Olympische SpieleTokio richtet Sommerspiele 2020 aus

Japans Hauptstadt hat sich mit der Bewerbung für die Olympischen Spiele 2020 gegen Istanbul und Madrid durchgesetzt. Der Fackellauf soll durch Fukushima führen.

Japans Premierminister Shinzo Abe feiert Tokio als Austragungsort der Olympischen Sommerspiele 2020.

Japans Premierminister Shinzo Abe feiert Tokio als Austragungsort der Olympischen Sommerspiele 2020.  |  © Ian Walton/Getty Images

Tokio richtet die Olympischen Sommerspiele 2020 aus. Das hat das Internationale Olympische Komitee (IOC) am Samstagabend in Buenos Aires bekannt gegeben. Die japanische Hauptstadt setzte sich damit gegen Madrid und Istanbul durch.

Die japanischen Olympia-Macher feierten den zweiten Zuschlag nach 1964 ausgelassen mit "Yokoso Nippon 2020"-Rufen – Willkommen in Japan 2020". Die 35 Millionen Einwohner zählende Metropole setzte sich mit 60 zu 36 Stimmen im Wahlfinale gegen Istanbul durch. "Ich bin überwältigt. Die Freude war größer als bei meinem eigenen Wahlsieg", sagte Premierminister Shinzo Abe, der den IOC-Mitgliedern bei Tokios Abschlusspräsentation versichert hatte, die Probleme in Fukushima seien "unter Kontrolle".

Anzeige

"Ich werde noch heute nach Hause fliegen und mit der Arbeit beginnen", versprach Abe. Das gefährdete Gebiet in Fukushima würde sich auf eine Fläche von 0,3 Quadratkilometern beschränken und die sei abgesichert. Tokios Gouverneur Naoki Inose sagte hinterher, der olympische Fackellauf werde auch durch das betroffene Gebiet führen. 

In der japanischen Hauptstadt brachen die Menschen nach der Bekanntgabe des Ergebnisses in Jubel aus. Rund 1.200 Würdenträger und Athleten versammelten sich und feierten den Erfolg. Tokio ist die fünfte Stadt, die zum zweiten Mal den Zuschlag für die Spiele bekommt. Zum insgesamt vierten Mal finden die Wettkämpfe in Japan statt.

Für Tradition und gegen Aufbruch

"Glückwunsch an Tokio. Wir sind zuversichtlich, dass unsere Freunde ausgezeichnete Spiele ausrichten werden", sagte IOC-Präsident Jacques Rogge bei der Unterzeichnung des Veranstaltervertrages drei Tage vor dem Ende seiner zwölfjährigen Amtszeit. IOC-Vize Thomas Bach sah einen Richtungsentscheid: "Das war eine Grundsatzentscheidung für Tradition und Stabilität und gegen den Aufbruch zu neuen Ufern."

Die Entscheidung war diesmal so knapp wie selten zuvor. Bis zum Schluss hatte sich in dem seit zwei Jahren währenden und viele Millionen verschlingenden Casting keiner der drei Bewerber einen klaren Vorsprung herausarbeiten können. Deshalb hieß es vor der Abstimmung, die Schlusspräsentation, bei der jedes Land in rund 70 Minuten seine Vorzüge herausarbeiten sollte, werde entscheidend sein.

In Tokios Abschlusspräsentation wurde die Schnelllebigkeit der Stadt dargestellt, die den Rahmen für den Sport bilden soll. Im vergangenen Jahr war London Austragungsort, die nächsten Spiele sind 2016 in Rio de Janeiro.

Insgesamt 36 Wettkampfstätten soll es in Tokio 2020 geben. Davon sind 15 bereits vorhanden, 11 Arenen werden noch gebaut. Das IOC bescheinigt Tokio eine "kompakte Konzeption" mit guter Verkehrsinfrastruktur. 85 Prozent der Wettkampfstätten liegen in einem Radius von acht Kilometern zum Olympischen Dorf.

Japan investiert über vier Milliarden Dollar

Für die Organisation wird mit Ausgaben von 3,4 Milliarden Dollar gerechnet, der staatliche Investitionsetat wird mit 4,38 Milliarden Dollar angegeben. Die IOC-Prüfer stufen Tokio als sichere Stadt ein, die auch eine Vielzahl von Baumaßnahmen zur Erdbeben-Vorsorge betreibe. Tokio wird zum zweiten Mal Gastgeber der Olympischen Spiele sein.

Bei ihren Vorträgen hatten sich alle Städte als sichere Lösung verkauft. Die drei anwesenden Premierminister waren vor allem als Krisenmanager gefragt. Japans Shinzo Abe versuchte die 95 abstimmenden Olympier bei der 125. IOC-Vollversammlung zu beruhigen, die jüngsten Probleme in der Atomruine Fukushima hätten keine Negativfolgen für die Kandidatur. Spaniens Mariano Rajoy bemühte sich, Zweifel wegen der Wirtschaftskrise und der hohen Arbeitslosenquote zu zerstreuen. Und Recep Tayyip Erdoğan versicherte allen, die kritische innenpolitische Lage und Nähe zum Bürgerkrieg im benachbarten Syrien stelle keine Bedrohung dar.

