Ein Raum im Schlosshotel der sächsischen Stadt Werdau im Jahr 2003. Ein Bodybuilder sitzt auf einem Stuhl, um seine Brust haben die amerikanischen Wissenschaftler einen Gurt gezurrt, seine Finger stecken in Manschetten. Dann beginnen sie mit dem Lügendetektortest: "Ist dein Name Matthias Bekavac?" Ja. "Hast du in den letzten Jahren eine verbotene Substanz eingenommen?" Nein.

Zehn Jahre später im Fitnessstudio einer großen Kette in Köln. Matthias Bekavac, 30 Jahre, sitzt auf einem Höckerchen, neben ihm liegt ein Apfel. Er spricht über seine Anfänge als Bodybuilder, Lügendetektoren und Doping. Er habe mal über Doping nachgedacht, sagt er. Eigentlich möge er den Look der Profis, "mega toll". Aber er habe sich nicht getraut. Und er lehne Doping ab.

Bekavac ist Mitglied der German Natural Bodybuilding & Fitness Federation (GNBF), natural steht für natürlich. Im Oktober hat er bei der Deutschen Meisterschaft Bronze im Schwergewicht gewonnen. Alle Teilnehmer mussten sich einem Lügendetektortest unterziehen, das ist Standard beim GNBF. Der Verband grenzt sich bewusst von der konventionellen, also dopingbelasteten und unnatürlichen Bodybuilding-Szene ab. 

Ist es tragisch oder komisch, dass ein Sport einen separaten Verband für all jene hat, die nicht dopen wollen? Eine eigene Sparte für die Sauberen? Oder ist es einfach nur logisch? Denn die meisten Bodybuilder, die dort antreten, sagen: In den anderen Verbänden hätten wir keine Chance. Sie wollen auch den Ruf des Bodybuildings retten. Sie wollen zeigen: Es geht auch ohne Anabolika und zusätzliches Testosteron. Es geht auch ohne Doping.


Bekavac, ein Student der Physiotherapie, hat sich früh gegen das Testosteron entschieden – und für die Tupperdose. Fast jeden Morgen gegen 7 Uhr packt er seine Tagesrationen ein, bei der Ernährung ist er akribisch. Gerade ist er in der Rückbauphase nach dem Wettkampf, da sind es 2 bis 3 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht. Matthias Bekavac misst 1,83 Meter, im Wettkampf wiegt er 89 Kilogramm, in der sogenannten Off-Season auch mal über 100. Essen nach Zahlen. Auch bei seinem Training folgt er einem Plan, sechs Mal die Woche.

Bekavac trainiert heute seine Armmuskeln. Er sucht nach einer Kurzhantel, 40 Kilogramm, aber die liegt unter einem Paar Turnschuhe. Bekavac fragt nicht, ob der Herr im roten T-Shirt seine Schuhe runternehmen könnte, stattdessen nimmt er die 36 Kilogramm-Hantel.

Die Doper beschimpfen die Nicht-Doper

Vielleicht würde er auffallen, das mag er nicht. Er ist keiner von den großen Jungs, die hier an den Geräten vorbei flanieren, damit jeder die breite Brust sieht. Bekavac würde beim Wettkampf am liebsten die Kür abschaffen, bei der er zur Musik posen muss. Immerhin mit Komplimenten kann er jetzt umgehen.

Aber manchmal wird er im Studio von anderen Bodybuildern beschimpft. Das könne doch nicht sein, ohne Doping. Bekavac vertritt keine militante Haltung wie manch anderer im Verband. Aber ihn ärgert es, wenn er andere im Studio über Doping reden hört. Manchmal erzählen sie von Nebenwirkungen wie Hautausschlag. Aber am liebsten prahlen sie damit, wie viel stärker sie jetzt von den chemischen Zusatzstoffen geworden sind.

Am wenigsten verstehe er, warum manche dopen und trotzdem beim GNBF antreten. "Ich stell mir doch nicht den Pokal mit Natural Bodybuilding auf den Kamin und weiß genau, dass ich bescheiße", sagt er. In diesem Jahr haben das mindestens zwei versucht, das sagen zumindest die Ergebnisse der Lügendetektortests.