Bei einem Heimspiel von Wismut Gera aus der Verbandsliga Thüringen bietet sich ein ungewohntes Bild: Unter den rund 150 Zuschauern auf einem Sportplatz sind mindestens ein Dutzend Kampfsportler, Türstehertypen, die auf einem Fußballplatz wie Fremdkörper wirken, die sich für das Spiel nicht interessieren.

In deren Mitte steht Lars Weber. Auch er ist Kampfsportler, mehrfacher Meister, "unbesiegt im Käfig", wie es in der Szene heißt. Weber, der das Spiel immerhin beiläufig vom Stadioneingang aus beobachtet, ist seit August auch Präsident des Fußballklubs.

Ihn durfte man ungestraft einen Nazi nennen, das ist rechtskräftig. Das sei durch das Recht auf freie Meinungsäußerung gedeckt, heißt es in einem Gerichtsurteil des Oberlandesgerichts Jena von 2009.

Ein Gewerkschafter aus Gera bezeichnete Weber vor sieben Jahren in einem Offenen Fernsehkanal als "Nazi". Daraufhin erhob Weber Schadensersatzklage, er wollte Schmerzensgeld. Das Landgericht Gera wies Weber ab. Er legte Berufung ein, doch auch vor dem Oberlandesgericht scheiterte er. 

Starke rechte Szene in Thüringen

Im Urteil steht, der Begriff "Nazi" sei gerechtfertigt, es sei eine "schlagwortartige Verkürzung für den Umstand, dass Weber mit der rechten Szene in Zusammenhang steht". Das Gericht beruft sich auch auf eine Aussage der Polizei Gera, Weber "sympathisiere mit der rechten Szene".

Nun fragen viele: Darf so jemand Präsident des wichtigsten Fußballvereins der Stadt sein? Es ist ein Amt mit Prestige und Einfluss, der Bürgermeister schüttelt ihm die Hand. Ist Gera ein weiterer Ort, an dem Rechtsextreme im deutschen Fußball wieder ihren Platz finden, wie in Aachen oder Braunschweig?

Sorgen bereitet Webers Wahl den Menschen in Gera auch, weil die rechte Szene dort so stark ist. Regelmäßig finden in der Region Aufmärsche und Festivals statt, etwa das Konzert "Rock für Deutschland". Die NPD hat zwei Sitze im Stadtrat. In Thüringen konnten auch die Rechtsterroristen der NSU abtauchen und fanden viele Unterstützer.

Andreas Schubert, der Vorsitzende der Linken im Stadtverband Gera, sagt: "Es stellen sich eine ganze Reihe an Fragen, unsere Partei wird sich als Teil der Zivilgesellschaft um Aufklärung bemühen." Bernd Stoppe,  Sprecher des Aktionsbündnisses Gera gegen Rechts, sagt: "Über diese Personalie sind wir sehr beunruhigt." Eine Sprecherin von mobit, einem gemeinnützigen Verein zur Stärkung der Demokratie, sagt: "Wir halten ihn als Vorsitzenden von Wismut für nicht tragbar, weil er sich bis heute in extrem rechten Kreisen bewegt."

Lars Weber sagt ZEIT ONLINE über die Einordnung von mobit: "Das ist unbewiesen und menschenverachtend."

Weber sagt, er habe mit Rechtsextremen nichts zu tun. Das glauben nicht alle. Früher war er Vorsitzender des Kampfsportvereins Eastfight. 2005 organisierte er eine Freefight-Veranstaltung (pdf), Fotos davon zeigen einen Athleten, der sich einen Wehrmachtssoldaten tätowieren ließ. Ein Sponsor der Veranstaltung war Last Resort Shop, ein rechter Szeneladen aus Zwickau, den es nicht mehr gibt.