SportschießenDie Waffe, mein Sportgerät

Konzentration, Konzentration, Konzentration und auf die ewigen Vorwürfe reagieren. Bei den Deutschen Meisterschaften geben die Sportschützen Einblick in ihre Welt. von Franziska Schwarz

Ein Sportschütze mit einer Bock-Doppelflinte

Ein Sportschütze mit einer Bock-Doppelflinte  |  © Patrick Pleul/picture alliance/dpa

Viel zu sehen gibt es nicht in der Luftgewehrhalle in München-Garching. Die Mädchen, die in der "Jugendklasse weiblich" um die Deutsche Meisterschaft schießen, stehen in schwerer Schießkleidung in einer Reihe, jede ist mit ihrer Zielscheibe allein. Ein neugieriger Blick in ihre Gesichter verbietet sich, man stünde in der Schusslinie. Die Zuschauer wirken mit ihren verschränkten Armen wie Wartende am Bahnhof.  Auf Monitoren können sie die Ergebnisse verfolgen, doch viele plaudern lieber miteinander. Es sind vor allem Mütter, Väter, Freundinnen und Freunde. Ab und zu gibt es irgendwo in der großen Halle ein kurzes Klatschen – wenn eine der ihren getroffen hat.

 

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Auf der Olympia-Schießanlage werden in diesen Tagen die Deutschen Meisterschaften im Sportschießen ausgetragen. Am Eingang weht Bockwurstduft. Hinter dem Bierzelt und den Vereinsständen liegen die Gewehrhalle, die Pistolenhalle, die Luftgewehrhalle und die Hallen für die Laufende Scheibe sowie die Anlagen für Trap und Skeet, den Fachbegriffen für Tontaubenschießen. Auf dem angrenzenden Campingplatz residieren Sportler und Fans. Es gibt viele kurzärmlige Hemden und Schnäuzer. Alles erinnert an ein Volksfest oder ein Festival – nur ohne Musik. Alles ist, ehrlich gesagt, ziemlich langweilig.

Schießen ist wie Seiltanz

Was reizt also die Schützen am Schießen? Die Frage geht an drei Sportler, die sich im echten Leben wohl nicht kennenlernen würden. Die zierliche Laureen, 23 Jahre alt, Studentin und Wurftaubenschützin, die gerade im Café sitzt. Jochen, 44 Jahre, Destillateur, wuchtige Statur, kariertes Hemd, der mit Frau und kleinem Kind und Wohnmobil angereist ist. Und Nikolas, 35, Ingenieur, der mit längerem Haar und Lederjacke eher wie ein Rocker aussieht, in seinem Koffer aber keine Gitarre, sondern eine Pistole dabei hat.

Laureen meint, ihr Sport sei wie Autorennen am Computer, für Niklas ähnelt er Schach, was Jochen verneint. Beim Schießen brauche es schließlich Körperspannung. Wie bei einem Seiltänzer etwa. Er vergleicht den Sport auch mit Billard oder Darts. Aber was ist jetzt der Kern? Alle drei antworten: "Konzentration".

Wenn Laureen auf Wettkämpfe fährt, bleibt ihr Handy den ganzen Tag ausgeschaltet im Auto liegen, ihre Freunde kennen das schon. Beim Training könne jeder sein selbstgestecktes Ziel von soundsoviel Treffern pro Runde erreichen. Für Wettkämpfe gilt das nicht: "Das auch unter Druck zu schaffen – da trennt sich die Spreu vom Weizen." Es geht um die Disziplin, die immergleichen Abläufe auszuführen – auch dann noch, wenn alle zuschauen. Oder wenn etwas stört, eine vorbeifliegende Biene zum Beispiel. Es heißt, etwa tausend Schüsse muss ein Sportschütze im Jahr absolvieren, wenn er sein Niveau halten will.

