IOC-WahlDer Scheich der Ringe

Thomas Bachs Wahl ist Teil eines großen Personalumbaus im Sportbusiness. Dahinter steckt ein Öl-Potentat, der im Bündnis mit dem Kreml nach der Macht im Weltsport greift. von Grit Hartmann

Nach der Wahl Thomas Bachs zum IOC-Präsidenten gab sich Ahmad al-Sabah bescheiden. Ob es daran lag, dass der kuwaitische Scheich auf einen Kantersieg seines Favoriten im ersten Wahlgang gesetzt hatte? Al-Sabah stand, so berichten Beobachter, in der Lobby des Hilton, und lobte geduldig seinen Favoriten: "Dr. Bach hat der Bewegung viele, viele Jahre gedient. Immer wenn es Schwierigkeiten gab, war er da."

Der Scheich ist Präsident der Vereinigung aller 204 Olympiakomitees und Verwalter des mit 400 Millionen Dollar prall gefüllten IOC-Entwicklungshilfefonds. Neben allerlei arabischen Blaublütern hatte er auch die afrikanischen IOC-Mitglieder frühzeitig auf den Deutschen eingeschworen. Bis zuletzt soll er aber auch andere Mitglieder gedrängt haben, schon in Runde eins für Bach zu stimmen, um ihm ein starkes Mandat zu geben.  

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Immerhin, Bach entschied die Sache erst im zweiten Wahlgang. Ein kleines Zeichen gegen den mächtigen Wahlhelfer Bachs war das. Ein kleines Zeichen der Kontrahenten, dessen Sprecher der Schweizer Denis Oswald war: "Ich möchte einen unabhängigen Kandidaten, der nicht auf bestimmte Allianzen angewiesen ist."

Mit Geschick und Hinterzimmer-Diplomatie hat Bach seit Jahrzehnten auf den IOC-Thron hingearbeitet; exzellente Kontakte zu den Golf-Potentaten waren Teil seines Masterplans. Als Präsident eines Vereins namens Ghorfa hat er für die Staaten der Arabischen Liga Geschäfte in Deutschland angebahnt. Diesen Posten will er abgeben, anders als den Aufsichtsratsvorsitz der Weinig AG, die kuwaitischen Investoren gehört.

Putin spielt mit

Die Geschicke des Tauberbischofsheimer Holzmaschinen-Herstellers wird Al-Sabah aber kaum gemeint haben, als er im Mai von einer zwölf Jahre alte Abmachung mit Bach sprach – und von "Bedingungen", die Bach "zu erfüllen" habe. Und auch kaum das Wahlmanifest seines Protegés, das dem IOC mehr Ethik, mehr "Good Governance" verordnen will. In Kuwait wie im Sport war der Scheich in einige Korruptionsaffären verstrickt.

Was hat al-Sabah damit gemeint? Soll Bach den Image-versessenen Ölmonarchen die Spiele beschaffen, Doha oder Dubai, 2024 oder 2028? Die ersten in einem muslimisch geprägten Land, wie es dann heißen würde? Dass FDP-Mitglied Bach keine Probleme hat mit der Vergabe des IOC-Premiumprodukts an Herrscher, die ihren Bürgern elementare Freiheiten vorenthalten, hat er schon mehrfach bewiesen, etwa in China 2008. Auch im Streit um das russische Anti-Homosexuellen-Gesetz und Sotschi 2014 sprang er mit dem Deutschen Olympischen Sportbund gerade erst dem Kreml bei.

Doch Bach ist mehr als ein Spiele-Lieferant. Seine Wahl ist Teil eines größeren Personalumbaus im Weltsport. Im Mai schaffte es Judo-Präsident Marius Vizer an die Spitze von Sportaccord, der Vereinigung aller Weltverbände. Der Scheich empfing danach ungeniert Gratulationen. Dies sei nur der erste Streich gewesen, raunten seine Anhänger. Der zweite folge "im September", bei der Wahl des IOC-Präsidenten.

Vizer, ein eher hemdsärmeliger Rumäne mit österreichischem Pass, ist Wladimir Putins Statthalter im Weltsport. Der Kreml-Herrscher hievte ihn 2007 an die Spitze des Judo-Weltverbandes. Der dankte auch mit seiner ersten Amtshandlung bei Sportaccord: Vizer holte den Oligarchen Arkady Rotenberg in die Exekutive, einen Jugend- und Judofreund von Putin. Rotenberg verdient gerade kräftig am olympischen Umbau von Sotschi. Dort, wo jeder zweite Rubel für Korruption draufgeht, hat er Aufträge über 7,9 Milliarden Dollar zugeschanzt bekommen – mehr als das Gesamtbudget der Spiele von Vancouver.  

