Marjan Petković, Torhüter von Eintracht Braunschweig © Christian Charisius/picture alliance/dpa

Im Jahr 1999 klingelte der Trainer des TSV Güglingen an der Tür von Familie Petković. Er war verzweifelt auf der Suche nach einem Ersatztorhüter für den Kleinstadt-Verein, der bis heute in einer württembergischen Kreisliga A spielt. Der damals 20-jährige Marjan Petković öffnete die Tür. Er hatte von seinem Zimmer aus einen guten Blick auf die Anlage des idyllischen Stadions.

Petković reagierte zaghaft. Fußball war bis dato nicht seine große Leidenschaft gewesen, er mochte Basketball. Sein größerer Bruder war auch Torhüter, hatte aber keine Lust einzuspringen. Schließlich stimmte Marjan zu. Er wollte gerne aushelfen. Wie lange war noch vollkommen unklar.

Zwei Jahre lang hütete Petković im Anschluss das Tor der Güglinger. Die Kulisse von rund 250 Zuschauern machte ihm zunächst ein bisschen Angst, ehe er Gefallen an ihr fand. Er mochte es, gebraucht zu werden, der Rückhalt seiner Mitspieler zu sein. Am diesem Sonntag wird Petković wieder gebraucht. Von seiner Mannschaft Eintracht Braunschweig, vor 80.000 Zuschauern im Dortmunder Westfalenstadion.

Der Weg in die Bundesliga war für den heute 34-jährigen Petković beschwerlicher als für viele andere Profis. Weil er so spät mit dem Fußballspielen begann, hatte er die Jugendförderung verpasst. Es dauerte lange, bis er unter halbwegs professionellen Bedingungen trainierte. Bis dahin vergingen viele Jahre ohne sportlichen Mentor, ohne Torwarttrainer. Um das aufzuholen, was ihm in der Jugend an fußballerischer Ausbildung entgangen war, schob er Extraschichten auf dem Trainingsplatz. "Alles rausholen, alles geben", wollte er, nachdem er tagsüber als Konstruktionsmechaniker arbeitete.

Tingeln durch Amateurligen

Eike Immel holte ihn schließlich nach Heilbronn, Hansi Flick nach Hoffenheim. Immer zu den Amateuren, bis er 2004 zum Drittligisten Sandhausen wechselte. Vier Jahre spielte er dort, absolvierte 115 Spiele. Dann zog es Petković an den Main zum FSV Frankfurt, dort wollte er sich sportlich weiterentwickeln. Doch eine Verletzung warf ihn zurück, den Stammplatz konnte er sich nicht erkämpfen.

Die wichtigste Entscheidung seines Berufslebens traf Marjan Petković 2009 auf einem Rastplatz in Ungarn. Seine hochschwangere Frau und er waren gerade auf dem Heimweg vom Urlaub, als das Telefon klingelte und Eintracht Braunschweig ihm ein Angebot unterbreitete. Die Löwen, damals in der Dritten Liga, wollten ihn holen, sofort.