Am Ende war es ein versöhnlicher Abschluss dieser Schach-WM. Der junge Herausforderer und neue Champion Magnus Carlsen trennte sich vom neuen Ex-Weltmeister Vishwanathan Anand mit einem Remis.

Beim Stand von 6:3 für Carlsen sah sich Anand vor der unlösbaren Aufgabe, heute und die restlichen beiden Partien zu gewinnen. Wie so oft bei dieser WM schaffte er es auch heute nicht, eine Stellung zu erzielen, die ihm ein Spiel auf Sieg ermöglicht hätte. Vielmehr war er alsbald wiederum zur Passivität verurteilt und erlaubte mit einem Rückzug der im Zentrum bedrohten Dame nach g5 einen Bauernvorstoß nach e5, der die Partie schnell hätte zugunsten des Norwegers entscheiden sollen. Carlsen verpasste allerdings die Gelegenheit, und die Partie fand sich nach einer Abtauschorgie schnell in einem Springerendspiel wieder, in dem nur der Herausforderer noch Gewinnchancen besaß. 

Lange sah es nach einem erneuten norwegischen Triumph aus, aber Carlsen opferte seinen Springer nach dem 46. Zug auf dem falschen Feld, so dass am Ende beide Seiten eine neue Dame umwandeln konnten. Egal, selbst wenn Carlsen auch diese Partie hätte gewinnen können, es wird ihn nicht ärgern. Dieses Remis hat ihm den Weltmeistertitel gebracht.

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Die Ausgangslage:
Neun von zwölf Partien der Schach-WM in Chennai sind gespielt. Magnus Carlsen, der 22-jährige Herausforderer, führt mit 6:3, ein halber Punkt, also ein Remis, und er ist Weltmeister. Dem 43-jährigen (Noch-)Weltmeister Viswanathan Anand muss heute etwas Besonderes einfallen. Er führt die schwarzen Figuren und muss gewinnen.

Die Blogger
Dennes Abel, 24 Jahre, Elo-Zahl: 2427, spielte vor zehn Jahren bei der Junioren-WM U14 unter anderem mit Magnus Carlsen, tritt für die Schachfreunde Berlin in der Bundesliga an, ist amtierender Berliner Blitzschachmeister, Jura-Student und quasi internationaler Meister, nur die Anerkennung der Fide fehlt noch.

Ilja Schneider, 28 Jahre, noch höhere Elo-Zahl, spielt mit Dennes in der Schachbundesliga, bloggte mal für den Schachzoo und wurde wegen seiner überraschenden Spielweise mal als "bester Kaffeehausspieler Deutschlands" bezeichnet.

Steffen Dobbert, 31 Jahre, weiß, dass die Dame beim Schach nicht springen darf, saß in der 2. Klasse in der Grundschule mal neben einem guten Schachspieler und unterstützt Dennes Abel als Laie.

Julian Stahnke, 28 Jahre, Elo-Zahl unbekannt, las die Schachnovelle gleich zwei Mal, will als nächstes Lushins Verteidigung von Nabokov lesen und hat das magische Schachbrett mit den beiden Pfeilen, was Sie hier sehen, mitentwickelt.