Der Jubiläumsmoderator Dieter Kürten © Georg Wendt/picture alliance/dpa

Das "Aktuelle Sportstudio" feiert am Samstag sein 50-jähriges Jubiläum. Wir haben mit Dieter Kürten und Sven Voss den jüngsten und ältesten noch lebenden Moderator der TV-Institution zum Gespräch gebeten.

ZEIT ONLINE: Herr Kürten, Herr Voss, wir beginnen mit einem kleinem Quiz. Wann genau lief das allererste Sportstudio?

 Sven Voss: 1963.

Dieter Kürten: Am 24. August, zur Einführung der Bundesliga.

ZEIT ONLINE: Wer hat es moderiert?

Kürten: Heribert Meisel; ein witziger, charmanter Funkreporter, der fürs enge Fernsehformat allerdings nicht der Richtige war und prompt dreieinhalb Stunden überzogen hat. Nach fünf Ausgaben ist er nicht mehr gekommen.

Voss: Ich habe bezeichnenderweise vorhin noch mal bei Wikipedia nach dem ersten Moderator gesucht, seinen Namen bis hierhin aber schon wieder vergessen. Er ist mir namentlich bekannt, aber meist wird ja doch von anderen wie dir gesprochen, Dieter.

Kürten: Der ZDF-Sportchef hatte ihn ja auch nur geholt, weil er kurz zuvor das Länderspiel gegen Österreich so gut kommentiert hatte.

ZEIT ONLINE: Seit wann gibt es das Sportstudio in Farbe?

Voss: Weil ich hoffe, dass wir uns langsam meinem Jahrgang nähern, würde ich mal raten: 1972?

Kürten: Eher Mitte der Sechziger, ich hab das Bild von Willy Brandt, wie er auf der ifa den Knopf drückt, noch vor Augen.

ZEIT ONLINE: 1967. Und jetzt kommen Sie, Herr Voss. Franz Beckenbauer wird auch Gast Ihrer beider Jubiläumssendung sein. Zum wievielten Mal insgesamt?

Voss: Sagen wir 39 Mal.

Kürten: Also er war Harry Valériens Lieblingsgast, deshalb biete ich 52.

ZEIT ONLINE: Knapp, 57. Was war sein bestes Ergebnis an der Torwand?

Kürten: Fünf hatte er nicht, aber einmal eins vom Bierglas.

Voss: Ich sag vier.

ZEIT ONLINE: Stimmt. Und wer ist Mark Schnatterer?

Voss: Ah, das ist für mich: Fußballer beim FC Heidenheim, die am Tag meiner ersten Sendung 2011 Werder Bremen aus dem Pokal geworfen hat. Ein Überraschungsgast, denn ich hatte mich auf Sebastian Kehl vorbereitet. Da wurde mir schlagartig bewusst, warum dieses Sendung "aktuell" im Titel trägt. Hier kann man sich nicht zurücklehnen. Der Name stand bis dahin nicht in meinem Poesiealbum, ich wusste nichts von ihm.

Kürten: Was uns zurückführt auf unseren Beruf: Fragen, fragen, fragen, statt sich alte Antworten bestätigen zu lassen!

Voss: Mehr über den Gast zu wissen als er selbst, kann Gespräche behindern. Bei mir ist es nicht mehr als eine Seite Informationen. Nur: Bei Mark Schnatterer war das Blatt leer.

ZEIT ONLINE: Speichert sich so eine Premierensendung ins Langzeitgedächtnis ein?

Voss: Ich hab sogar noch die Fragen im Kopf, die ich nicht gestellt habe.

Kürten: Und ich hab 30 Minuten überzogen, da wir eine neue Aufnahmetechnik vorgestellt haben. Dafür musste ich mich live mit vier Ingenieuren rumplagen und wusste zudem noch nicht genau, wann ich wie wo zu stehen hatte. Aber ich bin durchgekommen.

Voss: Und wie viele Sendungen hast du gebraucht, um nicht nur durchzukommen, sondern Spaß zu haben?

Kürten: Sicher ein Dutzend. Und richtig frei geworden bin ich erst in der Zeit, als ich junger Bengel unter den 15 Jahre älteren Thoelke, Valérien, Günzler nicht mehr nur alle Vierteljahre an der Reihe war, was jede Sendung zum Debüt macht, sondern mit Harry im Wechsel, so anstrengend es dann auch wurde.

Voss: Schön das zu hören, denn ich hatte zu Beginn auch dieses Gefühl, bloß gut durchkommen zu wollen in dieser Institution mit ihren klaren Abläufen, die man keine Minute überziehen darf. Ohne Schalke 05 zu sagen, ohne das Torwandschießen zu vergessen. Mich davon frei zu machen hat schon einige Sendungen gedauert.

Kürten: Wir mussten uns beide auch ein bisschen von großen Namen emanzipieren, die schon vor uns da waren. Und von der Bedeutung der Sendung, denn das Sportstudio war damals der große Reißer, der machen konnte, was er wollte – zeitlich, finanziell, dramaturgisch; die Freiheit war riesig, auch für uns Moderatoren, die sich völlig frei entfalten konnten.