Es wird nicht einfach gewesen sein für Wladimir Putin und seine Olympia-Freunde, sich etwas Neues auszudenken. Das Olympische Feuer flackerte schon auf den höchsten Bergen und über den tiefsten Meeren, es flog mit dem schnellsten Flugzeug und wurde jahrzehntelang recht superlativisch kreuz und quer durch die ganze Welt geschleppt. Die Olympia-Fackel ist mehr herumgekommen als Guido Westerwelle.

Den Russen fiel der Weltraum ein, das ist den großen Putin-Spielen angemessen. Also wurde das Feuer am heutigen Donnerstag von einer olympiabunt beklebten Sojus-Rakete Richtung internationale Raumstation ISS geschickt. Der Clou des Ausflugs soll ein Weltraumspaziergang werden. Galaktisch! Da stört es auch nicht, dass die Flamme aus Sicherheitsgründen während der ganzen Mission nicht entzündet werden darf.

Der Flug des Fackelstumpfs in den Orbit ist der Höhepunkt der olympischen Fackellauf-Idiotie. Es hätte kaum lächerlicher beginnen können. Das Ritual wurde 1936 von den Nazis ersonnen, als Symbol des Friedens. Dann war erstmal Krieg. Doch statt den Fackellauf fortan  abzutun, fand das Internationale Olympische Komitee (IOC) Gefallen daran. Der Lauf wurde institutionalisiert – und zum großen Olympischen Schwanzvergleich. Wer hat den Längsten?

Dabei taten sich besonders die Vertreter jener Regime hervor, die durch sportliches Heldentum von internen Irrungen ablenken wollen: Peking 2008 und Sotschi 2014. Die Russen lassen ihre Fackel derzeit über 65.000 Kilometer durchs ganze Land tragen, im Oktober wurde sie per Eisbrecher zum Nordpol geschifft, bald wird sie auf dem Grund des Baikalsees leuchten. Es sei denn, ihnen fällt ein, dass sie dort aus ganz praktischen Gründen erneut nicht entzündet werden kann.

Andererseits: Schon am ersten Tag erlosch das Feuer, vor den Augen von Wladimir Putin, weil ein Mitarbeiter versehentlich ein Ventil nicht richtig geöffnet haben soll. Möglich, dass auch der bald den Grund des Baikalsees kennenlernt.

Die Chinesen trugen die Fackel 2008 bei ihrer "Reise der Harmonie" sogar über 137.000 Kilometer, durch die ganze Welt, bis hoch auf den Mount Everest. Leider ging es unterwegs nicht so harmonisch zu. Die Fackel war über weite Strecken ihrer Reise kaum zu sehen, weil sie von breitschultrigen Feuerbeschützern eskortiert werden musste. Vor allem in Europa und Nordamerika gab es Menschen, die demonstrierten und der Meinung waren, dass des Fackels’ Friedensbotschaft so gar nicht zur Menschenrechtslage, etwa in Tibet, passen wollte.

Doch bald ist Schluss mit der Angeberei. Wegen der Proteste 2008 entschied das IOC, dass die Fackeln ab 2016 nur noch durchs Gastgeberland getragen werden dürfen. Schon bei den Spielen 2010 und 2012 sah man nur schüchterne Läufe. Auch Sotschi hält sich schon an die neue Regel, hat aber Glück, dass der Nordpol zu Russland gehört. Und der Baikalsee. Und das Weltall.