NationalmannschaftDFB-Arzt fordert unabhängige Doping-Kontrollen im Fußball

Tim Meyer, Arzt der Nationalelf, wehrt sich gegen den Vorwurf der Doping-Vertuschung. Er fordert unabhängige Kontrollen und beklagt eine hysterische öffentliche Debatte. von Cathrin Gilbert und

Der Mannschaftsarzt der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, Tim Meyer, während einer Pressekonferenz im Sommer 2010 in Südafrika

Der Mannschaftsarzt der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, Tim Meyer, während einer Pressekonferenz im Sommer 2010 in Südafrika  |  © Marcus Brandt, DPA

Der zuletzt kritisierte Arzt der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft, Tim Meyer, wehrt sich im Interview mit der ZEIT gegen den Vorwurf des Vertuschens vom Einsatz von Doping im Profifußball. Er sagt: "Selbstverständlich bringt Doping auch im Fußball etwas." Es bewirke lediglich weniger als in einfach aufgebauten Sportarten im reinen Ausdauer- oder Kraftbereich.

Der 45-Jährige, der nach Einsätzen für die U20-Mannschaft seit dem Jahr 2001 die A-Nationalmannschaft des Deutschen Fußballbundes (DFB) als Sportmediziner begleitet, fordert unabhängige Kontrollen beim DFB und in den Vereinen. "Ich würde das Verhältnis von Wettkampf- zu Trainingskontrollen verschieben." Ein Verhältnis von eins zu eins sei angemessen. Außerdem regt Meyer an, "alle Kontrollen und ihre Auswahl" der Nationalen Anti-Dopingagentur Nada zu übertragen. Meyer fordert eine bessere finanzielle Unterstützung der Nada. "Die Nada sollte von Bund und Ländern vernünftig finanziert werden, um keine Abhängigkeiten von Sponsoren und Verbänden zu haben."

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Meyer, der Medizin und Sport studiert hat und seit 2008 eine Professur für Sport- und Präventivmedizin an der Universität des Saarlandes besetzt, wurde zuletzt öffentlich kritisiert, weil er in einer von ihm im Jahr 2011 veröffentlichen Studie in neun Proben von Profifußballern auffällige Werte entdeckt hatte, welche auf Blutdoping hinweisen könnten, diese Werte aber heruntergespielt haben soll. Der Pharmakologie-Professor Fritz Sörgel attackierte in einem Interview mit der Nürnberger Zeitung DFB-Arzt Meyer scharf: "Als es um die Frage Blutdoping ging, hat der DFB-Arzt Tim Meyer gesagt, dass kein Fußballer Blutdoping mache, Anabolika seien da doch sehr viel geeigneter. Natürlich bringt aber auch Blutdoping etwas." Mit solchen ausgesprochen inkompetenten Aussagen würde Meyer das Misstrauen weiter schüren, so Sörgel.

Als "völligen Unsinn" bezeichnet Meyer diesen Vorwurf: "Kein Mensch, der sich ernsthaft beim DFB mit Doping auseinandersetzt, würde behaupten, Fußball sei gänzlich frei von Doping. Auch ich nicht." Seine Studie habe "mit Dopingforschung nichts zu tun gehabt". Er habe herausfinden wollen, ob sich die Routine-Blutwerte der Spieler während der Saison von denen anderer Menschen unterscheiden. 

Leserkommentare
  1. ...in diesen Millionengeschäft unabhänging?

    Eine Leserempfehlung
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    ... sollte überhaupt ein Interesse daran haben, den ach so sauberen Fußball-Sport erstmalig zu besudeln?

    (aufgedeckte Dopingvergehen im Fußball gabs bisher in Deutschland ja fast nur durch Haarwuchsmittel)

    Ich habe zwar vom Thema Doping keine Ahnung, aber das sollte doch eine ausreichende Qualifizierung sein, die Tests durchzuführen. Wo kann ich mich melden? Ich biete an, zum halben Preis von Fuentes zu arbeiten. Das ist doch für alle Seiten eine echte "Win-WIn-Situation", vor allem deshalb, da ich nie was finden würde. Deal?

