Der zuletzt kritisierte Arzt der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft, Tim Meyer, wehrt sich im Interview mit der ZEIT gegen den Vorwurf des Vertuschens vom Einsatz von Doping im Profifußball. Er sagt: "Selbstverständlich bringt Doping auch im Fußball etwas." Es bewirke lediglich weniger als in einfach aufgebauten Sportarten im reinen Ausdauer- oder Kraftbereich.

Der 45-Jährige, der nach Einsätzen für die U20-Mannschaft seit dem Jahr 2001 die A-Nationalmannschaft des Deutschen Fußballbundes (DFB) als Sportmediziner begleitet, fordert unabhängige Kontrollen beim DFB und in den Vereinen. "Ich würde das Verhältnis von Wettkampf- zu Trainingskontrollen verschieben." Ein Verhältnis von eins zu eins sei angemessen. Außerdem regt Meyer an, "alle Kontrollen und ihre Auswahl" der Nationalen Anti-Dopingagentur Nada zu übertragen. Meyer fordert eine bessere finanzielle Unterstützung der Nada. "Die Nada sollte von Bund und Ländern vernünftig finanziert werden, um keine Abhängigkeiten von Sponsoren und Verbänden zu haben."

Meyer, der Medizin und Sport studiert hat und seit 2008 eine Professur für Sport- und Präventivmedizin an der Universität des Saarlandes besetzt, wurde zuletzt öffentlich kritisiert, weil er in einer von ihm im Jahr 2011 veröffentlichen Studie in neun Proben von Profifußballern auffällige Werte entdeckt hatte, welche auf Blutdoping hinweisen könnten, diese Werte aber heruntergespielt haben soll. Der Pharmakologie-Professor Fritz Sörgel attackierte in einem Interview mit der Nürnberger Zeitung DFB-Arzt Meyer scharf: "Als es um die Frage Blutdoping ging, hat der DFB-Arzt Tim Meyer gesagt, dass kein Fußballer Blutdoping mache, Anabolika seien da doch sehr viel geeigneter. Natürlich bringt aber auch Blutdoping etwas." Mit solchen ausgesprochen inkompetenten Aussagen würde Meyer das Misstrauen weiter schüren, so Sörgel.

Als "völligen Unsinn" bezeichnet Meyer diesen Vorwurf: "Kein Mensch, der sich ernsthaft beim DFB mit Doping auseinandersetzt, würde behaupten, Fußball sei gänzlich frei von Doping. Auch ich nicht." Seine Studie habe "mit Dopingforschung nichts zu tun gehabt". Er habe herausfinden wollen, ob sich die Routine-Blutwerte der Spieler während der Saison von denen anderer Menschen unterscheiden.