Bezahlsender SkyDie Rechnung mit dem Fußball-Wirt

Der Bezahlsender Sky hat die Preise für Kneipen, die Live-Fußball zeigen, um bis zu 150 Prozent erhöht. Nach lauten Protesten wird nun verhandelt. von 

Ein Bierglas am Zapfhahn

Ein Bierglas am Zapfhahn  |  © Andreas Gebert/picture alliance/dpa

Zum ersten Bier Kartoffelsalat mit Würstchen und danach ein zweites. Das Zuprosten in der Runde, das gemeinsame Anbrüllen der Leinwand, das gegenseitige Sich-um-den-Hals-fallen. Fußball gucken in der Kneipe ist ein Erlebnis. Doch es ist gefährdet.

"In Kürze starten wir in eine neue, spannende Fußballsaison", mit diesen Worten beginnt ein Schreiben, das die Gastronomen unter den Kunden des Bezahlsenders Sky vor Wochen erhalten haben. Der einzige Sender, der alle Spiele der Bundesliga und Champions League live überträgt, hat seine Preise teilweise drastisch erhöht.

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Daher berichteten Lokalzeitungen in den vergangenen Wochen von den Kneipenschlägereien mit Sky: In Freiburg nehmen die Wirte "die Preiserhöhung zähneknirschend" hin, in Augsburg "laufen sie Sturm", in Oberhausen ertönt "der Abpfiff für den Kneipenfußball", anderswo wurde gar nicht darüber berichtet.

Dass der Aufschrei regional unterschiedlich ausfällt, ist kein Zufall. Denn Sky hat sich etwas Besonderes einfallen lassen: "In unserer neuen Preisstruktur konnten wir außerdem erstmals weitere Aspekte wie etwa die Bevölkerungsdichte, die Kaufkraft und die Sportaffinität berücksichtigen", heißt es an dem Schreiben an die Wirte.

Wer seine Kneipe zum Beispiel im thüringischen Mühlhausen oder im sächsischen Görlitz hat, konnte mit günstigeren Konditionen rechnen. Die meisten fluchen allerdings, bis zu 150 Prozent müssen sie draufzahlen. "Der Anteil von Kneipen, die von dem neuen Preismodell profitieren, ist signifikant", sagt Wolfram Winter, Leiter Kommunikation bei Sky. Das genaue Verhältnis könne er jedoch nicht beziffern.

Die Kneipenbesitzer zahlen für Firlefanz

Um die Preiserhöhungen gegenüber den betroffenen Wirten zu rechtfertigen, weist Sky auf das verbesserte Angebot hin. Sie erhalten nun einen zweiten Decoder kostenlos, alle Fußballspiele werden fortan in HD übertragen. Das sind jedoch die einzigen Neuerungen, von denen die Wirte tatsächlich profitieren.         

Dass Sky sich einen Sender für Sportnachrichten leistet, der 24 Stunden auf Sendung ist und am Samstagabend zudem Fußball-Unterhaltung mit Oliver Pocher anbietet, oder immer mehr Sportarten ins Programm genommen wurden, mag für Privatkunden attraktiv sein. Für die Kneipenbesitzer ist das Firlefanz, wenn nicht gerade Sabine Lisicki im Finale von Wimbledon steht.

Die neue Angebotsstruktur für Gastronomen ist nicht nur intransparent, sondern auch inflexibel. Die Bundesliga kann nicht einzeln gebucht werden. Die Wirte müssen alles nehmen und für alles zahlen. Ein Wirt erzählt, er habe erst verwundert, dann erzürnt, bei Sky angerufen, um zu fragen, was das solle. Am Telefon habe man ihm Volleyball-Fanartikel angeboten, damit er die Übertragungen in seiner Umgebung bewerben könne.

Das Paradoxon mit den Privatkunden

Offenbar müssen die Wirte nun für etwas herhalten, was Sky sich bei seinen Privatkunden nicht traut: den Preis zu erhöhen, um die horrenden Ausgaben zu deckeln. Alleine für die Bundesligarechte bezahlt Sky in den kommenden vier Jahren knapp zwei Milliarden Euro.

Doch das Geschäft funktioniert schleppend. Der Konzern macht Miese, seit es ihn gibt. Bereits die Projekte Arena, Premiere und Liga total haben gezeigt, dass sich mit Live-Fußball in Deutschland, im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern, eigentlich kein Geld verdienen lässt. Das hat verschiedene Gründe: An jedem Wochenende gehen über eine Million Fans in die Stadien. Die Sportschau zeigt die Zusammenfassungen der Spiele bereits eine Stunde nach Abpfiff. Live-Konferenzen im Radio sind noch immer sehr beliebt. Ebenso die Kneipenbesuche.

Leserkommentare
    • sinta
    • 15. August 2013 19:47 Uhr

    "Alleine für die Bundesligarechte bezahlt Sky in den kommenden vier Jahren knapp zwei Milliarden Euro."

    Ernsthaft - 2 zwei Milliarden Euro? Ihr habt Euch doch bestimmt verschrieben, wie geht denn sowas? Für Fußballübertragungsrechte?

    Nix gegen Fußball - aber bei solchen Summen frage ich mich schon, was stimmt denn da nicht ...

    2 Leserempfehlungen
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    seit dieser Saision bekommen die Vereine im Durchschnitt sogar etwas mehr...

    gestaffelt vom 1. Platz der Bundesliga mit etwa 33 Mio pro Saison bis zum 18. Platz der 2. Liga mit knapp 4 Mio Euro.

    aber in diesen Sphären bewegt sich das doch schon seit Jahren...

    Und jetzt wird eben nach klassischer Kalkulation der Preis so erhöht das man die Gewinne die durch den Fußball enstehen, abgeschöpft werden.

