Rhythmische SportgymnastikEin kriminelles Netz aus Freundinnen

Die Rhythmische Gymnastik ist auch Kunst, nicht nur Sport und daher anfällig für Betrug und Absprache. Kurz vor der WM wird sie von ihrem größten Skandal erschüttert. von 

Eine Athletin aus Hongkong

Eine Athletin aus Hongkong  |  © Suhaimi Abdullah/Getty Images Sport

Bruno Grandi sprach sehr harte Worte. Die Rhythmische Sportgymnastik sei degeneriert, unglaubwürdig, irregulär. Sie sei ein "Kochtopf voller Lügen". Und das kurz vor der Weltmeisterschaft, die von Mittwoch bis Sonntag in Kiew stattfindet.

Dabei ist der 79-jährige Italiener Grandi ein Freund des Sports, in dem Athletinnen wie Federn springen und schweben, grazil wie Prinzessinnen in der Spieldose Pirouetten drehen und elegante Körperwellen einleiten. Grandi ist nämlich Präsident des Weltturnverbands (FIG) und damit höchster Funktionär der Gymnastik. 

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Wenn die Sportlerinnen mit den fünf Geräten Band, Seil, Ball, Keule oder Reifen hantieren, sie balancieren, jonglieren, hoch in die Luft werfen und nach etlichen Drehungen fangen, erkennt man, welch wunderschöner Sport die Rhythmische Sportgymnastik ist. Doch hinter den Kulissen hat sie ein Problem: die Kampfrichterinnen und ihre Urteile.

Zu seiner Erkenntnis gelangte Grandi nach einer Untersuchung mehrerer Kampfrichterlehrgänge des Jahres 2012. Das Ergebnis war erschütternd: In großem Maßstab wurden Prüfungen manipuliert, die Prüflinge mussten die Ergebnisse vorher gekannt haben. 

Hier war offenbar ein Netz aus Freundinnen am Werk, das über Jahre aufgebaut worden war und sich zum Ziel gesetzt hatte, die Ergebnisse von Wettkämpfen abzusprechen. In drei Jahren sind die Olympischen Spiele in Rio. Wer die Medaillen gewinnt, sollte wohl schon heute festgelegt werden.

Gold für Samaranch

Grandi hat durchgegriffen. Ende Juli hat er sechs von sieben Mitgliedern des Technischen Komitees aus den USA, Bulgarien, Ägypten, Italien, Japan und Russland suspendiert. Der ehemaligen Präsidentin des Komitees, der Polin Maria Szyszkowska, erkannte er die Ehrenmitgliedschaft in Gold ab. Und sechsundfünfzig Kampfrichter und Kampfrichterinnen müssen nun ihre Prüfungen wiederholen.

Dass schon mal getrickst wird, ist ein offenes Geheimnis in der Szene. Vor den Olympischen Spielen 1996 in Atlanta soll so gut wie festgestanden haben, dass Spanien die Teamwertung gewinnen werde. Der Grund: Der damalige Olympia-Präsident Juan Antonio Samaranch war Spanier und die Gymnastik kämpfte darum, dass die Teamdisziplin, damals erstmalig im Programm, olympisch bleibt. Spanien gewann, die Teamdisziplin blieb olympisch. 

Was Grandi aufgedeckt hat, hat aber eine neue Qualität. "Es gibt keine Rechtmäßigkeit der Bewertungen und bis es diese nicht gibt, wird der Sport weiter verfallen", sagte er dem Fachmagazin Leon. "Solche Fälle sind fatal für unseren Sport, dahinter stecken kriminelle Tendenzen", sagt Wolfgang Willam, der Sportdirektor des Deutschen Turner-Bundes.

Die Rhythmische Sportgymnastik ist anfällig für Mauschelei, das liegt in ihrer Natur. Es ist eine kompositorische Sportart, sie lebt wie etwa der Eistanz von einem hohen künstlerischen Anteil. Die Wertung ist in D (Difficulty, Schwierigkeit) und E (Expression, Ausdruck) zweigeteilt.

Der D-Note liegt ein objektiver Schwierigkeitsgrad der Übung zu Grunde. Macht die Athletin zwei oder drei Rollen? Fängt sie die Keulen in einer Hand oder in zweien, vor oder hinter dem Rücken? Wie lange hält sie die Standwaage? Steht sie die Seithalte ohne überflüssige Beugung? Die E-Note hingegen bewertet die Kunst der Darbietung, also Choreographie, Ausdruck, Tanz und Musik. Das ist nicht völlig willkürlich, aber immer subjektiv.