  2. ... sollte überhaupt ein Interesse daran haben, den ach so sauberen Fußball-Sport erstmalig zu besudeln?

    (aufgedeckte Dopingvergehen im Fußball gabs bisher in Deutschland ja fast nur durch Haarwuchsmittel)

    Antwort auf "Wer ist..."
  3. Ich habe zwar vom Thema Doping keine Ahnung, aber das sollte doch eine ausreichende Qualifizierung sein, die Tests durchzuführen. Wo kann ich mich melden? Ich biete an, zum halben Preis von Fuentes zu arbeiten. Das ist doch für alle Seiten eine echte "Win-WIn-Situation", vor allem deshalb, da ich nie was finden würde. Deal?

    Antwort auf "Wer ist..."
  4. Also 9 von 4x532, sind tatsächlich nur ca. 0.4237%.
    Was vermutlich heiß, es gibt tatsächlich keum eien Abweichung zu Ottonormalbürger.
    Etwas unklar ist auch, was vollständig anonymisiert heißt. Dies gelt wohl nur für die an die Presse gegebenen Daten, den sonst könnte sich Meyer kaum mit den Spielern/Ärzten in Verbindung setzen.
    Da die Teilnahme vollkommen freiwillig war, hat sie für die Dopingproblematik, so gut wie keine Aussagekraft. Für die Studie, wäre es sogar schlecht gewesen, wenn Doper dabei gewesen wären. Daher ist die Kritik an Meyer tatsächlich unangebracht.
    D.h. eine gwisse Aussagekraft hat sie schon, den nun ist klar, das normale Training verändert die Blutwerte nicht. Wenn nun bei einer späteren Pflichtprüfung was anders rauskommt, kann keiner sagen, das wäre normal und läge am Training.
    Was nun Finanzierung und Unabhänig NADA angeht, schön und gut. Es stände dem Fußballbereich, insbesondere dem Porfibereich aber gut zu Gesicht, wenn man sich als deutlich finanzstärkster Verband an der Finanzierung beteilgen würde.

  5. Das Interview in der Printausgabe, welches dieser Artikel zusammenfasst, fand ich doch sehr verwunderlich. Die Fragen an Herrn Meyer hatten mehr oder minder Stichwortcharakter. Die von Herrn Meyer getätigte Aussage, dass die Werte im Normalbereich gewesen seien, wurde nicht hinterfragt. Dabei wäre dies durchaus zweifelhaft, wenn man berücksichtigt, in welcher Häufung die zweifelhaften Werte auftraten. Diese sollen sich ausschliesslich in den ersten beiden Messungen ergeben haben. Darauf geht Herr Meyer jedoch mit keinem Wort ein. Desweiteren vermisst man eine Nachfrage, warum in anderen Sportarten die genommenen Werte zu Schutzsperren führen, beim Fussball jedoch nicht. Desweiteren bleibt unerwähnt, ob der Durschschnitt der Proben einen im Vergleich zur Gesamtbevölkerung erhöhten Hämokritwert aufweist, oder nicht. Auch wird Herr Meyer nicht direkt mit den Aussagen von Sörgel konfrontiert, es wird auch hier nicht erklärt, ob Herr Meyer irgendwo eine Aussage getätigt hat, nachdem Blutdoping im Fussball nicht vorkomme, oder ob Herr Sörgel das lediglich aus Meyers Umgang mit der Studie geschlossen hat. Weiterhin müsste der freiwillige Charakter der Untersuchung und die wahrscheinliche Folge, dass Fussballer, die Furcht vor einem positiven Test haben, nicht mitmachen werden, erwähnt werden, da dies den Wert von Herrn Meyers Aussage, er hätte keine weiteren Indizien gefunden, nahezu irrelevant macht. Insgesamt ein schwaches Zeugnis für Frau Gilbert und Herrn Schweitzer.

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  • Schlagworte DFB | Fritz Sörgel | Arzt | Blutdoping | Doping | Fußball-Nationalmannschaft
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