Harry Bähre, links, im Jahr 2003 neben Uwe Seeler, Jürgen Engel und Volker Lange © Stefan Hesse, dpa

ZEIT ONLINE: Harry Bähre, wenn der Hamburger SV im Volksmund ein Dino ist, was sind dann eigentlich Sie?

Harry Bähre: Na, ich gehöre wohl auch zu dieser Spezies. Und darauf bin ich sehr stolz.

ZEIT ONLINE: Warum spielt eigentlich der HSV als einziger Verein seit der Gründung der Bundesliga ununterbrochen erstklassig?

Bähre: Das muss das Hanseatentum sein, Kaufmannsdenke. Der Verein wurde ja vor allem in den Anfangsjahren sehr beständig und seriös geführt. Das änderte sich grundlegend erst unter Bernd Hoffmann (von 2003 bis 2011 HSV-Präsident, Anm. d. R.). Das ist für mich der Totengräber dieses Vereins. Der jetzige Vorstand kann nichts für die 40 Millionen Schulden, die Hoffmann hinterlassen hat, und den derzeitigen Kader. Der Hamburger SV befindet sich in der größten Krise aller Zeiten.

ZEIT ONLINE: Was würde es bedeuten, wenn mit dem HSV nun auch das letzte Gründungsmitglied der Liga erstmals absteigen würde?

Bähre: Ich bin nach wie vor ein Insider beim HSV. Und ich sehe, wie die ganze Struktur des Klubs kaputt ist. Vielleicht wäre es also gar nicht so schlecht, wenn wir einmal absteigen würden – um uns dann ganz neu zu sortieren. Es gibt zu viele Gruppierungen innerhalb des Vereins, das ist wohl das größte Problem.

ZEIT ONLINE: Die Bundesliga feiert am morgigen Samstag ihren 50. Geburtstag. Würden Sie ihr am liebsten die Hand schütteln und sagen: "Bleib wie du bist"?

Bähre: Die Bundesliga ist in den letzten Jahren zu einem riesigen Wirtschaftsunternehmen herangewachsen, da werden Milliarden umgesetzt. Und jetzt kommen natürlich all die Leute wie die Motten zum Licht. Ich gebe Ihnen mal ein Beispiel. Bei der Sportbild-Gala am vergangenen Montag in Hamburg waren 70 Prozent der Gäste Vermarkter, Vermittler oder irgendwelche Berater. Es gibt in Deutschland zurzeit wohl keinen anderen Markt, wo für solche Typen so viel Geld zu holen ist. Der Fußball boomt. Und davor habe ich, ehrlich gesagt, große Angst: dass solche Schmierlappen mit gegelten Haaren und Gucci-Koffern immer mehr an Einfluss gewinnen.

ZEIT ONLINE: Das war zu Ihrer Zeit sicher ganz anders.

Bähre: Berater gab es ja damals noch gar nicht. Da hieß es im Essensraum kurz: "Harry, komm doch mal eben rüber." Und dann wurde gefragt: "Wir machen noch mal zwei Jahre, oder?" Dann gab es noch 5.000 Mark als Sonderzahlung und: "Schick mal den Hans rüber." Fertig. War eine schöne Zeit!

ZEIT ONLINE: Herr Bähre, erinnern Sie sich noch an die Geburtsstunde der Bundesliga?

Bähre: Der Marschierer vorweg war Franz Kremer, der Präsident des 1. FC Köln. Der wollte die Bundesliga unbedingt haben. Für uns war das ja gar nicht so gut.