Manuel Neuer"Ich schnauze nicht"

Er sei keiner, der drauf tritt, wenn jemand am Boden liegt. Manuel Neuer spricht im Tagesspiegel-Interview über die Defensivschwäche der Nationalelf und Pep Guardiola. von Stefan Hermanns und Michael Rosentritt

Frage: Herr Neuer, Sie haben in der vergangenen Spielzeit alle Titel mit den Bayern gewonnen, jetzt auch schon wieder den europäischen Supercup. Besteht da nicht die Gefahr, dass Sie genügsam werden?

Neuer: Sie werden lachen, aber darüber mache ich mir keine großen Gedanken. Ich bin ja zu den Bayern gewechselt, gerade weil ich möglichst viele Titel gewinnen wollte. Dass das schon im zweiten Jahr so funktioniert hat, konnte man nicht voraussehen. Eine gute Mannschaft hatten wir schon im Jahr davor. Dann haben wir uns personell noch einmal so verbessert, dass wir eine gute Mischung hatten und perfekt harmoniert haben. Am Ende hat alles gepasst.

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Frage: Woher nimmt das Team die Motivation?

Neuer: Wenn ein neuer Trainer bei einer erfolgreichen Mannschaft anfängt, wie Pep Guardiola bei den Bayern, dann beginnt vom ersten Tag der Kampf um die Plätze. Bei mir vielleicht nicht unbedingt, aber bei der Klasse, die wir in der Mannschaft haben, geht es darum, wer überhaupt spielen kann und wer nicht. Da kann sich keiner sicher sein. Dadurch ist die Motivation gleich groß, sich positiv zu zeigen.

Frage: Wie ist das bei Ihnen? Sie sind sowohl bei den Bayern als auch in der Nationalmannschaft die klare Nummer eins. Neigt man nicht dazu, im Training mal ein bisschen weniger zu machen?

Neuer: Das ist nicht mein Ding. Man trainiert ja nur für sich selber. Ich bin ein Typ, der immer an sich arbeitet, der nie versucht, es mal ein bisschen ruhiger angehen zu lassen. Ich will mich entwickeln und ans Limit gehen. Das war früher so, und das ist heute immer noch so. So wie man trainiert, so spielt man auch.

Frage: Wie trainiert denn die Nationalmannschaft in dieser Woche vor dem Spiel gegen Österreich: mit einem stärkeren Fokus auf die Defensive?

Neuer: Ja, wir wollen versuchen, aus den beiden Duellen mit Österreich und den Färöern hinten mit einer null rauszugehen. Das ist mein persönliches Ziel und das ist auch das Ziel unserer Defensivspieler.

Frage: Das Thema Defensivarbeit nimmt in der öffentlichen Diskussion großen Raum ein. Tut es das auch im Mannschaftskreis?

Neuer: Wir haben das letzte Spiel …

Frage: … das 3:3 gegen Paraguay

Neuer: … in mehreren Sitzungen noch einmal analysiert. Grundsätzlich ist es unser Ziel, hinten gut zu stehen und möglichst zu null zu spielen. Denn dass wir vorne die Qualität haben, Tore zu erzielen, das wissen wir. Es war in den vergangenen Jahren immer der Fall, dass wir Torchancen kreieren und vorn eiskalt sind.

Frage: Halten Sie die allgemeine Aufregung um die Probleme der deutschen Defensive für überzogen?

Neuer: Wissen Sie, es ärgert uns doch auch, wir reden ja darüber. Sonst wäre es schlecht. Das Thema ist uns ernst und wichtig.

Frage: Ist die Mannschaft lernfähig genug, um es schon am Freitag gegen Österreich (live im ZDF und im Liveblog auf ZEIT ONLINE) deutlich besser zu machen?

Neuer: Schauen Sie sich doch mal an, wie sich die Nationalmannschaft seit 2004 entwickelt hat. Wir haben spieltechnisch enorme Fortschritte gemacht.

Frage: Spüren Sie als Torhüter schon vor einem Spiel, wenn bei der Mannschaft die letzte Bereitschaft zur Defensive fehlt?

Neuer: Nein, das hängt von den ersten Minuten ab: wie man selbst ins Spiel kommt, was der Gegner macht.

Leserkommentare
    • PerpMob
    • 06. September 2013 11:42 Uhr

    Dann muss das ein anderer Manuel Neuer sein als der, der bei Bayern im Tor steht und nach ziemlich jedem Gegentreffer mit der eigenen Hintermannschaft lamentiert.

    • metek
    • 06. September 2013 12:21 Uhr
    2. ja mei

    welcher torhüter regt sich nicht auf nach gegentoren. das muss dann noch lange keine schuldzuweisung sein.

    was mich mehr erschüttert, dass das interview auch in der bravo sport hätte erscheinen können. wenn man mal von diesem pseudo-intellektuellen einschub mit menotti absieht. aber wie zeitgemäß ist menotti? ah ja. genau.

    3 Leserempfehlungen
  1. Bei aller nachträglichen Redigierung ob der Antworten von Neuer - er ist schon recht eloquent in Interviews, auch nach'm Spiel im TV erkennbar.

    Dass der BVB so ähnlich spielt, wie der FCB es tuen soll, ist immerhin nichts gegen Schalke Gesagtes.

    Schön wäre es gewesen, wenn im Interview die Frage gestellt worden wäre, ob Herr Neuer plant, nicht nur das Tor sauber zu halten, sondern auch bei der Bundestagswahl seine Stimme einzubringen.
    Oder: Kann der Kenner der BL, Marcel Koller, die Ösis gut und gefährlich einstellen? Ist Löw noch der richtige Trainer der NM (im Vergleich zu Heynckes, Gladiola oder Klopp)?

    Serverolus: "Ich tippe auf ein 4:0 gegen Österreich gleich... (lacht)."

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