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Die Entlassung Bruno Labbadias liegt im Trend. Er zählt zu einer Trainersorte, die es zunehmend schwerer hat in der Bundesliga: der ehemalige Profi, der innerhalb weniger Jahre vom Platz auf die Bank wechselt. Im Gegensatz zu manch anderem verlässt sich Labbadia aber nicht auf seinen Namen, sondern ist ein gewissenhafter Arbeiter. Das ist der Grund dafür, dass Vereine mit ihm zunächst viel gewinnen. Wie der VfB Stuttgart, den er vor gut zwei Jahren vor dem Abstieg rettete.

Dass die Vereine mit Labbadia bald wieder verlieren, hat den gleichen Grund. Es fällt ihm manchmal schwer, mit seiner Akribie das Maß zu halten. Kritik ist wichtig, aber Labbadia übertreibt oft. Labbadia gibt seinen Leuten gelegentlich zu verstehen, dass er an ihnen zweifelt. Das senkt die Laune in jedem Verein. Das war schon schon in Leverkusen und Hamburg so.

Beim HSV raubte er Mannschaft und Vorstand mit Meckerei über Kleinkram manche Energie. In Leverkusen erschien am Tag des Pokalfinales ein vereinskritisches Interview des Trainers. In Stuttgart schimpfte er alle vier Wochen, dass ihm zu wenige gute Spieler zur Verfügung stünden. Im Sommer hat der Japaner Shinji Okazaki den VfB verlassen, weil er unter Labbadia das Selbstvertrauen verloren habe, sagt er.

Fußball ist Arbeit, stimmt. Fußball ist aber auch Spiel und Spaß, verlangt Kreativität und Enthusiasmus. Zwischen diesen beiden Polen findet Labbadia nicht immer die Balance. Er hätte sich von den Stuttgarter Fans anstecken lassen können. Minutenlang besangen sie auf der Mitgliederversammlung das neue, alte Logo. Optimismus, Schwärmerei, Aufbruchstimmung sind im Sport wichtig.

Dass Labbadia schon nach drei Spieltagen gefeuert wurde, belegt, dass der Verein schon länger Zweifel an dessen miesepetriger Art hegte. Der aktuelle sportliche Misserfolg mit null Punkten nach drei Spielen ist nur der Anlass für den Rausschmiss. Der Zeitpunkt zeugt freilich von Inkonsequenz der Klubführung, den Schritt hätte sie schon früher vollziehen können.

Vielleicht hatte der Verein nur abwarten wollen, was passiert, wenn er auf die Klagen des Trainers reagiert. In der Sommerpause kaufte der VfB, wie von Labbadia gewünscht, ein halbes Dutzend sehr brauchbare Bundesliga-Profis. Alle im Verein freuten sich, der neu gewählte Präsident sagte vorfreudig: "Warum sollen wir nicht auf Platz vier schielen?" Sicher darf ein Trainer in solchen Fällen bremsen, aber Labbadia übertrieb es auch hier mit seinem Realismus: "Jetzt tun alle so, als hätten wir Messi und Neymar gekauft."