Bundesliga-Rückschau : Wie Boateng zum King of Kotelett von Schalke wird

Jürgen Klopp versteht Boatengs Wechsel zu Schalke nicht, Dortmund-Fans haben Angst vor prügelnden Polizisten und Paul Breitner widersteht der FDP. Alles zum 4. Spieltag
Kevin Prince Boateng, neue Offensivkraft des FC Schalke 04 © Patrick Stollarz/AFP/Getty Images

Wer spielte wie gegen wen?

Hannover 96 - FSV Mainz 05 4:1
SC Freiburg - FC Bayern München 1:1
FC Schalke 04 - Bayer Leverkusen 2:0
Borussia Mönchengladbach - Werder Bremen 4:1
VfL Wolfsburg - Hertha BSC Berlin 2:0
1.FC Nürnberg - FC Augsburg 0:1
Hamburger SV - Eintracht Braunschweig 4:0
Eintracht Frankfurt - Borussia Dortmund 1:2
VfB Stuttgart - TSG Hoffenheim 6:2

Welches Spiel durften Sie auf keinen Fall verpassen?

Die Hoffenheimer in Stuttgart, die Braunschweiger in Hamburg, die Mainzer in Hannover und die Bremer in Gladbach: Sie alle wurden ohne Spannung vermöbelt. Frankfurt gegen Dortmund war an diesem Wochenende das einzige Spiel zwischen zwei ebenbürtigen Mannschaften, das sich auf einem ordentlichen Niveau zutrug. Entschieden wurde es durch Henrikh Mkhitaryan, den BVB-Neuzugang, der Millionen Euro kostete und doppelt traf. Die Integration der neuen Offensivkräfte gelingt in Dortmund bislang besser als bei den Münchener Bayern. Schon beim ersten Auswärtsspiel war der andere neue, Pierre-Emerick Aubameyang, mit drei Treffern der wichtigste Mann auf dem Platz gewesen. Sehr gut möglich, dass der BVB dank der Verstärkung die Tabellenführung, die er nun schon seit dem zweiten Spieltag innehat, noch für eine ganze Weile behalten wird.

Welches Spiel konnten Sie mit gutem Gewissen verpassen?

Beim 1.FC Nürnberg feierte der FC Augsburg seinen ersten Auswärtssieg seit März. Ob verdient oder unverdient lässt sich kaum beurteilen, weil ein Fußballspiel über weite Strecken nicht stattgefunden hat. Die Partie bereitete dem Zuseher neben Langeweile vor allem Schmerzen: Der auf dem Boden liegende Nürnberger Ginczek bekam den Stollenschuh des Augsburgers Callsen-Bracker ins Gesicht gebohrt. Die Augsburger Ostrzolek und Mölders wurden im Mittelfeld umgesenst, Letzterer prallte gegen die TV-Kamera am Spielfeldrand. Der Nürnberger Pinola flog vom Platz, weil er seinem Gegenspieler auf den Fuß trat, als der Ball schon lange weg war. Bibiana Steinhaus, die vierte Schiedsrichterin, die das Foul bei den Kollegen gepetzt hatte, wurde noch minutenlang bepöbelt. Diese Partie hätte eigentlich erst nach 22 Uhr oder am besten gar nicht ausgestrahlt werden dürfen.

Wer stand im Blickpunkt?

Kevin Prince Boateng ist wieder in der Bundesliga. Also dieser Rowdy, der einst nachts durch die Straßen Berlins zog und Seitenspiegel von den Autos trat, der in der Nationalelf gegen seinen eigenen Bruder antrat, der Michael Ballack in England derart ramponierte, dass dieser nicht bei der WM 2010 teilnehmen konnte, und dessen Körper mit knapp 20 Tattoos gespickt ist: Boateng ist ein Wolf im Wolfspelz, den sich die wenigsten auf Schalke hatten vorstellen können. Vor allem nicht Jürgen Klopp, der ihm umgehend eine SMS der Verständnislosigkeit zukommen ließ:


Vielleicht hatte Klopp auch ein schlechtes Gewissen, weil er Boateng, der in der Rückrunde 2009 beim BVB spielte, nicht mehr haben wollte. Im Anschluss feierte Boateng seinen Durchbruch. Zunächst mit Ghana bei der WM 2010, danach beim AC Mailand. Und er mäßigte sich im Erzeugen von Skandalen, er wolle "jetzt nur noch nach vorne gucken", sagte er am Samstag. Aber der resozialisierte Boateng ist noch immer ein starker Charakter, der die Bundesliga weiter aufwertet. "Er stellt auf dem Platz etwas dar", sagt sein neuer Teamkollege Julian Draxler. So ein Typ hat den Schalkern zuletzt gefehlt. Die Aura des einstigen Leitwolfs Jermaine Jones ist verblasst, Kyriakos Papadopoulos ist seit vielen Monaten außer Gefecht. In Boateng haben die Schalker wieder einen Anführer, jemanden, an dem sie sich aufbäumen können, einen echten King of Kotelett, würde ein politischer TV-Moderator sagen. Sein erster Auftritt beim Heimsieg gegen Leverkusen war bereits vielversprechend, auch auf seine künftigen Gegner wird Boateng furchteinflößend wirken. Jürgen Klopp wird das beim nächsten Derby bemerken.

