Thomas Bach : Dieser IOC-Präsident vermittelt keine Hoffnung

Thomas Bach ist der erste deutsche IOC-Präsident. Kein Anlass zur Hoffnung. Bach steht für die Sinnentleertheit des Sports. Ein Kommentar
Thomas Bach, erster Deutscher auf dem IOC-Thron © Alexander Hassenstein/Getty Images

Erstmals übernimmt ein Deutscher das wichtigste Amt des Weltsports. Erstmals ist ein Deutscher der höchste Olympier, mit großer Mehrheit gewählt. Das ist das Verdienst Thomas Bachs und eine große Anerkennung für ihn und den deutschen Sport. Doch man muss kein Miesmacher sein, um darin wenig Anlass zur Hoffnung zu erkennen. Bislang steht Bach für die Sinnentleertheit des Sports.

Gegen Bach als Reformer sprechen viele Indizien. Er ist ein Schüler des Franco-Anhängers Juan Antonio Samaranch und des ehemaligen Adidas-Chefs Horst Dassler. Beide gelten als Erfinder der Sportkorruption. Bach, der Präsident einer arabisch-deutschen Handelskammer, steht im Verdacht, in erster Linie Wirtschaftsinteressen zu verfolgen. Eine TV-Sendung berichtete sogar von einer angeblichen Manipulation zu seiner aktiven Fechterzeit. Vorwürfe, zu denen sich Bach nicht äußert, stattdessen seinen Anwalt oder seine Mitarbeiter ausputzen lässt.

Wofür das FDP-Mitglied Bach bislang steht: Sport-Business, Karriere, marktkonformer Sport. Bachs Unterstützer wie Angela Merkel, Hans-Peter Friedrich, Sigmar Gabriel oder Franz Beckenbauer sollen mal sagen, was gut an seiner Wahl ist außer seiner Staatsbürgerschaft.

Was ist gut daran, dass ein Deutscher IOC-Präsident ist, den der Spiegel als "Schäferhund" eines Scheichs, seines mächtigen Unterstützers aus Kuwait, beschreibt? Was ist gut daran, dass ein Deutscher IOC-Präsident ist, vor dem jüdische Organisationen warnen?

Der Sport ist keine heile Welt. Wer im IOC nach oben will, der darf machthungrig sein wie Bach. Oder listig wie Bach. Der darf Netzwerke schmieden, fintieren und attackieren. Doch was das IOC vor allem braucht, ist einen, der die vielen großen Krisen des Sports bekämpft: Doping, Korruption, Gigantismus, politischer Missbrauch durch Autokraten. 

Oliver Fritsch

Oliver Fritsch ist Redakteur im Ressort Sport bei ZEIT ONLINE. Seine Profilseite finden Sie hier.

Von Bach ist jedoch wenig bekannt, was die Werte des Sports schützen würde. Keine Widerrede zur Homophobie des nächsten Olympia-Gastgebers Putin ist überliefert, kein kritisches Wort zu Pekings Propaganda-Show vor fünf Jahren. Bachs Bühne ist ohnehin das Hinterzimmer.

Bachs Vorgänger Jacques Rogge war ein Hoffnungsträger, als er vor zwölf Jahren das Amt antrat. Nach dem Skandal um Salt Lake City erneuerte er das IOC. Mit den meisten seiner Ambitionen ist Rogge jedoch am IOC gescheitert – einer vordemokratischen Welt, die vieler Korrekturen bedarf.

Man soll nicht vorfrüh urteilen, aber es spricht wenig dafür, dass solche Korrekturen von Bach ausgehen werden. Bach wird keine großen Hoffnungen enttäuschen, er vermittelt bisher noch keine. Vielleicht ist das sogar eine Chance.

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