Eine Bewerbung für die Olympischen Winterspiele 2022 in Oberbayern ist gescheitert. Bei allen vier Bürgerentscheiden in München, Garmisch-Partenkirchen sowie in den Landkreisen Traunstein und Berchtesgaden stimmte die Bevölkerung gegen eine Bewerbung. Schon ein einziges erfolgreiches Votum hätte ihnen zum Erfolg gereicht.

In München stimmten nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis gut 52 Prozent gegen die Bewerbung, lediglich knapp 48 Prozent waren dafür. Die höchste Abfuhr kassierten die Befürworter ausgerechnet rund um den extra neu hinzugezogenen Wettkampfort Ruhpolding im Landkreis Traunstein mit knapp 60 Prozent. Im Berchtesgadener Land betrug die Ablehnung 54 Prozent, in Garmisch-Partenkirchen gut 51 Prozent. Insgesamt waren 1,3 Millionen Stimmberechtigte in getrennten Bürgerentscheiden zur Wahl aufgerufen gewesen.

Politik und Sport hatten sich im Vorfeld freiwillig verpflichtet, die Bürger über eine Bewerbung entscheiden zu lassen. Nur bei einem eindeutigen Ja in allen vier geplanten Wettkampfregionen sollte diese eingereicht werden.

"Votum ist Zeichen gegen Profitgier"

Der Fraktionsvorsitzende der Grünen im bayerischen Landtag und einer der Wortführer des Bündnisses NOlympia, Ludwig Hartmann, sagte zu dem Entscheid: "Das Votum ist kein Zeichen gegen den Sport, aber gegen die Profitgier des IOC. Ich glaube, in ganz Deutschland sind Olympia-Bewerbungen mit dem heutigen Tag vom Tisch. Zuerst muss sich das IOC ändern. Nicht die Städte müssen sich dem IOC anpassen, sondern umgekehrt." Münchens Oberbürgermeister Ude (SPD) zeigte sich enttäuscht: "Ich bin der Ansicht, dass es nicht am Konzept gelegen hat. Es ist eher eine zunehmend kritische Einstellung von Bevölkerungsteilen gegen Sport-Großereignisse."

Die Abstimmung galt bis zuletzt als völlig offen. Bis kurz vor Ende hatten in der Landeshauptstadt knapp 30 Prozent abgestimmt.

Seit Wochen lieferten sich Befürworter und Gegner der Winterspiele einen intensiven Wahlkampf. Organisiert waren sie in den Vereinen OlympiJa und NOlympia. Für die Spiele sprach sich ein Bündnis aus Sport, Politik und Wirtschaft aus, darunter die Münchener Verkehrsbetriebe, Sky Deutschland, der FC Bayern und auch die Innungen der Metzger und Friseure. 

Die Fraktionschefs von CSU, SPD und Freien Wählern appellierten vor der Wahl gemeinsam an die Olympia-Befürworter, zur Abstimmung zu gehen. Ude beschwor immer wieder die seiner Meinung nach einzigartige Chance, dass München als erste Stadt überhaupt ein halbes Jahrhundert nach den Sommerspielen 1972 auch Gastgeber von Winterspielen werden könnte.

Spiele sollten etwa 3,3 Milliarden Euro kosten

Zu den Gegnern der Spiele gehören neben Bündnis 90/Die Grünen auch Vereine wie die Naturfreunde, der Bayerische BUND und Attac. Zuletzt hatte auch der Deutsche Alpenverein auf seiner Hauptversammlung in Ulm mit großer Mehrheit gegen die Winterspiele 2022 gestimmt. Die Gegner führten als Hauptargumente immer wieder die Eingriffe in die sensible Natur der Alpenregion, "Knebelverträge" mit dem IOC und eine von ihnen befürchtete Kostenexplosion an.

Das sportliche Konzept wurde im Vergleich zur ersten gescheiterten Bewerbung für die Winterspiele 2018 modifiziert. Die Münchener verloren dabei 2011 deutlich gegen die südkoreanische Stadt Pyeongchang. Neu hinzu sollte als vierter Wettkampfort Ruhpolding kommen, wo um Medaillen im Biathlon und Skilanglauf gekämpft werden sollte. Damit hätte sich der Neubau von Wettkampfstätten verringern sollen. Die Kosten der Spiele waren mit 3,3 Milliarden Euro veranschlagt worden, die Bewerbungskampagne mit 29 Millionen Euro.

Die Bewerbungsfrist für die Winterspiele 2022 beim IOC läuft am Donnerstag ab. Nach Münchens Aus gehen nun wohl neben dem klaren Favoriten Oslo noch Peking, Krakau, Almaty in Kasachstan und das ukrainische Lwiw ins Rennen. Das IOC entscheidet über den Ausrichter der Winterspiele 2022 Ende Juli 2015 in Kuala Lumpur.