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Kommentare

28 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Nein, im Gegenteilk. Konkurrenz belebt schließlich das

Geschäft. Was mir jedoch auf die Nerven geht ist die BVB-Propaganda um die "Echte Liebe" und deren Implikation, dass es "Echte Liebe" eben nur beim BVB gibt, was schlicht eine unfassbare Anmaßung ist. Vergleichen Sie das mal mit "Mia san Mia" oder "Més que un club". Letztere beiden Slogans sind bedeutend weniger anmaßend.
Und das Bsp. Klopp zeigt ja, dass diese Propaganda selbst die Mitarbeiter des Vereins zu fressen scheinen.

Echte Liebe

Da steht echte Liebe und nur wenn sie es wirklich wollen, können sie ein "Echt Liebe - exklusiv nur bei Dortmund" drauss machen. Der BVB hat es in den wenigen Jahren so weit gebracht, weil sie sich auch weltweit als Marke etabliert haben. Dieser Slogan umschreibt die Jahre, in denen es wieder aufwärts ging. Die Euphorie und Sympathie für den Verein. Manch ein Konsument schluckt diesen Slogan und kauft sich seine Liebe. Ändert aber nicht daran, dass in dem Verein ein unfassbarer Zusammenhalt zwischen Präsident, Manager, Trainer, Spielern und vor allem den Fans herrscht.

Darf ich nach ihrer "Konfession" fragen?

Welcher Verein? Ich habe das Gefühl, dass dieser Slogan den meisten Leuten scheissegal ist oder das man höchstens drüber lächelt, es sei denn, man kommt aus einem rivalisierenden Lager ;-) Denn ganz ehrlich: Das "mia san mia" hängt mir auch zum Hals raus und auch hier kann man, wenn man es möchte, Überheblichkeit erkennen. Aber ich weiß auch, warum es mir zum Hals raushängt. Das hängt mit dem FCB und seinen Leuten zusammen. Ich verbinde damit: Rummenigge, Hoeneß, Lahm, Ribery, Kroos, Neuer, Breitner und derlei Gestalten. Wäre dies der Slogan von Augsburg, ich fänd ihn nett.

Hach Caesar,

was wäre die Fußballdiskussion ohne Sie langweilig (mir fehlt der General) :) Ich versuch mal emotional zu antworten. Wenn man jemanden in einer Beziehung liebt, die oder derjenige einem die Liebe versichert und dann verlässt, dann ist der Grad der Frustration nur ein Indikator für die Liebe, die vorher herrschte, ergo wurde kaum ein Spieler in Dortmund so geliebt, wie Götze ;)
Zu Neuer? Ich weiß nicht. Wenn einige tausend "Koan Neuer" Plakate hochhalten (wo sind diese Kritiker jetzt eigentlich, nachdem mit Neuer alles gewonnen wurde, was möglich war?) ob das sooo viel besser ist.
Kommen wir aber auf den Punkt. Dortmund hat etwas geschafft, was seit Bayern kaum einem anderen Klub gelungen ist. Eine Gesamtmarketingstrategie, die den Verein, Spieler, Fans, Trainer verbindet und auch vor Misserfolg schützt. Echte Liebe ist die Arbeitsplatzgarantie für die Verantwortlichen, wenn es schlecht läuft, denn die Fans können dann zwar kritisieren, aber der you´ll never walk alone Gedanke steht darüber. Die Marke Bayern ist mia san mia (wurde mir vom Hoffenloher näher erläutert) und ist nicht so arrogant gemeint, wie es von vielen Nicht Bayern interpretiert wird. Es sagt nur etwas über die eigene Mentalität aus und könnte auch "Leben und Leben lassen" bedeuten.
So wie viele in das Mia san Mia zuviel hineininterpretieren, so machen Sie diesen Fehler bei der echten Liebe.
Beide Klubs haben aber, im Gegensatz zu vielen anderen Klubs, ein Bundesweites Profil dadurch gewonnen und geschärft.

Ja ja

Am schönsten find ich am Dortmund International Airport den BVB Devotionalien Automaten. Da steht auch groß "Echte Liebe" drauf.

Aber stimmt schon. Nicht zuviel hineininterpretieren. Und werter Caesar, das müssen wir anerkennen: vom Marketing verstehen die Preussen was.

Der FCB hingegen hat ja schon die Tendenz, sich gerne mal zum Deppen zu machen. Was die neue Auswärts"tracht" eindrucksvoll beweist. Ich hatte hier beim Rückblick schon Schlimmstes erwartet. Wahrscheinlich spart sich die Redaktion das für den ersten echten Auftritt auf.

Schlimmer gehts nimmer. Oder doch: Wahrscheinlich wird es ein großer Renner, das Trikot.

Noch was Inhaltliches: Es geht schon fast über die Kategorie Binsenwahrheit hinaus, dass der BVB seine Neuen besser integriert hat als der FCB. Da sind sie ja auch langwierig verletzt.