Leserkommentare
  1. Anyone but Bach wäre erfreulich gewesen, so wird es leider eine Fortsetzung des bisherigen Systems mit leichter Kosmetik geben. Der Wechsel von Rogge zu Bach ist kein Fortschritt, sondern ein Äquivalent zu einem Wechsel Szamaranch zu Rogge oder auch von Havelange zu Blatter.

    Bach entstammt dem System und ist wahrlich nicht geeignet, die verkrusteten Strukturen aufzubrechen, ganz im Gegenteil. Eine Chance wurde vertan, schade, wenn auch absehbar. Dass Bach jetzt zufällig Deutscher ist, verpflichtete die nationale (Sport-)Prominenz zu Beifallsäußerungen. Abgesehen von tumben patriotischen Triumphgefühlen ("Wir sind IOC-Präsident"???) gibt es aber nur Grund zur Trauer über diese Entscheidung.

    4 Leserempfehlungen
    • doof
    • 11. September 2013 11:40 Uhr

    und so wird alles aufgeteilt:

    - die Welt des Sports zwischen russischen Oligarchen und arabischen Potentaten,
    - die Welt des Geldes und der Wirtschaft zwischen amerikanischen Selfmadebankern, russischen Oligarchen und arabischen Potentaten
    - und die Welt der Politik zwischen arabischen Potentaten und amerikanischem POTUS.

    .....

    2 Leserempfehlungen
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    Wenn Sie schon das Wort POTUS benutzen, dann bitte auch richtig!

    "amerikanischer POTUS" ist doppelt gemoppelt!

  2. Jetzt fehlt noch, dass der neue Generalsekretär der UN ein Deutscher wird, z.B. Wulff. Der liess sich auch immer gerne seine Unterkünfte von "Freunden" bezahlen, was ihn zum Generalsekretär der UN prädestiniert.

    Eine Leserempfehlung
  3. ... das gigantomanische, korruptions- und dopingverseuchte "Event" namens Olympia nicht mehr anzusehen. Hier wird eine großartige Idee der Gier einiger Weniger nach Geld und Ruhm geopfert. Und damit meine ich nicht die aktiven Sportler.

    6 Leserempfehlungen
    • Moika
    • 11. September 2013 12:11 Uhr

    Frau Hartmann, jetzt haben Sie aber noch einmal tief in die Kiste gegriffenn - aber man muß diese Fakten einfach wissen!

    Wir wollen in diesem Zusammenhang auch nicht vergessen, daß Bach Vorsitzender der Arabisch-Deutschen Handelskammer (GHORFA) in Kuwait ist. In genau diesen Kontext fällt ein Beratervertag mit Siemens 2000 - 2008. Für Siemens sollte Bach Kontakte in den arabischen Raum herstellen und bezog dafür vom Konzern ein Jahreshonorar über € 400.000,00 und Tagesspesen in Höhe von € 5.000,00. Der nimmt's, egal wo's herkommt.

    Wer die geschäftliche Mentalität der Araber kennt, weiß, daß Aufträge aus diesem Raum auch immer mit ganz bestimmten Erwartungen seitens der Auftraggeber verbunden sind. Bach ist mittlerweile dort derartig eingebunden, das zweifelsfrei erhebliche Abhängigkeiten bestehen. Auch das sollte man wissen, bevor die Öffentlichkeit ihn hochleben läßt.

    Denn eines ist vollkommen sicher: Springt er nicht, wie die Interessen- Investorengemeinschaft (denn für die ist Bacht ein "Investment" - mehr nicht) aus dem Mittleren Osten es von ihm erwartet, werden ihm einige dieser früheren "Erwartungen" böse auf die Füße fallen.

    Er sollte immer Krücken griffbereit in seiner Nähe haben...

    4 Leserempfehlungen
    • goldi53
    • 11. September 2013 12:15 Uhr

    „Ist der neue Herr der Ringe mehr als ein vorzeigbarer Interessensverwalter, ein cleverer Jurist im Dienst der Ölscheichs und des Kreml? Es wird Zeit, dass der Musterfunktionär dafür ein paar Signale gibt.“ Diese Fragestellung hat sich schon dadurch erledigt, dass Hr. Bach gewählt worden ist. Im Sinne der Olympischen Idee ist Bach für das IOC der negative GAU schlechthin. Traurig aber wahr.

    3 Leserempfehlungen
  4. Das schlimmste, was dem olympischen Sport passieren konnte, war die Wahl von Herrn Bach! Aber unserer Regierung scheint er recht zu sein.

    3 Leserempfehlungen
    • hareck
    • 11. September 2013 12:19 Uhr

    im "Sport" austoben und nicht etwa in Bereichen, wo sie Schaden anrichten können.

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