Fett wie ein TurnschuhIch bin ein Idiot, ich gebe es zu

Unser Kolumnist leidet unter der Hitze: Er erkennt an, dass die Linken mit der Erderwärmung recht haben und probiert Soja-Milchkaffee und nordkoreanischen Nusssalat. von Tuvia Tenenbom

Tuvia Tenenbom im Berliner Hotel Adlon

Tuvia Tenenbom im Berliner Hotel Adlon  |  © Isi Tenenbom

Es ist August und die Linken dieser Welt, meine natürlichen Feinde, haben schließlich doch noch bewiesen, dass ich unrecht hatte. Ja, wirklich, mir bleibt nichts anderes übrig, als ihnen zuzustimmen: Die globale Erderwärmung ist Realität.

Heute ist es verdammt heiß. Es ist schwül, es ist dunstig, die Sonne brennt und ich schwitze wie ein Schwein. Schrecklich. Zum ersten Mal in meinem Leben stimme ich in die düstere Vorhersage der Untergangspropheten dieser Welt mit ein: Der Planet Erde steht kurz vor dem Ende, falls wir nicht sofort drastische Maßnahmen ergreifen. Punkt. 

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Wir müssen uns bessern oder wir müssen von hier abhauen. Entweder sehen wir den Tatsachen endlich ins Auge – das heißt: Wir geben das Rauchen auf, werden Menschenrechtsaktivisten, essen nur noch Bio und hören auf, an Gott zu glauben – oder wir sterben im Nu.

Ja: Sie hatten die ganze Zeit recht, ich hatte immer unrecht.

Nietzsche sei Dank, dass ich noch vor dem Weltuntergang aufgewacht bin.

Tuvia Tenenbom
Tuvia Tenenbom

ist Autor, Essayist und Dramatiker. Er ist Artistic Director des Jewish Theater in New York und Autor des Buches Allein unter Deutschen: Eine Entdeckungsreise. Für ZEIT ONLINE schreibt er seit Dezember 2011 die Fitnesskolumne "Fett wie ein Turnschuh". Im November erscheint sein neues Buch Allein unter Juden: Eine Entdeckungsreise durch Israel.

Heute tue ich Buße. Ich ändere mich.

Von diesem Tag an, und das sage ich mit aller Deutlichkeit, bin ich ein wiedergeborener Linker und werde all ihre Gebote befolgen. Ich werde den Linken nie wieder widersprechen, werde nie wieder an dem zweifeln, was die Intellektuellen sagen. Von dieser Sekunde an erkenne ich für alle Zeiten ihre Autorität an und ich unterwerfe mich ihnen voll und ganz. Ich liebe Obama. Ich will Frieden. Afrika liegt mir am Herzen. Für Palästina würde ich sterben. Und ich esse nur noch Bio.

Das ist es.

Wieso habe ich so lange gebraucht, um die Wahrheit zu erkennen?

Ich bin ein Idiot. Ich gebe es zu.

Eigentlich hätte ich die ganze Zeit schon wissen müssen, dass ich ein Idiot bin. Schließlich habe ich den Beweis direkt vor Augen: Ich schreibe eine Sportkolumne.

Das ist so eindeutig, wie konnte ich das bis heute übersehen?

Ich schreibe über Sport, weil ich von Natur aus kein Philosoph, Ideologe, Prediger, Bekehrer, Gläubiger, Ungläubiger, Atheist, Agnostiker, Dualist, Politiker oder Aktivist bin. Ich bin, und das wird durch den Text auf dieser Seite deutlich, ein Sportsmann. Das ist alles.

Seien wir ehrlich: Hier, auf dieser Seite, kommen wir Idioten durch unsere Bewunderung für Muskeln zusammen. Wir sind nicht schlau und interessieren uns nicht für Dinge von Bedeutung. Wenn Sie mit uns, den Leuten, die diese Seite schreiben oder lesen, über bedeutsame Sachen reden wollen, kotzen wir Sie voll.

Nein, nicht, weil wir gemein oder ungezogen wären – die meisten von uns sind sogar sehr nette Menschen –, sondern weil wir einfach Kopfschmerzen bekommen, wenn uns bedeutsame Fragen begegnen. Wir wurden als Idioten geboren, wir fühlen uns zu anderen Idioten hingezogen und wir werden als Idioten sterben. Und, unter uns gesagt, das gefällt uns sehr. Wir lieben unsere Dummheit, falls es jemand noch nicht verstanden haben sollte. Für uns ist das Wort Idiot das schönste Wort im Wörterbuch.

Leserkommentare
  1. Ich kann recht wenig mit dieser Kolumne anfangen. Vielleicht funktioniert sie ja auf Englisch besser. Jedenfalls ist ein "Liberal" halt kein Liberaler, sondern eher ein Linker. Triffts vielleicht auch nicht ganz, liegt aber näher an den politischen Konfliktlinien in den USA.

