Bundesliga-Vorschau : Die vielen Nummern der Hertha-Spieler

Berliner Sex-Eskapaden machen "Lolita" zum Fußballgroschenroman. Die Polizei Gelsenkirchen verwechselt Freundschaft mit Volksverhetzung. Alles zum 3. Spieltag
Die Spieler von Hertha BSC posieren für ein Gruppenbild. © dpa

Wer spielt wann gegen wen?

Borussia Dortmund - Werder Bremen (Freitag, 20.30 Uhr)
Bayern München - 1. FC Nürnberg
Bayer Leverkusen - Borussia Mönchengladbach
Hannover 96 - FC Schalke 04
1899 Hoffenheim - SC Freiburg
FSV Mainz 05 - VfL Wolfsburg (Samstag, 15.30 Uhr)
Hertha BSC - Hamburger SV (Samstag, 18.30 Uhr)
Eintracht Braunschweig - Eintracht Frankfurt (Sonntag, 15.30 Uhr)
FC Augsburg - VfB Stuttgart (Sonntag, 17.30 Uhr)

Welches Spiel dürfen Sie auf keinen Fall verpassen?

Hannover gegen Schalke. Bei den Gelsenkirchenern ist diese Saison Musik drin. In Wolfsburg verlor Schalke 0:4, im Champions-League-Playoff gegen den griechischen Verein PAOK Saloniki gab es ein ärgerliches 1:1. Das Fazit des ZDF: kein Pfeffer im Offensivspiel. Dafür eine ordentliche Dosis Pfefferspray, als Polizisten die Tribüne stürmten, weil Schalke-Fans dort eine mazedonische Flagge mit dem Stern von Vergina aufgehängt hatten. Griechen und Mazedonier streiten darüber, wer Anspruch auf das Symbol hat, das auf dem Banner der Ultras des mazedonischen Vereins Vardar Skopje zu sehen ist. Mit dem verbindet die Schalker eine Fanfreundschaft. Die Polizei erkannte darin Volksverhetzung.

Schalke 04 verurteilte den Polizeieinsatz als unverhältnismäßig, er sei mit dem Verein nicht abgestimmt gewesen. Die Polizeisprecherin versucht, um Verständnis für den Einsatz zu werben: Die griechischen Fans hätten mit "Spielfeldabbruch" gedroht, Leib und Leben vieler Zuschauer wären dann gefährdet gewesen. Wenn Spielfeldabbruch bei Schalke-Spielen jetzt zur Regel wird, kann sich Hannover am Samstag auf einiges gefasst machen: Fans klauen den Rasen schon vor dem Spiel, Tore fallen nur noch wie einst in Madrid physisch und Hannovers neues Maskottchen verschwindet so plötzlich wie es eingeführt wurde in einem sich auftuenden Höllenschlund. Muss nicht so kommen, ist aber ähnlich realitätsnah wie die Gefahrenabwägung der Gelsenkirchener Polizei.

Welches Spiel können Sie mit gutem Gewissen verpassen?

Dortmund gegen Bremen. Optisch ist diese Partie ohnehin schon entschieden, der schwarz-gelbe Trikotmeister der Saison 2013/2014 spielt gegen den rasengrünen Letzten, so die Rangliste von Düsseldorfer Modedesign-Studenten. Ein weiterer Grund, nicht auf das Werder-Trikot zu schauen, ist der Sponsor Wiesenhof. Mitarbeiter des Geflügelverarbeiters ziehen Puten an den Hälsen treten ihnen in den Bauch, recherchierte Report Mainz. Werder Bremen könnte sich jetzt empören. Glaubwürdig wäre das allerdings nicht, schon vor zwei Jahren wurden erste Missstände aufgedeckt, Wiesenhof durfte vorige Saison trotzdem die Trikots sponsern. Jürgen Trittin trat als Umweltbotschafter des Vereins zurück. Die Werder-Geschäftsführung versicherte damals "Wiesenhof hat mehr zu bieten." Heute zeigt sich: mehr Tierquälerei, offensichtlich. Inzwischen gibt sich Werder vorsichtiger und fordert nach den neuesten Enthüllungen zwar lückenlose Aufklärung, betont aber das Vertrauen zwischen Club und Sponsor. Tipp als Interimslösung für das Spiel gegen Dortmund: Trikots linksherum tragen. Das wäre ein Gewinn, optisch wie inhaltlich.

