Eren Derdiyok, bevor er in die Trainingsgruppe 2 verbannt wurde © dpa

ZEIT ONLINE: Herr Baranowsky, Eren Derdiyok ist bei der TSG Hoffenheim in die sogenannte Trainingsgruppe 2 verbannt worden, in der er gemeinsam mit Tim Wiese, Edson Braafheid und weiteren aussortierten Profis trainiert. Am Mittwoch will er beim Amtsgericht Mannheim per einstweiliger Verfügung erwirken, dass er wieder mit dem Stammkader trainieren darf. Wie schätzen Sie seine Erfolgschancen ein?

Baranowsky: Die Chancen stehen nicht schlecht, denn der Profispieler hat grundsätzlich ein Anrecht darauf, mit der Profimannschaft trainieren zu dürfen. Häufig enden solche Streitigkeiten in Vergleichen. Dann nimmt ein Spieler nicht an allen Trainingseinheiten teil, sondern beispielsweise nur am Konditions- und Techniktraining und nicht am Mannschaftstraining.

ZEIT ONLINE: Warum sondert der Verein manche Spieler vom Training aus?

Baranowsky: Er will sie loswerden. Weil der Verein neue Spieler eingekauft hat, will er teure, alte Spieler abgeben. Also isoliert er sie. Aber das Transferfenster schließt in dieser Woche. Wenn die Spieler weiterhin bei dem Verein unter Vertrag stehen, können sie nicht mehr wechseln. Damit kann dem Klub ja auch nicht gedient sein.

ZEIT ONLINE: Welche Auswirkungen hat so etwas auf die Fußballkultur?

Baranowsky: Zum einen ist der Ruf der Spieler in Gefahr. Einige haben in der Nationalmannschaft oder im Europapokal gespielt und hatten bei anderen Klubs Führungspositionen inne. Zum anderen ist es ein schlechtes Zeichen für den deutschen Fußball insgesamt. Deutschland steht in der ausländischen Presse in schlechtem Licht. Wir können uns nicht leisten, dass ausländische Topspieler befürchten müssen, dass ihre Rechte bei uns nicht gewahrt werden.

ZEIT ONLINE: Könnte Eren Derdiyok nicht einfach auf einen Teil seines Gehaltes verzichten und bei einem anderen Verein glücklich werden, anstatt seinen Vertrag bei Hoffenheim auszusitzen?

Baranowsky: Es ist nicht so einfach, einen neuen Klub zu finden. Es gibt viele gute Spieler und die Vereine schließen ihre Kaderplanungen früh ab, vor allem auf Spitzenpositionen. Da kommt nicht unbedingt ein adäquates Angebot. Ich sehe auch nicht ein, dass ein Spieler sportlich und finanziell zurückstecken soll, wenn er seiner Arbeit nachgeht und seine Leistung abruft. Wieso muss er die Last tragen? Wenn der Spieler wechselt, sollte sein Vertrag ausgezahlt werden, damit er finanziell keinen Verlust davonträgt.

ZEIT ONLINE: Aber im Falle Hoffenheims haben es sich einige Spieler mit dem Verein verscherzt. Man muss sich nur Tim Wieses und Tobias Weis’ nächtliche Eskapaden in Erinnerung rufen.

Baranowsky: Was ein Spieler in seiner Freizeit macht, ist erst einmal seine Sache. Geldstrafen für nächtliche Diskobesuche sind schlichtweg illegal. Wenn sich ein Spieler schlecht verhält, dann kann der Verein innerhalb normaler arbeitsrechtlicher Vorgaben agieren. Aber dann muss auch eine Verfehlung vorliegen, die das Arbeitsverhältnis betrifft. Das sehe ich hier nicht.

ZEIT ONLINE: Was geschieht mit aussortierten Spielern?

Baranowsky: Das hängt davon ab, wie alt sie sind. Älteren Spielern würde ich raten, sich auf die Karriere danach zu konzentrieren. Bei jüngeren ist das nicht so einfach. Die Spieler werden teilweise mürbe gemacht. Aus der Regionalliga ist mir ein Fall bekannt, bei dem ein Spieler morgens in aller Herrgottsfrühe zum Einzeltraining mit dem Konditionstrainer beordert wurde und abends noch einmal. Der Manager sagte dann zu einem anderen Spieler: "Das machen wir jetzt so lange, bis er die Brocken selber hinschmeißt. Dann sind wir das Problem los." Das geht natürlich überhaupt nicht.