    2 Leserempfehlungen
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    Redaktion

    Liebe Kommentatoren,

    vielen Dank für die Hinweise. Um Missverständnisse zu vermeiden, haben wir im Text "Liberale" durch "Linke" ersetzen.

    Beste Grüße aus der Redaktion
    Christian Spiller

  2. obwohl ich die meisten Kolumnen gerne lese, diese hier hat mich nur verwirrt zurückgelassen. Hitze? Gut, der selige Ephraim Kishon hat da mal eine nette Geschichte gebracht, die war sogar lustig und erheitert.

    Aber was mir diese Geschichte hier jetzt sagen will? Esst mehr Eis? Liberal ist nicht nur liberal? Warum in aller Welt habe ich mir das angetan? Reagieren so liberale Idioten oder nur idiotische Liberale?

    Ich hoffe, ich kann heute nacht gut schlafen! Aber wenigstens ist es hier NICHT heiss!

    2 Leserempfehlungen
  3. dann bitte doch das original verlinken....

    ich hab mich schon die ganze zeit gefragt, seit wann die FDP die gloable Erwärmung als Bedrohung empfindet oder ob sie je Kritik an Israel geäußert hätte

    2 Leserempfehlungen
  4. Redaktion

    Liebe Kommentatoren,

    vielen Dank für die Hinweise. Um Missverständnisse zu vermeiden, haben wir im Text "Liberale" durch "Linke" ersetzen.

    Beste Grüße aus der Redaktion
    Christian Spiller

    Antwort auf "liberal..."
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    Ja, aber bisher nicht vollständig. Der Text könnte dann aber ziemlich radikal klingen.

  5. Ja, aber bisher nicht vollständig. Der Text könnte dann aber ziemlich radikal klingen.

    Antwort auf "Liberal und links"
    • Atan
    • 22. August 2013 10:46 Uhr

    wirklich die Sonne auf den Kopf scheint...
    Und bei einigem Nachdenken, fällt mir auch ein, warum sie so perfekt in den "Sportteil" von "ZO" passt.
    Man merkt nämlich immer, dass den hiesigen Sportreportern Sport im großen und ganzen eigentlich etwas zu doof ist, daher schreiben sie alle gerne über irgendetwas anderes und am liebsten über Sportveranstaltungen, die sich als Vehikel für andere, gesellschaftlich außerordentlich relevante Themen nutzen lassen. Also z.B. über Gender- und Gemüsefragen.

    […] Gekürzt. Bitte kommentieren Sie sachlich zum konkreten Artikelinhalt und äußern Sie sich differenziert. Danke, die Redaktion/ca

  6. 7. hmmmmm

    Vor rund 60 - 80 Millionen Jahren tauchten die ersten Primaten auf. Vor grade mal 40 tausend Jahren erreichte der Homo Sapiens die europäische Atlantikküste und wunderte sich vermutlich über das viele Eis weiter nördlich. Eine ausgebildete Sprachfähigkeit wird etwa vor 35.000 Jahren angenommen, zur Zeit der Höhlenmalereien von Lascaux. Sprache ist verknüpft mit der jeweiligen Lebenswelt, in der sie gesprochen wird.

    Vor 1014 Jahren fürchteten viele Menschen im christlich geprägten Europa, dass das Reich Gottes enden würde und spendeten und beteten was das Zeug hielt. Hätte jemand den damaligen Papst als "Rechts" bezeichnet, hätte das bestimmt nur Unverständniss ausgelöst.
    1990 fand ein Schweizer einen Weg die Photosynthese auf technische Weise nachzubauen. Zwei Jahre später fiel die Mauer und beendete in viellei Hinsicht den sogn. Kalten Krieg und einige östliche Diktaturen kamen ebenfalls zu einem Ende. Wärend der 90er Jahre verfolgte ich die Ereignisse rund um die Raumstation MIR. Damals das größte künstliche Objekt im Erdorbit. Wir wissen heute soviel mehr über den komplexen Aufbau unserer Welt. Das Zusammenspiel natürlicher Kreisläufe und dem Mensch darin, sowie der menschlichen geschaffenen Strukturen.
    Trotzdem wollen wir weiterhin Menschen und Ansichten mit den anachronistischen Begriffen "Links" und "Rechts", "Kapitalist" und "Kommunist" versehen?
    Mir kamen diese Schubladen schon Ende des vergangenen Jhrds überholt vor.

  7. 8. upps!

    Da hat sich ein Fehler eingeschlichen. Natürlich fiel die Mauer 1989.

    Entscheidend für mich ist jedoch die Betrachtung. Wie ich es sehe, ist seidem die Welt ein Dorf geworden. Mittlerweile hat der Mensch die Verantwortung für die Erde. Es gibt keine Ausreden mehr ... von wegen, "haben wir nicht wissen können", usw.

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