OK, und

jetzt nochmal zum Mitschreiben:
Das "echt" in Echte Liebe" impliziert Ihrer Ansicht nach also, dass nur die Liebe beim BVB echt sein soll, die bei anderen Vereinen nicht. OK.
Aber warum ist dann das Motto von Barcelona "mas que un club" für Sie nicht anmaßend? "Alle anderen sind Clubs, wir sind mehr" - ist in etwa die gleiche Aussage. Oder gestattet Barca - impliziert - anderen Clubs, ebenfalls mehr zu sein? Und wenn ja, woher nehmen Sie das Exklusivwissen, dass es bei Barca so, beim BVB aber anders ist (zumal Sie ja nicht zwingend als extrem-BVB verbunden bekannt sind)?
Lassen Sie uns an Ihrer Logik teilhaben. Danke.

PS: Der Trugschluß

ist immer die Außeninterpretation, sei es nun bei "Mehr als ein Klub", "Mia san Mia" "Echte Liebe" nirgends steht etwas von anderen Klubs, sondern es bezeiht sich ausschließlich erstmal nur auf den eigenen Verein. Das andere wird medial gehyped ("ähnlich wie "la bestia negra" "la furia roja" "tiki taka" "blabla"). Ich glaube, es gibt Klubs, die eine Bedeutung über die eigene Stadt heraus haben, (das trifft natürlich auch auf den(!) Arbeiterklub "die Knappen" zu). Diese Markenentwicklung haben übrigens andere Klubs komplett verschlafen, denn wofür steht Hamburg? Wofür Bremen? Freiburg hat zumindest den Status, des "Fußballbiotops" und Braunschweig seit neuestem den des "PissVereins".
Aber wofür steht Wolfsburg, Leverkusen, Augsburg, Hoffenheim etc.?
Ich glaube, dass durch diese zugesprochenen Marken Klubs in der Tat etwas mehr werden können, als nur bloße Fußballklubs. (auch Pauli hat sich in den letzten Jahren zu einer Marke entwickelt "Kiezkicker", mit entsprechenden Attributen. Bei näherer Überlegung gibt es da noch ein paar andere niederklassige Klubs, wie z.B. auch Eisern Union, die roten Teufel).
Ich sehe diese Labels für Vereine und Fans sehr positiv, denn sie schaffen, unabhängig der Marketingstrategie, es Klubs nicht nur auf das simple Spiel zu reduzieren. Negativer Beigeschmack: von einigen Fans, Ultras etc. wird das Ganze dann übertrieben und andere Klubs niedergemacht und das ist eigentlich nicht im Sinne des Erfinders, meine ich.

das war knapp, SteB

ich hub schon zu einer Philippika an.

Im letzten Jahr war ich auch noch Verfechter der Lesart, dass sich "Echte Liebe" eben über die anderen Vereine stellt. Liegt auch recht nahe, wenn man den doch recht inflationären und von mir aus auch mediengehypten Umgang damit sieht.

In dieser Saison sehe ich es deutlich gelassener. Akzeptiert, dass es einfach die tiefe Verbindung zwischen Fan und Verein meint.

Meine letztjährige Interpretation stützt sich dabei auf die scholastische Definition von Wahrheit: "veritas norma sui et falsi est". Daher ist in "Echte Liebe" auch der Bezug zur "falschen Liebe" automatisch mit drin.
Das ist bei "Mia san mia" zum Beispiel nicht so. Das bezieht sich nur auf sich selbst.
In jedem Fall hat die Marketingagentur des BVB einen guten Job gemacht. Es ist eine stimmige, schlüssige und eingängige Markenbildung, an die man am End' sogar selber glauben könnt.

Schönen Gruß.

Da fehlt jede Logik.

Erstens wurde schon Bewiesen das Konkurrenz nicht so belebend ist mehrmals. Wenn Sie natuerlich glauben was man Ihnen auftischt wer ausser sie hat dann Pech?

Und zweitens zeigt das was Sie eingangs sagten nur den echten Charakter von Götze Lewandowski und KPB. Warum machen Sie den BVB und Klopp so an?

Hauptsache man predigt sich selbst jeden Tag hoechste Coolness. Bis es wie bei Hoenness platzt und aus der Predigt ein sozialer mensch zu sein dann etwas anderes dabei herauskommt. Und kommen Sie mir nicht mit Spenden hier und dort. Das ist ein minimum von dem was er vorne Weg durch sein Verhalten eingerissen hat.

Und trotzdem gedenke ich Anfang Dezember diesem Herren. Nur Sie sollten sich selbst ab und an den Spiegel vorsetzen. ;)

Bis zum Saisonende :-)

"Sehr gut möglich, dass der BVB dank der Verstärkung die Tabellenführung, die er nun schon seit dem zweiten Spieltag innehat, noch für eine ganze Weile behalten wird."

Für jeden das Passende im Angebot: Für den BVB die Meisterschaft, für die Bayern den Pokal, für Dortmund die CL und für die Frankfurter die Europa League.

Damit könnte ich gut leben ;-)