Leserkommentare
  1. "Wenn die Gymnastik weiter zum Zirkus verkommt, könnte sie sogar seine olympische Existenz verlieren."

    Seit wann ist Zirkus eine olympische Disziplin? Und warum kann die Gymnastik seine Zukunft zerstören?

    Werden die Artikel eigentlich überhaupt noch gegengelesen?!

    Eine Leserempfehlung
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    Redaktion

    Danke, sehr aufmerksam. Es muss natürlich "ihre" heißen statt seine. Ist nun korrigiert.

    Allerdings müssen wir einen Ihrer Korrekturhinweise abziehen. Der war doppelt. Ist wie bei Dalli Dalli früher.

    Meiner Meinung nach ist die wunderbare rhythmische Sportgymnastik kaum im TV, weil Fußball und Boxen "so unglaublich interessanter Sind".
    Finden sich dann wieder MÄnner für den Sport- so geschehen bp. billiard, dann kann man es auch auf Dauer häufiger im TV sehen.

  2. kein Stab über den Chinesinnen gebrochen werden. Die Doping-Enthüllungen der letzten Jahre zeigen überdeutlich, daß es Freund & Feind auf dem Feld der Sportlerehre überhaupt nicht gibt. Trotzdem wurden *wir* JAHRZEHNTELANG auf die Feinde des Sports aus der UdSSR, DDR, den übrigen Warschauer Pakt Staaten (also den Feinden) & CHINA regelrecht ideologisch HOCHGEPEITSCHT!
    Regelmäßig werden bei den Olympischen Spielen die Schwimm-Teams, die Volleyballer & weitere chinesische Teams in den OECD-Medien des Dopings *überführt*. Was war das für eine Höllenverfolgung zu den Olympischen Spielen in Beijing 2008.
    Ich hoffe, das nicht mehr lesen zu müssen, denn so gut wie immer war es ohne Belege geschehen, rein auf Augenschein & Neid gebaut!

  3. Redaktion

    Danke, sehr aufmerksam. Es muss natürlich "ihre" heißen statt seine. Ist nun korrigiert.

    Allerdings müssen wir einen Ihrer Korrekturhinweise abziehen. Der war doppelt. Ist wie bei Dalli Dalli früher.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Traurig"
  4. dem Illusionismus der "rhythmischen Gymnastik" und deren "Ästhetik", der sich viel zu viele Mädchen, schon im Kindesalter, opfern Einhalt zu gebieten.

    Das ist Zirkus, mit olympischen Segen.

    Abschaffen.

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    Gesund schaut das nicht aus - meine Kinder melde ich da sicher nicht an...lieber Fallschirmspringen oder Klettern das ist sicherer und gesünder.

    • Laziali
    • 28. August 2013 22:49 Uhr

    "Zudem findet der Sport nicht nur in Deutschland wenige Zuschauer, was sich kaum mit mangelnder sportlicher Leistung oder fehlender Attraktivität erklären lässt."

    Meist ist es so, dass jemand, der diesen Sport selbst ausübt bzw. ausgeübt hat, egal in welcher Intensität, sich auch zu Wettkämpfen begibt. Oder, es gibt herausragende Ereignisse, wie die olympischen Spiele.

    Eher ist es vermutlich so, dass diese Nischensportart zu unbekannt bzw. zu uninteressant ist. Ich persönlich finde es fade und langweilig, allein die schönen Frauen in der knappen Bekleidung sind noch ein Hingucker.

    Als jemand, der aber leidenschaftlich Fußball spielt, kann ich mir auch den müden Kick einer B-Jugend Mannschaft anschauen, weil mich dieser Sport eben viel mehr mitreist.

  5. Gesund schaut das nicht aus - meine Kinder melde ich da sicher nicht an...lieber Fallschirmspringen oder Klettern das ist sicherer und gesünder.

    Antwort auf "Es wird Zeit"
  6. Meiner Meinung nach ist die wunderbare rhythmische Sportgymnastik kaum im TV, weil Fußball und Boxen "so unglaublich interessanter Sind".
    Finden sich dann wieder MÄnner für den Sport- so geschehen bp. billiard, dann kann man es auch auf Dauer häufiger im TV sehen.

    Antwort auf "Traurig"

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