ZEIT ONLINE: Herr Hitzlsperger, Sie sind vor einem Monat zurückgetreten. Wie geht es Ihnen?

Thomas Hitzlsperger: Ich spüre jeden Tag: Es war die richtige Entscheidung.

ZEIT ONLINE: Was waren Ihre Gründe?

Hitzlsperger: Da ist vieles zusammengekommen. Der wichtigste Grund: Ich hatte in den vergangenen Jahren mit Verletzungen zu kämpfen. Es wurde immer schwieriger, mich fitzuhalten. Schmerzen bei jeder Bewegung. Ich kann die Stellen, Muskeln und Gelenke gar nicht alle aufzählen. Da war die Spielfreude dahin.

ZEIT ONLINE: Welche Gründe gab es noch?

Hitzlsperger: Zuletzt gab es immer raschere Vereins- und Ortswechsel: Rom, London, Wolfsburg, Liverpool. Es wurde immer schwerer, ein Teamgefühl zu entwickeln. Ich hatte keinen Gegenwert mehr für meine Leistung. Man braucht Beständigkeit und Struktur, wenn man im Hochleistungsbetrieb bestehen muss.

ZEIT ONLINE: Hatten Sie keine guten Angebote mehr?

Hitzlsperger: Doch, auch nach meinem Rücktritt. Aber es gibt keinen Rücktritt vom Rücktritt. Ich bin endlich wieder auf dem Weg zu mir selber. Das ist meine neue Chance.

ZEIT ONLINE: Sie sind erst 31 Jahre alt. Fußballprofi ist ein Traumberuf, um den sie Millionen beneiden. Wollen Sie das nicht ausreizen?

Hitzlsperger: Der Beruf war für mich das Höchste, solange es keine massiven Barrieren gab.
Das Berufsideal wurde am Ende brüchig. Man muss selber fühlen, wann es Zeit ist für eine neue Chance.

ZEIT ONLINE: Welche Reaktionen gab es, was hat Joachim Löw gesagt?

Hitzlsperger: Die meisten Leute haben mit Verständnis reagiert. Manche haben mir Mut attestiert. Andere sagten, dass sie den Schritt für voreilig halten. Meine Familie und Freunde wussten ohnehin schon länger Bescheid. Der Bundestrainer hat gar nichts gesagt.

ZEIT ONLINE: Und jetzt? Was machen Sie den ganzen Tag?

Hitzlsperger: Momentan richte ich meine Wohnung in München ein und sammle alle meine Sachen wieder zusammen – aus Liverpool, Wolfsburg, sogar noch in Stuttgart. Als Profi bekommt man vieles abgenommen, jetzt lege ich selber Hand an. Ansonsten lese ich viel, habe mich für einen Italienischkurs angemeldet und werde viel reisen. Ich bekomme schnell Fernweh.

ZEIT ONLINE: Warum München?

Hitzlsperger: Hier bin ich geboren, hier sind Familie und ein Großteil meiner Freunde, die ich viele Jahre nur selten sehen konnte.

ZEIT ONLINE: Verraten Sie uns bitte Ihre beruflichen Pläne!

Hitzlsperger: Meine Zukunft ist offen, ich lasse alles auf mich zukommen. Es ist ein bisschen wie nach dem Abitur: Jetzt beginnt ein neuer Lebensabschnitt.

ZEIT ONLINE: Eröffnen Sie eine Lottoannahmestelle wie andere Exfußballer?

Hitzlsperger: Danke für den Tipp. Es gab auch Medienangebote, die für mich aber noch zu früh waren. Ich hoffe, dass meine Absage niemanden gekränkt hat. Beruflich kann ich erst mal nur eines ausschließen: Trainer werde ich auf absehbare Zeit nicht.

ZEIT ONLINE: Sie haben ausgesorgt. Sie könnten einfach nichts tun. Beruf: Privatier. Wär das was für Thomas Hitzlsperger?

Hitzlsperger: Nein, das hört sich langweilig an. Da fragen Sie am besten in zwanzig Jahren noch mal.

ZEIT ONLINE: Sie standen im EM-Finale 2008. 2007 schossen sie den VfB Stuttgart mit einem Traumtor zur Meisterschaft. Waren das die Highlights Ihrer Karriere?