Wenn Nikolas nach der Faszination seines Sports gefragt wird, redet er davon, dass das Schwarze einen Durchmesser von fünf Millimetern hat und der Schütze aus 50 Metern Entfernung treffen muss – eigentlich undenkbar, findet er. Aber mit Disziplin geht es. "Es ist bemerkenswert, wie leistungsfähig da der menschliche Geist ist", sagt er, irgendwie landet er sogar beim Thema Autogenes Training. Für Jochen ist es Körperbeherrschung, das Immergleiche zu schaffen: "Abschalten, das lernt man beim Schießen, das ist ein ganz großes Plus auch im Alltag."

Leserkommentare
    • Alaric
    • 27. August 2013 15:33 Uhr

    Sportschießen kann auch mit Golf verglichen werden - es geht um Körperhaltung, Konzentration und Ruhe, und ist 1000x schwieriger, als es aussieht. Mein Respekt an diejenigen, die diesen Sport beherrschen.
    Es hat rein gar nichts mit "rumballern" zu tun, und die Sportschützen, die ich kenne, zählen zu den verantwortungsbewußten die ich überhaupt kennengelernt habe.

    10 Leserempfehlungen
  1. Die Mädchen beim Luftgewehrschießen tragen keine schwere Schutzkleidung!

    Die Schießjacken und Schießhosen sind schwere Sportkleidung, die das Halten der Körperspannung erleichtern soll und dabei unterstützt, dass man beim Zielen nicht zu sehr wackelt! Es ist keinesfalls ein Schutz vor Kugeln oder Querschlägern! Diese Darstellung ist falsch!

    Im Übrigen ist Schießen ein wundervoll ausgleichender Sport (oder, wenn man es nicht wttkampfmäßig ausübt, ein wundervolles Hobby), der das Zusammenspiel von Körper und Geist sehr stark fordert. Und Spaß machts auch noch... (aber das darf man in Deutschland ja nicht sagen, wenns um Waffen geht)

    8 Leserempfehlungen
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    "Schutzkleidung"

    Da merkt man, dass sich jemand wirklich informiert hat, was dort so abgeht...

  2. "Schutzkleidung"

    Da merkt man, dass sich jemand wirklich informiert hat, was dort so abgeht...

    4 Leserempfehlungen
  3. "Sportschützen bekommen als erstes eingetrichtert: Den Lauf immer nur nach vorne auf die Zielscheibe richten, den Lauf niemals öffnen und vor allem, niemals umdrehen. Manchmal löst sich beim Zielen die Patrone nicht. Der Schütze soll dann verharren und auf einen Helfer warten, der mit ihm zusammen den Lauf öffnet und das Problem untersucht. Auf keinen Fall soll er sich umdrehen, es ist immer möglich, dass sich ein zweiter Schuss löst."

    Wie sollte man den Lauf öffnen? Meint man hier den Verschluss oder das Patronenlager?
    Wieso sollte sich beim Zielen die Patrone lösen? Wenn dann gibt es beim Abkrümmen einen Versager.

    Davon abgesehen ist genau diese Sicherheitsphilosophie das größte Problem.
    Ein Schütze sollte Handlungssicherheit mit seiner Waffe und Vertrauen in seine Fähigkeiten haben.
    Das könnte man durch verbindliche Handhabungs/Trockenausbildungen wie beim Militär erreichen.
    Wenn meine Waffe entweder einen Anzündversager, eine verklemmte Hülse im Auswurf oder eine Doppelzuführung hat, lasse ich sie in Richtung des Ziels, schlage auf den Magazinboden und lade durch, in 9 von 10 Fällen ist das Problem gelöst. Wenn nicht, sichern, Magazin raus, Störung beseitigen, Magazin rein, weiterschießen.
    Bei allen diesen Tätigkeiten gibt es keinerlei Gefährdung für umstehende.

    Nur wenn meine Schützen soviel Angst vor ihrer Waffe haben, dass bei einer Störung der Puls auf 180 geht, dann wird es gefährlich und dann passieren Fehler.

