Jeder dritte Deutsche ist Mitglied in einem Sportverein. Sport ist die größte Bürgerbewegung Deutschlands. Diese Würdigung steht in den Wahlprogrammen der meisten großen Parteien. In ihnen bringen die Parteien den Stellenwert des Sports unterschiedlich stark zum Ausdruck. Die Alternative für Deutschland hat Sport gar nicht im Wahlprogramm. Linke, FDP und Union widmen ihm jeweils eine Seite, Grüne zwei, Piraten drei und die SPD verfasste gleich ein ganzes Sportprogramm, während Sport in ihrem eigentlichen Wahlprogramm kaum mehr ist als eine Randnotiz. Die folgende Übersicht entstammt den offiziellen Wahlprogrammen der Parteien und dem SPD-Sportprogramm. Alle Parteien hatten zudem die Möglichkeit, Inhalte zu präzisieren oder hinzuzufügen.

Einen Sonderaspekt hat die FDP in ihrem Programm. Die Liberalen betonen, dass der organisierte Sport sich selbst finanzieren muss. Dazu soll vor allem die Vermarktung von Sportveranstaltungen beitragen. Grüne und SPD heben einen anderen Aspekt hervor: Sie wollen sich gezielt dafür einsetzen, dass Randsportarten in öffentlich-rechtlichen Medien präsenter sind und so die "Vielfalt des Sports" abbilden. Die Linke will den Breitensport umstrukturieren und dort angesiedelte Beschäftigungsverhältnisse in den öffentlichen Dienst eingliedern.

1. Sport als Staatsziel

Staatsziele sind Absichten und Ziele eines Gemeinwesens, die nicht rechtlich eingeklagt werden können. Demokratie-, Rechtsstaats- und Sozialstaatsprinzip sowie Umwelt- und Tierschutz sind in Paragraf 20 und 20a bereits Staatsziele. In ihrem Wahlprogramm hat nur die SPD Sport eigens als Staatsziel aufgeführt. Der Antrag der SPD umfasst einen Satz: "Der Staat schützt und fördert ebenso die Kultur und den Sport." Die Linke und Teile der FDP haben sich zwar bereits für eine Aufnahme des Sports als Staatsziel ausgesprochen, in den Programmen findet sich das jedoch nicht wieder.

2. Doping

Die FDP will die Bestrafung von Dopern auf Wettkampfsperren beschränken und lehnt ein Antidopinggesetz ab, welches Geld- und Gefängnisstrafen umfassen würde. Im Gegensatz dazu fordern Grüne und SPD die Einführung eines Antidopinggesetzes. Die SPD will darüber hinaus Juristen und Polizeibeamte speziell für Doping-Ermittlungen ausbilden.

Vor einigen Wochen hatte CSU-Innenminister Friedrich ein Antidopinggesetz erstmals nicht grundsätzlich abgelehnt. Im zuvor erschienenen Wahlprogramm der Union ist aber nur die Rede davon, dass die Sportverbände in ihrem Kampf gegen Doping durch die Politik unterstützt werden sollen. Die Linke lässt Doping im Wahlprogramm unerwähnt, spricht sich aber im Nachhinein für ein Antidopinggesetz aus. Dieses müsse auch die Pharmaindustrie, den Hauptprofiteur des Dopinggeschäfts, in die Pflicht nehmen.

Die FDP fordert Länder und Privatwirtschaft auf, die Nationale Anti-Doping-Agentur (Nada) finanziell zu tragen, die Union will sie "langfristig sichern", also mit staatlichen Mitteln fördern. Grüne und SPD fordern hingegen eine Agentur, die unabhängig vom Staat ist. Die Finanzierung der Nada ist zurzeit nicht gesichert.