Mario Gomez : Mamma mia, eine Tormaschine!

Für Joachim Löw ist Mario Gomez gesetzt. Weil er seinen prekären Job beim FC Bayern für einen Stammplatz in Florenz verließ. Trotz kleinerer Widrigkeiten.
Mario Gomez bei der Vorstellung in Florenz im Juli © Carlo Ferraro/picture alliance/dpa

Neulich hat Miroslav Klose eine SMS geschickt. "Ist schon speziell, oder?" – "Ja", antwortete Mario Gomez, "ist schon speziell."

Der Fußballspieler Mario Gomez ist am Montag aus Lissabon eingeflogen, um Miroslav Klose zu treffen und all die anderen von der Nationalmannschaft, mit der er am Mittwoch in Kaiserslautern gegen Paraguay (ab 20.45 Uhr im ZDF und im Live-Ticker von ZEIT ONLINE) schon mal für die WM 2014 testen wird. Gomez und Klose konkurrieren um die Planstelle des einzigen Stürmers, gegen Paraguay soll jeder eine Halbzeit spielen, und als gute Kollegen tauschen sie sich öfter aus. 

Zum Beispiel über Trainingslager, Mario Gomez hat gerade das längste Trainingslager seiner Profikarriere erlebt. Mit 28 Jahren will er beim AC Florenz noch mal etwas Neues erleben. Aber dass es etwas so Neues werden würde, hat er dann doch nicht erwartet, auch wenn der Kollege Klose oft davon erzählt hat von dem sehr speziellen Vorbereitungsprogramm, wie er es bei Lazio Rom erlebt. "In Deutschland gehst du eine Woche ins Trainingslager oder vielleicht zehn Tage, aber nie im Leben dreieinhalb Wochen", erzählt Gomez und dass es körperlich ja noch zu ertragen sei, "aber geistig strapaziert es enorm, wenn du jeden Tag dieselben Leute siehst. Aber jetzt habe ich es ja geschafft."

Das Thema Bayern sei erledigt

Wahrscheinlich hat kein Fußballspieler westlich von Nordkorea in diesem Sommer so viel Zeit in Trainingslagern verbracht wie Mario Gomez. Zu den dreieinhalb Wochen mit der Fiorentina addierten sich für Gomez noch fünf Tage mit dem FC Bayern am Gardasee, bevor er dann endlich fortdurfte. Weg von der Perspektive, die kommenden drei Jahre auf der Bank oder Tribüne abzusitzen. "Danach hätte ich vielleicht drei Meisterschaften mehr und eine Champions League", aber in diesen Kategorien denkt Mario Gomez nicht. Sagt Mario Gomez jedenfalls: "Ich bin keiner, der sich über Titel definiert", und mit dem Gewinn der Champions League habe er sich ohnehin einen Traum erfüllt.

Da lässt es sich leichter verkraften, dass er mit Florenz in der Europa League gegen Grasshopper Zürich spielt und nicht mit den Bayern in der Champions League gegen Real oder Barcelona oder wen das Losglück sonst so nach München weht. Das Thema Bayern sei erledigt, und zwar keinesfalls im Unfrieden. 

Gomez erzählt von seinen Gesprächen mit dem neuen Münchner Trainer Josep Guardiola: "Ein großartiger Mensch und Trainer. Es war sehr interessant zu erleben, wie er Fußball vermittelt." Aber jeder Trainer habe nun mal seine eigene Philosophie, und die von Guardiola ist auf kleine, wendige Stürmer zugeschnitten. Auf Spieler wie den aus Dortmund akquirierten Mario Götze und nicht auf einen wuchtigen Hünen wie Mario Gomez. Egal, "ich habe die Tage mit Guardiola genossen", sagt Gomez. "Und die Chance genutzt, mich für meinen neuen Klub fit zu machen."

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Kommentare

11 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Fremdwort Geographie

""Zu den dreieinhalb Wochen mit der Fiorentina addierten sich für Gomez noch fünf Tage mit dem FC Bayern in Südtirol, bevor er dann endlich fortdurfte"" - so steht es in diesem Artikel. Wenn der Rest ebenso oberflächlich recherchiert ist, dann braucht man ihn wohl gar nicht zu lesen. Der FC Bayern war in diesem Sommer, wie man eigentlich sehr leicht feststellen könnte, nicht in Südtirol, aber für Sportredakteure scheint Geographie wohl ein Fremdwort zu sein.

Keine Unfreundlichkeit

Ich wollte mit meinem Hinweis auf die geographische Verwechslung keineswegs unfreundlich sein. Mich interessiert es auch nicht weiter, dass die Fremdenverkehrswerbung des Trentino, die einen Vertrag mit dem FC Bayern geschlossen und Unsummen für diesen Aufenthalt am Gardasee gezahlt hat, über die falsche geographische Einordnung keineswegs erfreut sein wird. Es ist ihre Sache, sich hier zu wehren und eventuell eine Richtigstellung zu verlangen. Es geht mir als Journalist nur darum, dass Zeitungsartikel - auch online - möglichst korrekt verfasst sein sollten. Ich vermute, dass z. B. die Bayern keine große Freude hätten, wenn man ihren Freistaat etwa mit Sachsen verwechseln würde.