Dortmunds Ko-Trainer Željko Buvač © dpa

Der Fußballverband von Bosnien-Herzegowina hat sich im Jahr 1992 nach der Abspaltung von Jugoslawien gegründet und seither einige Qualifikationen knapp verpasst: zur EM 2004 und zur WM 2006 in den letzten Gruppenspielen, zur WM 2010 und EM 2012 in den Playoffs. Am heutigen Dienstag reichen drei Punkte in Litauen, um den Konkurrenten Griechenland hinter sich zu lassen. Dann könnte Bosnien-Herzegowina erstmals bei einem großen Turnier dabei sein, bei der WM 2014 in Brasilien.

Doch die Freude darüber ist nicht überall in Bosnien-Herzegowina gleich groß. Die Teilrepublik Srpska will mit einem eigenen Team Spiele bestreiten. Wenn die Fifa zustimmt, könnte eine Mannschaft an den Start gehen, die der Kataloniens und des Baskenlandes ähnelt. Das könnte die Gesellschaft weiter spalten.

Die meisten Nationalspieler von Bosnien-Herzegowina wurden als Bosniaken, also bosnische Muslime, während des Bosnienkrieges 1992 bis 1995 von bosnischen Serben und der jugoslawischen Volksarmee vertrieben und verfolgt. Mehr als 97.000 Menschen starben in diesem Krieg, 66 Prozent davon waren Bosniaken.

Noch heute leben viele von ihnen im Ausland. Sejad Salihović zum Beispiel, der für Bosnien-Herzegowina spielt, flüchtete im Alter von sieben Jahren aus Bosnien mit seiner Familie nach Berlin. Ähnlich ist es bei vielen anderen bosnischen Spielern, die heute bei AS Rom, Stoke City oder ebenfalls in der Bundesliga unter Vertrag sind.

Die meisten heutigen bosnischen Nationalspieler stammen aus dem Gebiet der heutigen Republika Srpska. Dort wurden bei sogenannten ethnischen Säuberungen besonders viele Menschen getötet, alleine beim Massaker von Srebrenica waren es bis zu 8.000. Seit dem Dayton-Abkommen im Jahr 1995 besteht Bosnien-Herzegowina faktisch aus zwei Hälften. Das Land wurde nicht regional, sondern ethnisch geteilt. Srpska legt sich im Norden und Osten wie ein durchgebrochenes Hufeisen um die Föderation.

In der Republika Srpska, die 49 Prozent der Fläche ausmacht, leben heute kaum noch Bosniaken und 90 Prozent (bosnische) Serben. Im anderen Landesteil namens Föderation Bosnien und Herzegowina sind 73 Prozent der Einwohner Bosniaken und 22 Prozent Kroaten. Beide Landesteile spielen zwar seit 2002 in einer gemeinsamen Premjer Liga. Doch die Republika Srpska hat einen eigenen Fußballverband, der in Zukunft als solcher Länderspiele austragen will. Den Anfang machen soll ein Freundschaftsspiel gegen Serbien.