Sport in den WahlprogrammenPiraten für Pyrotechnik

Auch im neuen Bundestag wird über Sicherheit in Stadien und ein Antidopinggesetz debattiert werden. Was haben die Parteien im Sport geplant? Ein Fünf-Punkte-Vergleich von 

Wahlprogramm der Piraten

Wahlprogramm der Piraten  |  © dpa

Jeder dritte Deutsche ist Mitglied in einem Sportverein. Sport ist die größte Bürgerbewegung Deutschlands. Diese Würdigung steht in den Wahlprogrammen der meisten großen Parteien. In ihnen bringen die Parteien den Stellenwert des Sports unterschiedlich stark zum Ausdruck. Die Alternative für Deutschland hat Sport gar nicht im Wahlprogramm. Linke, FDP und Union widmen ihm jeweils eine Seite, Grüne zwei, Piraten drei und die SPD verfasste gleich ein ganzes Sportprogramm, während Sport in ihrem eigentlichen Wahlprogramm kaum mehr ist als eine Randnotiz. Die folgende Übersicht entstammt den offiziellen Wahlprogrammen der Parteien und dem SPD-Sportprogramm. Alle Parteien hatten zudem die Möglichkeit, Inhalte zu präzisieren oder hinzuzufügen.

Einen Sonderaspekt hat die FDP in ihrem Programm. Die Liberalen betonen, dass der organisierte Sport sich selbst finanzieren muss. Dazu soll vor allem die Vermarktung von Sportveranstaltungen beitragen. Grüne und SPD heben einen anderen Aspekt hervor: Sie wollen sich gezielt dafür einsetzen, dass Randsportarten in öffentlich-rechtlichen Medien präsenter sind und so die "Vielfalt des Sports" abbilden. Die Linke will den Breitensport umstrukturieren und dort angesiedelte Beschäftigungsverhältnisse in den öffentlichen Dienst eingliedern.

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1. Sport als Staatsziel

Staatsziele sind Absichten und Ziele eines Gemeinwesens, die nicht rechtlich eingeklagt werden können. Demokratie-, Rechtsstaats- und Sozialstaatsprinzip sowie Umwelt- und Tierschutz sind in Paragraf 20 und 20a bereits Staatsziele. In ihrem Wahlprogramm hat nur die SPD Sport eigens als Staatsziel aufgeführt. Der Antrag der SPD umfasst einen Satz: "Der Staat schützt und fördert ebenso die Kultur und den Sport." Die Linke und Teile der FDP haben sich zwar bereits für eine Aufnahme des Sports als Staatsziel ausgesprochen, in den Programmen findet sich das jedoch nicht wieder.

2. Doping

Die FDP will die Bestrafung von Dopern auf Wettkampfsperren beschränken und lehnt ein Antidopinggesetz ab, welches Geld- und Gefängnisstrafen umfassen würde. Im Gegensatz dazu fordern Grüne und SPD die Einführung eines Antidopinggesetzes. Die SPD will darüber hinaus Juristen und Polizeibeamte speziell für Doping-Ermittlungen ausbilden.

Vor einigen Wochen hatte CSU-Innenminister Friedrich ein Antidopinggesetz erstmals nicht grundsätzlich abgelehnt. Im zuvor erschienenen Wahlprogramm der Union ist aber nur die Rede davon, dass die Sportverbände in ihrem Kampf gegen Doping durch die Politik unterstützt werden sollen. Die Linke lässt Doping im Wahlprogramm unerwähnt, spricht sich aber im Nachhinein für ein Antidopinggesetz aus. Dieses müsse auch die Pharmaindustrie, den Hauptprofiteur des Dopinggeschäfts, in die Pflicht nehmen.

Die FDP fordert Länder und Privatwirtschaft auf, die Nationale Anti-Doping-Agentur (Nada) finanziell zu tragen, die Union will sie "langfristig sichern", also mit staatlichen Mitteln fördern. Grüne und SPD fordern hingegen eine Agentur, die unabhängig vom Staat ist. Die Finanzierung der Nada ist zurzeit nicht gesichert.

Leserkommentare
    • dp80
    • 19. September 2013 19:55 Uhr

    Sport: Es gibt kein Thema, das unwichtiger für meine Wahlentscheidung sein wird.

    4 Leserempfehlungen
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    • c-r-u-x
    • 19. September 2013 20:59 Uhr

    Ich bezeichne mich als leidenschaftlichen und ehrgeizigen (Freizeit-)Sportler und erachte Sport und körperliche Ertüchtigung als enorm wichtiges kulturelles Gut. Dennoch schließe ich mich meinem Vorkommentator hier voll und ganz an - bislang ist mir kein einziges Wahlkampfthema untergekommen, das meine Wahl weniger beeinflusst hat.

    • c-r-u-x
    • 19. September 2013 20:59 Uhr

    Ich bezeichne mich als leidenschaftlichen und ehrgeizigen (Freizeit-)Sportler und erachte Sport und körperliche Ertüchtigung als enorm wichtiges kulturelles Gut. Dennoch schließe ich mich meinem Vorkommentator hier voll und ganz an - bislang ist mir kein einziges Wahlkampfthema untergekommen, das meine Wahl weniger beeinflusst hat.

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Brot und Spiele"
  1. wenn eine 'Partei' sonst keine Sorgen hat ... Und dann noch so verschroben wie mit dem Pyro-Argument. Das Zeug gehört verboten. Punkt.

    Man wird das Gefühl nicht los, dass die Kerlchen tatsächlich nur weltfremd hinter ihren Notebooks verkümmern. Sieht man ja auf den 'Parteitagen', die eher wie Gamertreffs anmuten.

    Nene Jungs - Ihr mögt es zwar gut meinen, aber für Poltik machen reicht das nicht.