Wer steht im Blickpunkt?

Ein Berliner Groschenroman über eine 16-Jährige und mehrere Profis von Hertha BSC. Lolita, wie das Berliner Boulevardblatt BZ das Mädchen origineller Weise getauft hat, soll bei einer Autogrammstunde gleich drei Nummern von Hertha-Profis zugesteckt bekommen haben. Wie die Berliner Nabokovs heißen, ist unbekannt. Die BZ schreibt: "Hertha-Spieler 1 (Single) steckt dem Mädchen eine Autogrammkarte zu. 'Hier hast du zwei bessere Nummern', flüstern Hertha-Spieler 2 und Hertha-Spieler 3. Einer ist verheiratet, einer hat eine Freundin." Klingt so, als wäre das nicht die erste Aktion dieser Art von "Spieler 2 und 3" gewesen. Im Chor flüstern will geübt sein. Der Manager Michael Preetz wittert eine Kampagne.  Eine Werbekampagne vielleicht? Durch Berichte über minderjährige Sexobjekte entstehen womöglich Reize für Fußballprofis anderer Vereine, einen Wechsel in die Hauptstadt zu erwägen. 

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Kommentare

16 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Quod erum demunstrandum???

Sie haben Sich ebenso wie die Zeit blamiert und hätten es um 13 Uhr ebenso woanders besser nachlesen können. Andere Medien sind der Zeit offenbar manchmal einige Stunden voraus. Man sollte bei so schwerwiegenden Vorwürfen zudem generell lieber mehrere Quellen konsultieren, ehe man sich so festlegt wie sie. Behaupten kann jeder alles. Zumindest vor Gericht gilt: Im Zweifel für den Angeklagten. Sie und die Medien tun das Gegenteil. Würden Sie selbst auch gerne so behandelt werden? Ich finde das ziemlich abartig wie leicht man andere diffamieren kann, ohne sich nachher dafür rechtfertigen zu müssen. Und die Zeit war mal ein echtes Qualitätsblatt! Und ihre Behauptungen glaube ich auch erst, wenn sie bewiesen sind. Da kann ja jeder kommen.

Ich freue mich jedenfalls auf den neuen Spieltag und hoffe, dass der Fußball die Hauptrolle spielen wird. Mir ist es im Prinzip fast egal wer gewinnt, so lange es tolle Zusammenfassungen zu sehen gibt (in die Keipe gehe ich für so was nicht und Sky ist mir zu teuer).

Mir ist vollkommen egal, was Sie glauben, mir ist die Geschichte

um diese Lolita und die Herthaner ebenso egal. Wie ich jedoch erwähnte, habe ich von meinem Bekannten, der dort Praktikant war, so allerhand gehört. Und wie ich bereits erwähnte, das war derart zum Fremdschämen, dass es mich absolut nicht überrascht, wenn sich diese Geschichte als wahr herausstellt. Im Gegenteil, ich gehe fest davon aus, dass sie absolut wahr ist.
Glauben Sie mir, Sie möchten nicht, dass ich wiederhole, was mir besagter Praktikant/Bekannter erzählt hat, was in diesem Verein so vor sich geht, bzw. wäre dies nicht jugendfrei und hätte hier entsprechend wenig verloren.

Verzichtbar

Was haben Sie denn erwartet?

Nur eine Frau ist fähig ein klasse Fußballspiel wie Dortmund gegen Werder Bremen als verzichtbar zu bezeichnen und um das Spiel abzuwerten völlig irrelevante Argumente wie die Trikotwerbung anbringt.

Selbst wenn der BVB die letzten Aufeinandertreffen für sich entscheiden konnte, gibt es in der Partie quasi eine Torgarantie ( in 96 Begegnungen nur drei Nullnummern ) Außerdem ist Werder gerade dabei sich zu fangen, ein 0:5 wie bei der letzten Begegnung wird es sicherlich nicht geben.

Und selbst wenn: ein Fußballspiel mit BVB-Beteiligung ist mMn. kaum verzichtbar !

Fußball und Politik

Merkel hat derzeit gute Chancen auf einen erfolgsversprechenden Konto. Dazu braucht sie nur 100.000 Postkarten mit dem Konterfei des derzeitigen NRW-Innenministers Jäger und einigen Schnappschüssen der jüngsten Vorgehensweise der Polizei in westfälischen Stadien im bajuwarischen Feindesland zu verteilen.