ZEIT ONLINE: Herr Heller, am vergangenen Wochenende wurde Ihre Gruppierung, die Ultras Braunschweig, beim Auswärtsspiel in Mönchengladbach von anderen Fans quasi aus dem eigenen Fanblock gejagt.

Alex Heller: Richtig, wir wurden geschlagen, getreten, bespuckt, mit Bierbechern beworfen und rassistisch und antisemitisch beleidigt.

ZEIT ONLINE: Am Freitag hat Eintracht Braunschweig ein Stadionverbot nicht etwa gegen die Angreifer, sondern gegen Sie verhängt. Verstehen Sie, warum?

Heller: Nein, ich war schockiert, als ich die Meldung gelesen habe. Für uns ist das einfach nur ein Skandal. Wir hatten eigentlich geglaubt, der Verein würde seine Position uns gegenüber langsam ändern, weil er in der vergangenen Woche eingeräumt hatte, dass es zu Übergriffen und Äußerungen gegen uns kam. Jetzt die Leute rauszuschmeißen, die angegangen wurden, kann ja wohl nicht sein. Damit legitimiert der Verein die Gewalt gegen uns. Und rechte Hooligangruppen denken, Sie könnten mit Gewalt ihre Ziele erreichen.

ZEIT ONLINE: Warum muss Ihre Gruppe sich im eigenen Block vor Gewalt fürchten?

Heller: Das hat eine lange Geschichte. Unsere Gruppe wurde 2001 gegründet. Damals hatte die Gruppe keine Probleme in der Szene, weil sie die Machtstrukturen mit den rechten Hooligans akzeptierte und auch Leute mit rechten Einstellungen Mitglied waren. Es kam dann 2006 zu einem großen Umbruch, von 150 Mitgliedern blieben nur 35 übrig. Es gab damals einen Konflikt mit anderen Fans: Zum einen ging es um die Frage, wie man Eintracht Braunschweig unterstützt. Da haben wir uns als Gruppe auch teilweise nicht korrekt verhalten, das haben wir auch zugegeben. Es gab aber auch eine politische Entwicklung innerhalb der Gruppe hin zu einem antidiskriminierenden Konsens. Dagegen haben rechte Hooligans interveniert. Es kam zu Übergriffen.

ZEIT ONLINE: Und dann?

Heller: Wir haben daraufhin entschieden, die traditionellen Fanbereiche zu verlassen und in einen anderen Block zu gehen. Der Verein hat das erst bewilligt, später aber wieder zurückgenommen. Es gab Rangeleien mit dem Ordnungsdienst, weshalb gegen uns und unsere Sympathisanten mehr als 100 Stadionverbote ausgesprochen wurden.

ZEIT ONLINE: Warum?

Heller: Offiziell wegen Beleidigung des Sicherheitsbeauftragten. Dies
geschah in einer aufgeheizten Grundstimmung, weil wir trotz
gültiger Eintrittskarten nicht in den von uns angepeilten Bereich
gelassen wurden. Aus heutiger Sicht waren die beleidigenden Parolen
nicht akzeptabel und alles andere als klug. Die Verbote waren für ein bis zwei Jahre ausgesprochen, sodass wir bis 2010 nicht im Stadion waren. Während dieser Zeit haben wir uns politisch weiterentwickelt, hin zu einer antifaschistischen Gruppe. Selbst in dieser Zeit, als wir nicht im Stadion waren, gab es Angriffe von rechten Hooligans, sodass wir auch nach Ablauf der Verbote nicht ins Stadion wollten. Wir gingen lieber zu den Wasserballern der Eintracht oder zum Frauen-Handball oder zu B- und A-Jugendspielen.

ZEIT ONLINE: Irgendwann aber wollten Sie wieder ins Stadion.

Heller: Im Oktober vergangenen Jahres haben wir gesagt: So geht es nicht weiter. Und wir waren wieder da. Sicherlich gibt es noch Leute, die sauer sind aufgrund der Konflikte von vor fünf Jahren, aber in erster Linie haben die Leute ein Problem damit, dass wir Probleme der Fanszene thematisiert haben. Zum Beispiel 2012 das Problem mit Rechtsextremen. Seitdem gelten wir als Nestbeschmutzer.

ZEIT ONLINE: Ist die Kurve wirklich so braun?

Heller: Nein, und das finde ich total wichtig: Die Braunschweiger Kurve ist nicht braun. Wir haben nie gesagt, dass da nur Nazis stehen. Das würden wir auch niemals sagen. Weil es nicht stimmt. Aber wir finden, dass es eine beachtlich große Zahl an rechten Hooligans und an Nazis gibt. Leider wissen viel zu wenige Leute über deren Aktivitäten Bescheid.