England – Deutschland 0:1 (0:1)

Zum sechsten Mal in Folge hat die deutsche Fußball-Nationalmannschaft die Engländer im Wembleystadion besiegt. Ersatz-Kapitän Per Mertesacker sorgte mit seinem Kopfball in der 39. Minute für den 1:0 (1:0)-Erfolg des DFB-Teams gegen England. Für Bundestrainer Joachim Löw, der viel mit seinen WM-Kandidaten experimentierte, war es trotz einiger Schwächen ein erfreulicher Abschluss des Länderspieljahres mit insgesamt neun Siegen, zwei Unentschieden und nur einer Niederlage.

Ohne Stammkräfte wie Kapitän Philipp Lahm, Torwart Manuel Neuer, Mesut Özil oder den nach seinem Kreuzbandriss lange fehlenden Sami Khedira setzte Löw auf eine unerfahrene Mannschaft. Arsenal-Verteidiger Mertesacker war im 95. Länderspiel der mit Abstand Erfahrenste und zudem der Einzige im DFB-Team, der schon beim letzten Sieg in Wembley im August 2007 (2:1) dabei gewesen war. Bei nur noch einem Test vor der WM-Nominierung am 5. März in Stuttgart gegen Chile machte der Bundestrainer den Klassiker bewusst zum Experimentierfeld.

Ein halbes Jahr nach dem deutschen Champions-League-Finale zwischen dem FC Bayern und Dortmund war Wembley wieder in deutscher Hand. Löw setzte trotz aller Rotation auch fast paritätisch auf Spieler aus München und Dortmund. Vier Tage vor dem Bundesliga-Spitzenspiel standen drei Bayern- und vier Dortmund-Spieler in der Startelf. Sorgen bereitete den Dortmundern jedoch Mats Hummels, der nur 20 Minuten nach seiner Einwechslung in der zweiten Halbzeit offenbar mit einer Muskelverletzung wieder ausgewechselt werden musste.  

Auf der rechten Seite war der Qualitätsverlust deutlich

Auch wenn Löw nicht von einem B-Team sprechen wollte, wurde schnell deutlich, dass da eine zweite Besetzung auf dem Wembley-Rasen stand. In der Offensive konnten Mario Götze und Marco Reus ihre technische Überlegenheit zu selten nutzen. Vieles wirkte gerade anfangs zaghaft und blieb Stückwerk. Auf der rechten Seite war der Qualitätsverlust deutlich, wo Götze und Heiko Westermann längst nicht das Niveau von Lahm und Thomas Müller erreichen konnten.

Immerhin die Defensive um Mertesacker stand gut, gerade auch Jérôme Boateng agierte routiniert und gewann praktisch jeden Zweikampf – so war Weidenfeller bei seinem Debüt quasi gar nicht gefordert. Zweimal musste der BVB-Schlussmann per Fußabwehr klären.

Die Verantwortung war grundsätzlich neu verteilt im DFB-Ensemble. Toni Kroos war in der zentralen Mittelfeldfunktion eher zurückhaltend. Max Kruse fehlte als einzige Spitze die Bindung zum Spiel. Die Zwillinge Lars und Sven Bender agierten erstmals gemeinsam von Anpfiff an als Doppelsechs mit viel Kampfkraft, das Spiel entwickeln konnten sie aber nicht. Sven Bender gewann aber zahlreiche Zweikämpfe und schloss viele Lücken.

Das Spiel lief lange jenseits des Anspruchs eines Top-Duells zweier Teams mit großen WM-Ambitionen – und dann kam Mertesacker und sorgte für einen großen Glücksmoment. Erst scheiterte er nach einer Ecke per Kopfball noch an Torwart Joe Hart. Nach der nächsten Ecke folgte eine Flanke von Kroos. Die verwandelte der Arsenal-Verteidiger zu seinem vierten Länderspieltreffer per Kopfball.

Townsends Distanzschuss als beste Chance der Engländer

Die Engländer bemühten sich, nicht mit konservativem Konterspiel zu agieren und machten besonders über Townsend Druck. Mehr als einen Kopfball von Wayne Rooney aufs obere Tornetz hatten sie vor der deutschen Führung aber auch nicht produziert. Kurz vor dem Pausenpfiff versuchte sich Steven Gerrard (44.) mit einem starken Distanzschuss, aber auch er verfehlte. Die beste Chance hatten die Engländer nach der Pause, als ein Distanzschuss des besten Engländers, Andros Townsend, in der 57. Minute an den Pfosten flog.

Nach dem Wechsel lief es aber auch bei Götze deutlich besser. Mit einem guten Dribbling spielte er Reus (49.) für eine Chance frei. In der 65. Minute scheiterte Reus per Flachschuss am gut aufgelegten Hart. Löw setzte nun mit Sidney Sam, Julian Draxler und André Schürrle auf schnelle Konterspieler. Gefährliche Angriffe wurden aber kaum noch gesetzt. Das fiel nicht ins Gewicht, denn die Engländer fanden gegen die gute deutsche Defensive kein Mittel.

Statistik und Spielverlauf

England: Hart (Manchester City/26 Jahre/38 Länderspiele) - Walker (Tottenham Hotspur/23/10), Smalling (Manchester United/23/9), Jagielka (FC Everton/31/24), Cole (FC Chelsea/32/106 - 53. Gibbs/FC Arsenal/24/3) - Gerrard (FC Liverpool/33/108 - 56. Henderson/FC Liverpool/23/7), Cleverly (Manchester United/24/13 - 64. Wilshere/FC Arsenal/21/14) - Townsend (Tottenham Hotspur/22/4), Rooney (Manchester United/28/88 - 71. Barkley/FC Everton/19/3), Lallana (FC Southampton/25/2 - 76. Lambert/FC Southampton/31/4) - Sturridge (FC Liverpool/24/9)

Deutschland: Weidenfeller (Borussia Dortmund/33/1) - Westermann (Hamburger SV/30/27 - 67. Draxler/FC Schalke 04/20/10), Boateng (Bayern München/25/36 - 46. Hummels/Borussia Dortmund/24/28 - 65. Höwedes/FC Schalke 04/25/18), Mertesacker (FC Arsenal/29/95), Schmelzer (Borussia Dortmund/25/15 - 46. Jansen/Hamburger SV/28/44) - Sven Bender (Borussia Dortmund/24/7), Lars Bender (Bayer Leverkusen/24/17) - Götze (Bayern München/21/26), Kroos (Bayern München/23/41), Reus (Borussia Dortmund/24/19 - 82. Schürrle/FC Chelsea/23/30) - Kruse (Bor. Mönchengladbach/25/6 - 56. Sam/Bayer Leverkusen/25/5)

Schiedsrichter: Lannoy (Frankreich)

Zuschauer: 85.934 (ausverkauft)

Tor: 0:1 Mertesacker (39.)

Gelbe Karten: - / -

Beste Spieler: Hart, Townsend / Sven Bender, Mertesacker, Boateng