Die Olympia-Lobby hatte alles versucht: In der Münchner S-Bahn wurde über Lautsprecher Werbung für die Spiele 2022 gemacht. Der FC Bayern ließ eine entsprechende Durchsage durch die am Samstag ausverkaufte Allianz Arena schallen. Und irgendwie schafften es die Münchner Stadtoberen, die für Olympia waren, mit den Wahlunterlagen eine Broschüre an alle Haushalte zu schicken, die ausschließlich die Pro-Argumente aufführte. Sonderlich fair war das nicht.

Umso erstaunlicher, dass die Menschen aus München, Garmisch-Partenkirchen, Traunstein und Berchtesgaden auf die Argumente der weniger mächtigen Olympia-Gegner hörten. Ihre Botschaft hätte eindeutiger nicht sein können: Olympische Spiele? Mit uns nicht!

Dahinter steckt mehr als die Haltung, dass am Liebsten alles so bleiben soll, wie es ist, wie einige bereits verärgert kund taten. Das Wahlergebnis zeigt vielmehr, dass Olympia die Menschen endgültig verloren hat.

Aus den einstmals glanzvollen Olympischen Spielen ist ein Event geworden, mit dem die meisten nichts mehr zu tun haben wollen. Die Leute wenden sich angewidert ab. Es ist nicht das erste Mal, dass sich Bürger gegen Olympische Spiele entscheiden. Auch in St. Moritz und Davos wurden im Frühjahr die Winterspiele 2022 abgelehnt. Und die Wiener stimmten ebenfalls in diesem Jahr mit fast 72 Prozent gegen die Sommerspiele 2028. 

Jetzt also auch die Deutschen. Die Herren des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) dürften einigermaßen schockiert sein. Denn sie sind Schuld an der Glaubwürdigkeitskrise. Sie haben die olympische Idee zu Tode kommerzialisiert. Das IOC steht durch Korruption, Intransparenz, Protzerei und Kuscheleien mit China oder Russland nicht viel besser da als der vielgescholtene Fußballweltverband Fifa. Der hatte beim Confederations Cup im Sommer in Brasilien auf den Deckel bekommen, als Millionen Brasilianer auf die Straße gingen und gegen die WM im kommenden Jahr protestierten.

Wo immer das IOC hinkommt, lässt es sich Steuererleichterungen zusichern, verlangt Markenschutz für Sponsoren, möchte Straßen, Hotels, Flughäfen. Es verdient viel Geld, trägt aber kaum Risiko. Wird es teurer als gedacht, zahlen die Steuerzahler. Die aber machen nicht mehr mit. Nicht einmal in München, das wahrscheinlich die nachhaltigsten Spiele aller Zeiten ausgerichtet hätte. Die Bürger haben entschieden: Die nachhaltigsten Spiele sind die, die nicht stattfinden.

Das muss nicht bedeuten, dass es nie wieder Olympische Spiele in Deutschland geben wird. Aber wenn, dann zu anderen Bedingungen. Das IOC darf nicht als Besatzungsmacht auftreten. Es muss die Gastgeber als Partner anerkennen und den Menschen etwas bieten.

Falls das IOC mal wieder Spiele in demokratischen Ländern, in großen Sportnationen ausrichten will, muss es sein Konzept überdenken. Es sollte wieder ums Laufen, Springen, Werfen gehen, nicht ums Gelddrucken. Oder die Herren aus der Schweiz geben sich damit zufrieden, in Peking, Almaty oder Sotschi zu bleiben. In Ländern, in denen die Menschen gar nicht erst gefragt werden.