    5 Leserempfehlungen
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    in meinem bisherigen Leben hat Schießsport nie eine Rolle gespielt und mein erstes Gewehr hab ich - neulich- als Gastschütze mit über 40 Jahren angefasst.

    Trapp fand ich doof, aber VL auf 100m hat schon Spass gemacht. Muss man nicht ziemlich neben sich sein um die Mündung nicht Richtung Kugelgang zu halten?

    Peter

  4. gut vorstellen, ich wäre vor allen Dingen an der Technik der Waffen in-
    teressiert. Aber wenn hier jeder mit einer Waffe rumlaufen darf, wie in
    Amerika , lieber nicht !

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    • cfgauss
    • 27. August 2013 16:59 Uhr

    wie in amerika?

    das waffenrecht in amerika ist nicht einheitlich. es gibt staaten, die ein restriktiveres waffenrecht haben als deutschland, und es gibt "open carry states", wo man eine waffe im alltag führen darf. aber auch nicht ohne erlaubnis.

    mal abgesehen davon, dass fast alle straftaten hier und jenseits des weihers mit illegalen waffen verübt werden, hilft es einfach sehr, wenn man sich vor verfassen eines kommentars ein wenig über sachverhalte informiert.

    Hier in Deutschland darf nicht jeder einfach mit einer Waffe rumlaufen, geschweige denn eine Waffe führen. Wenn man keine Ahnung von den Gesetzen und Vorschriften hat sollte man sich etwas zurück halten!

    • cfgauss
    • 27. August 2013 16:59 Uhr

    wie in amerika?

    das waffenrecht in amerika ist nicht einheitlich. es gibt staaten, die ein restriktiveres waffenrecht haben als deutschland, und es gibt "open carry states", wo man eine waffe im alltag führen darf. aber auch nicht ohne erlaubnis.

    mal abgesehen davon, dass fast alle straftaten hier und jenseits des weihers mit illegalen waffen verübt werden, hilft es einfach sehr, wenn man sich vor verfassen eines kommentars ein wenig über sachverhalte informiert.

    4 Leserempfehlungen
    • Derdriu
    • 27. August 2013 18:24 Uhr

    Ich fand den Artikel gut, denn er spiegelt genau das wider, was ich aus meiner aktiven Zeit noch weiß. Schießen ist für Außenstehende langweilig und hauptsächlich machen es alte Männer.

    Aber es gibt auch Frauen und die sind durchschnittlich besser als Männer - physiologische Vorteile aufgrund von tieferem Körperschwerpunkt, ausgeprägterer Hüfte und weniger Muskeln (die Sauerstoff verbrauchen und zittern)).

    Als Sportschützin war ich immer ziemlich sauer, wenn in den Medien betont wurde, dass ein Amokläufer Sportschütze war. Das lässt -wie bei Computerspielen- falsche Rückschlüsse zu in der Art und Weise der Berichterstattung. Sportschützen und Gamer sind nicht prädestiniert zum Amoklauf. Es gibt nur so viele, dass die Wahrscheinlichkeit nicht so gering ist, dass einmal ein Amokläufer auch Sportschütze/ Gamer ist- was bisher überraschend selten vorkam gemessen an der Mitgliederzahl.

    Es ist eigentlich schade, dass Irre und Vorurteile diesen ehemals eleganten Sport, an dem so viele Freude haben, so kaputt machen können.

    2 Leserempfehlungen
  5. Anweisungen von ca.1980 aus dem Kopf und ohne Gewähr. Für Luftgewehr und KK. Schießjacke mit Polstern dient dazu wenig Übertragung von Körperbewegungen auf die Jacke zuzulassen. Vor dem Schuß ausatmen.
    Der Lauf immer!!!! in Richtung Ziel!!!!!! Bei allen Unklarheiten mit dem Gewehr, Lauf in Richtung Ziel und Helfer herbeirufen!!!!
    Bin dann lieber passives Mitglied zum Biersaufen geworden ;-)

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  • Schlagworte Amoklauf | Autorennen | Bierzelt | Billard | Sportverband | Training
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