Es war ein gezielter Angriff. Nach dem Drittligaspiel MSV Duisburg gegen den 1. FC Saarbrücken warteten nach Aussagen von mehreren unbeteiligten Zeugen rund dreißig Schläger in der Nähe des Stadionparkplatzes auf eine andere Duisburger Fan-Gruppe, die Kohorte. Ohne Ankündigung stürmte gut die Hälfte von ihnen, in Unterzahl, aber in Formation, auf die Mitglieder der Kohorte.

Mit Fäusten schlugen sie ihren Opfern ins Gesicht, traten auch die, die am Boden lagen. Nach gut einer Minute konnte die Polizei unter Einsatz von Tränengas Schlimmeres verhindern. Die Bilanz: ein Rippenanbruch, ein abgebrochener Zahn, einige Prellungen, viele blutige Lippen. Und ein Klima der Angst.

"Ich bin zutiefst erschrocken über die Brutalität", sagt ein Zeuge, der wie alle anderen seinen Namen nicht öffentlich nennen will. Ein zweiter, ein Vater, der seinem kleinen Sohn die Augen zuhielt, sagt: "Seitdem ich das sah, habe ich Angst. Ich weiß nicht, ob ich wieder ins Stadion gehen kann." Ein dritter lief in der Gruppe der Kohorte, gehört aber nicht zu ihr. Er sagt: "Wir wurden zwar während des Spiels gewarnt, und mit Pöbeleien, Bierbecherwürfen oder Schubsereien hatten wir gerechnet, aber nicht mit diesem Ansturm. Die wollten so viele wie möglich schwer verletzen."

Die Attacke ist die Eskalation eines Konflikts, der sich seit etwa zwei Jahren abspielt. Und der sich in einigen deutschen Fan-Szenen beobachten lässt. Er verläuft nach dem gleichen Muster. "Unabhängig von der politischen Dimension – hier prügeln Fans auf Fans eins, die sich zivilcouragiert engagieren", sagt der Fan-Soziologe Gerd Dembowski. Oder knapper: rechts prügelt links.

Der Kampf verläuft hart und kompromisslos, obwohl – oder gerade weil – es sich immer um Fans desselben Vereins handelt. Es geht um die Macht in der Kurve. "In mehr als zehn deutschen Stadien ist seit ein paar Jahren ein Schwenk zu beobachten, dort findet auf unterschiedlichem Niveau eine rechts dominierte Ausdifferenzierung statt", sagt Dembowski.

Teilnehmer beim Hakenkreuz-Cup

Aachen ist das bekannteste Beispiel dieses Rechtsrucks. Dort hat eine Fan-Gruppe eine Ultragruppe so lange traktiert, bis die beschlossen, nicht mehr ins Stadion zu gehen. Braunschweig ist ein zweites Beispiel: Im September griffen Hooligans, fremdenfeindliche Parolen schreiend, die Ultragruppe zweimal im Gladbacher Stadion an.

Das Ganze gleicht einem Rollenspiel mit gleicher Besetzung. Da sind die Rechten. In Aachen findet man in der Karlsbande und deren Umfeld Rechtsextreme und Rechtsoffene. In Duisburg nennen sie sich Division. Mitglieder der Division sollen im Stadion schon den Hitlergruß gezeigt haben, auch den Kühnengruß, eine Abwandlung des Hitlergrußes. Dabei streckt man die Hand nicht aus, sondern spreizt drei Finger, sie ergeben ein W für Widerstand.

Die Division nahm bei einem Karlsruher Fußballturnier teil, das sich Svastika-Cup nennt. Das Symbol Svastika (eigentlich Swastika) ist ein Vorläufer des Hakenkreuzes. Ein Leitspruch der Division ist "Taten statt Worte", man liest ihn in ihren Internet-Publikationen, manchmal auch auf ihren Bannern. Diese Parole ist durch das Bekennervideo der terroristischen Mörder vom NSU bekannt. Die Division hat sich breitgemacht in der Duisburger Kurve. "Sie versuchen, junge Mitglieder anderer Fan-Gruppen politisch zu beeinflussen", sagt ein Duisburger Insider.