Die Wahl bedeutet zudem, dass es weiterhin keine Sommerspiele in einem muslimischen Land geben wird. Der türkische Regierungschef Erdoğan hatte persönlich vor den Delegierten geworben, eine Vergabe der Spiele an Istanbul könne ein Friedenssignal an den gesamten Nahen Osten sein.

Istanbul ist nun ein Favorit für die Ausrichtung der Halbfinals und des Endspiels der Fußball-EM 2020. Der Deutsche Fußball-Bund hatte bereits zuvor angekündigt, falls die Türkei Olympia nicht bekommt, eine deutsche Final-Bewerbung mit München als Spielort zugunsten der Türken zurückziehen zu wollen.

An einer eventuellen Bewerbung Münchens um die Winterspiele 2022 ändert Tokios Sieg nichts.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. Die Strahlenden Sieger von Tokio waren wohl wünschenswerter als die Bombenstimmung in der Türkei.
    Warum nicht Spanien? Bei der Finanzlage waren keine Gratifikationen für verdiente IOC-Mitarbeiter zu erwarten.

    13 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ihre Formulierung entbehrt nicht einer gewissen Komik.

    Allerdings bleibt mir das Lachen im Halse stecken.

    • fx35
    • 07. September 2013 23:42 Uhr

    Meinen Sie Japans Finanzlage sieht soviel besser aus? Seine Wirtschaft marodiert schon seit mehr als zwanzig Jahren.

    Mit dem Argument doch lieber Türkei!

    Die hätten vorher alle ihre Sportstätten abreißen müssen, dann hätte es auch mit der Bewerbung geklappt.

    Das IOC leidet halt unter Gigantomanie. Da müssen halt etliche Milliarden für viel zu große Sportstätten verbaut werden, damit die sich wohlfühlen.
    Zeichen setzen und von Neubau profitieren...

    Mal sehen, wie das mit Tokio so läuft. Auf der einen Seite ist die Metropolregion ja groß genug. Auf der anderen Seite wäre es schon interessant zu wissen, was die Randsportarten der Japaner sind, bei denen solche Sportstätten dann nahezu leer bleiben würden.

    Da erleben wir eine ganz neue Dimension des Dopings.

    Wie war das noch mal bei den Simpsons...?
    "Good Lord (Choke) an A-Bomb"
    "Yarrrg"
    "I'm becoming radioactive!"
    "From this day I will call myself RADIOACTIVE MAN"

    Böse Sache, ein Großereignis von internationaler Bedeutung neben einer unkontrollierten Atomruine zu planen.

    Na, ja...vielleicht ist das ja Ansporn, den Zivilschutz etwas ernster zu nehmen.

    Selten so gelacht. Ein bisschen Sarkasmus muss mal erlaubt sein? Die IOC Funktionäre wissen "am Besten", warum sie so entschieden haben. Neuerdings werden ja auch Fussballweltmeisterschaften auf kleinen Ölplattformen ausgetragen. Warum nicht neben einem undichten Kernkraftwerk wenn genug Kohle fließt.

  2. Jetzt Hamburg - als europäischer Kandidat für Olympia.

    Eine Leserempfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ... werden in die Elbvielharmo-nie integratifiziert.

  3. ... werden in die Elbvielharmo-nie integratifiziert.

    4 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Hamburg"
    • DB11
    • 07. September 2013 22:55 Uhr

    Im Austragungsort Tokio soll es 2020 insgesamt 36 Wettkampfstätten geplant. Davon sind 15 bereits vorhanden, 11 Arenen werden noch gebaut.
    ...
    Das war wohl eine besonders eilige Meldung, was? ;-)

    6 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • PetraK.
    • 08. September 2013 0:03 Uhr

    Entfernt. Bitte äußern Sie sich zum konkreten Inhalt des Artikels. Danke, die Redaktion/ff

    • Sauzahn
    • 07. September 2013 23:05 Uhr
    5. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf überzogene Polemik. Danke, die Redaktion/ff

    Eine Leserempfehlung
  4. Whow, was für eine Menge Geld. Es gibt vermutlich Staatshaushalte, die mit weniger auskommen. Das hätte sich Pierre de Coubertin nicht träumen lassen - wären wohl auch eher Alpträume gewesen. Immerhin funktioniert das mit der Völkerverständigung auf der monetären Ebene, das sportliche Weltverbesserungsidyll war und bleibt Chimäre ...

    5 Leserempfehlungen
    • malox
    • 07. September 2013 23:19 Uhr

    Glückwunsch an Istanbul und Madrid.

    Diesen Höchstwahnsinn bezüglich Geld, Macht und Sicherheitsvorkehrungen wünscht man sich heutzutage keinen Bewohnern einer Stadt mehr - nicht vor, nicht während und auch nicht nach den Spielen.

    7 Leserempfehlungen
  5. Ihre Formulierung entbehrt nicht einer gewissen Komik.

    Allerdings bleibt mir das Lachen im Halse stecken.

    4 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Na dann"

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters, lab
  • Schlagworte Olympische Spiele | Shinzo Abe | IOC | Jacques Rogge | Thomas Bach | Fußball-EM
Service