"Ich bin keine Witzfigur", sagte Dennis Rodman vor ein paar Tagen. Hinter ihm eine mit Wettanbieter-Werbung bepflasterte Wand, vor ihm eine Metallbüste seiner selbst. Kein Reporter hätte sich um den abgehalfterten Exsportler geschert. Wenn er nicht gerade aus Nordkorea vom ansonsten strengstens abgeschotteten Diktator Kim Jong Un zurückgekehrt wäre.

Rodman hatte mit Kim Jong Un gefeiert und dessen Tochter gestreichelt. Über deren Existenz hatte der Rest der Welt zuvor nur gemutmaßt. Die bizarre Männerfreundschaft zwischen Rodman und dem basketballliebenden Diktator gründet darauf, dass beide ausgemachte Kindsköpfe sind, die nichts mehr mögen als zu irritieren und Schlagzeilen zu provozieren.

In den Neunzigern konnte Rodman diesen Wahnsinn noch als Weltstar des Sports zelebrieren. Fünf NBA-Titel gewann er, zwei gegen Michael Jordan und später drei an seiner Seite. Sieben Jahre in Folge erkämpfte er sich die meisten Rebounds der Liga. Die Aufnahme eines waagerecht in der Luft liegenden Rodman – eingefroren im Hechtsprung nach dem Ball, ohne Angst vor dem Fall – ist eine Ikone der Sportfotografie

Doch die Neunziger sind lange her. Der Basketballer Dennis Rodman ist längst verschwunden hinter einem gleichnamigen PR-geilen Freak mit extremen Piercings. In der Zwischenzeit führte er "Beziehungen" mit Carmen Electra und Madonna, und zwischendurch, den muskulösen Zwei-Meter-Körper in ein Hochzeitskleid gezwängt, erklärte er, er heirate sich selbst. Er hat sich als Wrestler versucht, zig Mini-Comebacks in drittklassigen Basketballligen gegeben und vier Autobiographien veröffentlicht. Nur seinen Frisuren ist ein eigenes Blog gewidmet. Und auch bei seinem jüngsten Coup, die Gründung einer eigenen Wodka-Marke, "Bad Boy", wirkte er wie eine Witzfigur. 

Dass dieses Label auch praktisch sein kann, weiß Kim Jong Un nur zu gut. Mit seiner Vorliebe für teures Sushi und wilde Trinkgelage, große Reden und Raketen, macht der moppelige milchgesichtige Mann jeden Diktator-Parodisten überflüssig. Selten ist die Welt wirklich brüskiert vom "Irren aus Pjöngjang", meist ist sie mehr oder weniger heimlich amüsiert. Nordkorea gilt bedrückend oft als reine geopolitische Kuriosität wie Kuba. Mit dem Kuschelkurs zu Rodman will sich Kim Jong Un weiter als harmlos stilisieren, während er die von ihm erhofften Reformen verschleppt. Norbert Eschborn, Leiter des koreanischen Auslandsbüros der Konrad-Adenauer-Stiftung in Seoul betont, Rodman stelle Kim Jong Un "als ein ,Kind‘ dar, das seinen Beruf noch erlerne". So werbe der Basketballer um Verständnis für den Diktator.