Trainerentlassung : Labbadia vergisst, dass Fußball auch Spaß ist

Bruno Labbadia ist ein akribischer Arbeiter – und ein Miesepeter. Weil er ignoriert, dass Fußball Optimismus verlangt, hat ihn der nächste Verein entlassen. Ein Kommentar
© Daniel Kopatsch/Bongarts/Getty Images

Die Entlassung Bruno Labbadias liegt im Trend. Er zählt zu einer Trainersorte, die es zunehmend schwerer hat in der Bundesliga: der ehemalige Profi, der innerhalb weniger Jahre vom Platz auf die Bank wechselt. Im Gegensatz zu manch anderem verlässt sich Labbadia aber nicht auf seinen Namen, sondern ist ein gewissenhafter Arbeiter. Das ist der Grund dafür, dass Vereine mit ihm zunächst viel gewinnen. Wie der VfB Stuttgart, den er vor gut zwei Jahren vor dem Abstieg rettete.

Dass die Vereine mit Labbadia bald wieder verlieren, hat den gleichen Grund. Es fällt ihm manchmal schwer, mit seiner Akribie das Maß zu halten. Kritik ist wichtig, aber Labbadia übertreibt oft. Labbadia gibt seinen Leuten gelegentlich zu verstehen, dass er an ihnen zweifelt. Das senkt die Laune in jedem Verein. Das war schon schon in Leverkusen und Hamburg so.

Beim HSV raubte er Mannschaft und Vorstand mit Meckerei über Kleinkram manche Energie. In Leverkusen erschien am Tag des Pokalfinales ein vereinskritisches Interview des Trainers. In Stuttgart schimpfte er alle vier Wochen, dass ihm zu wenige gute Spieler zur Verfügung stünden. Im Sommer hat der Japaner Shinji Okazaki den VfB verlassen, weil er unter Labbadia das Selbstvertrauen verloren habe, sagt er.

Fußball ist Arbeit, stimmt. Fußball ist aber auch Spiel und Spaß, verlangt Kreativität und Enthusiasmus. Zwischen diesen beiden Polen findet Labbadia nicht immer die Balance. Er hätte sich von den Stuttgarter Fans anstecken lassen können. Minutenlang besangen sie auf der Mitgliederversammlung das neue, alte Logo. Optimismus, Schwärmerei, Aufbruchstimmung sind im Sport wichtig.

Dass Labbadia schon nach drei Spieltagen gefeuert wurde, belegt, dass der Verein schon länger Zweifel an dessen miesepetriger Art hegte. Der aktuelle sportliche Misserfolg mit null Punkten nach drei Spielen ist nur der Anlass für den Rausschmiss. Der Zeitpunkt zeugt freilich von Inkonsequenz der Klubführung, den Schritt hätte sie schon früher vollziehen können.

Vielleicht hatte der Verein nur abwarten wollen, was passiert, wenn er auf die Klagen des Trainers reagiert. In der Sommerpause kaufte der VfB, wie von Labbadia gewünscht, ein halbes Dutzend sehr brauchbare Bundesliga-Profis. Alle im Verein freuten sich, der neu gewählte Präsident sagte vorfreudig: "Warum sollen wir nicht auf Platz vier schielen?" Sicher darf ein Trainer in solchen Fällen bremsen, aber Labbadia übertrieb es auch hier mit seinem Realismus: "Jetzt tun alle so, als hätten wir Messi und Neymar gekauft."

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Kommentare

25 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Ich will mehr Zeichen...

Also, mir scheint Sie betonen hier zu sehr den "Spaß und Optimismus" als etwas negatives, weiches und gefühlsduseliges und meinen man müsse dem Spieler nur die Fakten erzählen und schwups schn entwickelt er sich weiter (ja, das war jetzt überspitzt).

Nur hat Herr Fritsch eben schon recht: Ich würde wetten jeder Spieler beim VfB weiß und wusste was zu tun ist. Theoretisch. Das Problem ist, dass Fußball-Spielen (und noch eine Menge anderer Dinge) nicht theoretisch gemacht werden, sondern man da theoretisches Wissen in praktisches Handeln umsetzen muss. Wenn man nicht nur am Schreibtisch sitzt und theoretische Pläne macht, die nie in die Tat umgesetzt werden, dann nennt man das dann lernen. Nur sind dazu Fehler nötig. Und da kommt dann eben schon der Optimismus und Spaß ins Spiel, die sind nämlich nötig, damit man a) eventuelle Fehler überhaupt macht, b) die Konsequenzen ausbügelt und c) aus den Fehlern lernt und sieht, dass man sie im Notfall auch wieder reparieren kann. Wenn man sich weiterentwickeln möchte und immer gleich nieder gemacht wird, wenn was schief geht, dann wird man auch nichts mehr versuchen. Wenn man nichts versucht, dann sammelt man keine Erfahrung, ohne Erfahrung entwickelt man sich nicht weiter. Das ist tatsächlich einer der wichtigsten Punkte bei allem was Menschenführung betrifft.

Und grade in so Bereichen wie dem Fußball, wo die Spieler unter immensem Druck stehen, ist es extrem wichtig den Spielern einen Teil des Drucks wieder zu nehmen.