    Eine Leserempfehlung
  2. Gerade wenn man sich das rabiate Vorgehen gegen Fans in Stadien vergegenwärtigt, wird einem mit Befremden klar, dass das Thema Sport nicht vernachlässigt werden sollte. Es erweckt den Eindruck, als seien Stadien für Innenminister Testballons zum Ausloten, wie weitreichend man Überwachung und Gängelung unbescholtener Bürger vorrantreiben kann, ohne damit allzu viel Widerstand zu provozieren.
    Parteien, die vor Entwicklungen wie diesen die Augen verschließen, kann ich nicht ernst nehmen; gerade deshalb auch nicht, weil sich große politische Positionen immer durch weite Teile des gesellschaftlichen Lebens ziehen. Ich kann nicht mir für mehr Demokratie aussprechen, und andererseits dann mit den Schultern zucken, wenn Schüler beklagen, dass sie in ihren Bildungseinrichtungen nix zu melden haben, sondern nur zum Konsumieren verdonnert sind. Ich kann nicht mich für den kleinen Mann aussprechen, aber dann weggucken, wenn auffällt, dass wir nix über die Reichen wissen und das Auswerten von Steuerschlupflöchern zum Volkssport der Oberschicht geworden ist.
    Und genau so kann ich mich auch nicht für Grundrechte stark machen, aber andererseits dann über die Missstände in Stadien hinwegsehen; wer das dennoch tut, erntet damit Abzugspunkte beim Thema "Grundrechte".

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    • lxththf
    • 20. September 2013 1:05 Uhr

    aber leider, so meine Befürchtung vergebens. Was mit dem Sport alles verknüpft ist: Arbeitsplätze, Industrie, Unterhaltung, Sozialisation, Integration, Repression (von staatlicher Seite). Die Haltung einer Partei zum Thema Sport spiegelt viel wieder. Man kann das weiterführen, aber das wäre hier ein Kampf gegen Windmühlen. "Brot und Spiele". Wie sehr ich diese Aussage leidenschaftlich hasse. Nichts könnte ferner von der Wahrheit sein. Wir beschäftigen uns tagtäglich mit Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Tagtäglich wird in diesem Forum intensiv über Gott und die Welt diskutiert und kommt das Thema Sport auf, meint immer wieder jemand auf einem metaphorischen Gaul daherreiten und seine Weisheit "panem et circenses" von oben herab verbreiten zu müssen, auf dass die Sportliebhaber sich ihrer Dummheit und Oberflächlichkeit bewußt werden.
    Und jedesmal stelle ich mir die Frage. Warum verirren sich diese Foristen überhaupt in den Sportteil, wenn sie diese Auffassung vertreten, dass das Volk nur an Brot und Spielen interessiert sei?

    Zum Thema selbst: Gerade der Bereich: Sportstätten ist ein gesellschaftlich brisanter und relevanter, denn Kinder brauchen Beschäftigung und wo geht das besser, als in Sportstädten. Schaut man sich eine Vielzahl von Turnhallen an, zeigt sich häufig bei diesen der Wohlstand einer Stadt.
    In puncto Pyro ist es das selbe leidige Thema. Über Dekaden Gang und Gäbe. Dann kam die WM, ein Wandel der Fankultur und nun ist sie der Inbegriff des Bösen?

    • lxththf
    • 20. September 2013 1:05 Uhr

    aber leider, so meine Befürchtung vergebens. Was mit dem Sport alles verknüpft ist: Arbeitsplätze, Industrie, Unterhaltung, Sozialisation, Integration, Repression (von staatlicher Seite). Die Haltung einer Partei zum Thema Sport spiegelt viel wieder. Man kann das weiterführen, aber das wäre hier ein Kampf gegen Windmühlen. "Brot und Spiele". Wie sehr ich diese Aussage leidenschaftlich hasse. Nichts könnte ferner von der Wahrheit sein. Wir beschäftigen uns tagtäglich mit Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Tagtäglich wird in diesem Forum intensiv über Gott und die Welt diskutiert und kommt das Thema Sport auf, meint immer wieder jemand auf einem metaphorischen Gaul daherreiten und seine Weisheit "panem et circenses" von oben herab verbreiten zu müssen, auf dass die Sportliebhaber sich ihrer Dummheit und Oberflächlichkeit bewußt werden.
    Und jedesmal stelle ich mir die Frage. Warum verirren sich diese Foristen überhaupt in den Sportteil, wenn sie diese Auffassung vertreten, dass das Volk nur an Brot und Spielen interessiert sei?

    Zum Thema selbst: Gerade der Bereich: Sportstätten ist ein gesellschaftlich brisanter und relevanter, denn Kinder brauchen Beschäftigung und wo geht das besser, als in Sportstädten. Schaut man sich eine Vielzahl von Turnhallen an, zeigt sich häufig bei diesen der Wohlstand einer Stadt.
    In puncto Pyro ist es das selbe leidige Thema. Über Dekaden Gang und Gäbe. Dann kam die WM, ein Wandel der Fankultur und nun ist sie der Inbegriff des Bösen?

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  3. ..auch Grüne, SPD und sogar die FDP machen Vorschläge in die richtige Richtung, so kann es nicht weitergehen wie die Staatsmacht Fans behandelt.
    Die Datei Gewalttäter Sport ist nen Witz: wenn sich auf 10 Meter Entfernung Leute prügeln, und die Polizei einschreitet und die Personalien aller aufnimmt, die nicht schnell genug wegkommen, kommt man in diese Datei. Egal ob man was getan hat oder nicht, oder wenn man sogar schlichten wollte.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte FDP | Grüne | SPD | Die Linke | Breitensport | Bundestag
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