    Einige Kneipen werden kein Fußball mehr zeigen. Die anderen machen dann mehr Geschäfte.

    Es ist eben ein Unterhaltungsprodukt. So die bepreisung. Konzertkarten von berümten Bands kosten ja auch mehr, als von unbekannten Bands.

    • Rotador
    • 15. August 2013 20:04 Uhr

    ich, dass Sky Deuschland mit seinen erpresserischen Methoden eine grandiose Bauchlandung hinlegt und (möglichst mit Murdoch) die größte Pleite der Menschheitsgeschichte hinlegt. Dann sind wir endlich auch MR los, wenn er dann SGB II beantragen muß, soll er sich bei mir melden, ich schicke ihm dann jeden Monat 2 Euro, befristet auf 24 Monate. Danach sollte er was Neues gefunden haben, vielleicht als Tester in einem Eierlikörversuchslabor!

    8 Leserempfehlungen
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    • hairy
    • 15. August 2013 20:22 Uhr

    der Fox-Corp.- und Abhör-Murdoch ist einer von denen, ohne die diese Welt etwas besser wäre. Daher: Sky meiden!

    • Infamia
    • 16. August 2013 11:51 Uhr

    "2. Die innigste Hoffnung habe
    ich, dass Sky Deuschland mit seinen erpresserischen Methoden eine grandiose Bauchlandung hinlegt und (möglichst mit Murdoch) die größte Pleite der Menschheitsgeschichte hinlegt. "

    Nun ja, was ich in dem Zusammenhang immer sehr interessant finde, ist die Tatsache, dass einerseits kein Moment ausgelassen wird, über die Rundfunkgebühr abzuhetzen. Wenn dann aber ein Sender wie Sky (Bezalfernsehen) das tut, was Unternehmen nun mal tun, wenn sie ein knappes Gut haben, nämlich die Preise erhöhen, ist es auch nicht recht. All denen, die so vehement gegen eine Rundfunkgebühr plädieren, Bezahlfernsehen kann im Zweifel teurer werden. Siehe Sky.

    • hairy
    • 15. August 2013 20:22 Uhr

    der Fox-Corp.- und Abhör-Murdoch ist einer von denen, ohne die diese Welt etwas besser wäre. Daher: Sky meiden!

    6 Leserempfehlungen
  1. seit dieser Saision bekommen die Vereine im Durchschnitt sogar etwas mehr...

    gestaffelt vom 1. Platz der Bundesliga mit etwa 33 Mio pro Saison bis zum 18. Platz der 2. Liga mit knapp 4 Mio Euro.

    aber in diesen Sphären bewegt sich das doch schon seit Jahren...

    Antwort auf "Zwei Milliarden "
    • zeman
    • 15. August 2013 21:21 Uhr

    ...Beitrag auf Youtube trifft es genau:

    https://www.youtube.com/watch?v=e6hrdywl84A

    P.S. Sky boykottieren und "aushungern" - es gibt auch ein Leben ohne Fußball (sagt ein langjähriger "Fußballfanatiker").

    Eine Leserempfehlung
  2. Und jetzt wird eben nach klassischer Kalkulation der Preis so erhöht das man die Gewinne die durch den Fußball enstehen, abgeschöpft werden.

    Einige Kneipen werden kein Fußball mehr zeigen. Die anderen machen dann mehr Geschäfte.

    Es ist eben ein Unterhaltungsprodukt. So die bepreisung. Konzertkarten von berümten Bands kosten ja auch mehr, als von unbekannten Bands.

    Antwort auf "Zwei Milliarden "
  3. Weil der Umschlag daherkam wie einer dieser Werbebriefe, haben ihn manche Wirte übereilt weggeschmissen. Wer aber schwieg, stimmte den neuen Vertragsbedingungen zu.

    Wie geht das denn bitte? Das kann ich nicht glauben.

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    Ich kann beides glauben. Bei dem täglichen Werbewust, den man bekommt, ist so etwas ganz schnell durchgerutscht, besonders, wenn es noch so wie Werbung aussieht, was ich mir sehr gut vorstellen kann. Und das mit der stillschweigenden Annahme der neuen Vertragsbedingungen passiert doch ständig. Besonders bei meinen Versicherungen ist mir aufgefallen, dass da ganz schnell mal in der Jahresrechnung saftige Erhöhungen drin waren, denen ich auch widersprechen musste, damit sie nicht gültig wurden. Hat sich auch immer gelohnt.

  4. ...Die Sky-Rechnung ist das eine, immer mehr Kommunen erheben "Terassen-Steuern".

    Ob Privatfirmen oder Gemeinden: Man holt es sich eben wieder "rein", was fehlt. Man erhœhtvsich eben gegenseitig die Gebühren.

    Anschlueßend steigt wieder der Bierpreis, oder - weil die Kneipe neben an gar keine Steuern mehr zahlt - die Löhne der Aushilfskellner (...Festangestellte in der Gastronomie gibt es ja schon lange keine mehr...) sinken noch weiter ...
    .. bzw. die nächste Halbtagskraft wird durch einen 400-Euro-Jobber ersetzt. Damit Frau v. d. Leyen wieder feierlich erklãren kann: Die yarbeitaplãtze haben sich erneut verdoppelt!

    (Alles weitere hier nachzulesen: http://www.blick.ch/news/wirtschaft/flucht-aus-dem-armenhaus-id127637.html und http://www.zerohedge.com/news/2013-04-28/germanys-perspective-how-europe....
    Etwas off-topic? Nur auf dem ersten Blick!

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  • Schlagworte Fußball | Sabine Lisicki | Sender | Sky | Wimbledon
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