an drei Seiten Tribünen. Aber die Liga will nicht, dass man auf den Kamerabildern von der Haupttribüne eine Wand sieht. Deshalb muss es eine Gegentribüne mit mindestens sieben Sitzreihen geben. Beim ThSV hat man mit dem zusätzlichen Kameraraum eigentlich eine sehr gute Lösung gefunden. Der Verband wird diese aber nicht dauerhaft akzeptieren.