Auch Thomas Müller braucht mal wieder eine Herausforderung © Lennart Preiss/Bongarts/Getty Images

Man müsste was mit den Toren machen. Die Bayern könnten zum Beispiel den Bremern aus Solidarität ein zweites dazustellen. Oder man passt die Größe der Gehäuse mithilfe einer Kurbel an Latte und Pfosten an den Etat des Vereins an. Dann zielen die Bayern (geschätzt 140 Millionen) auf ein Schuhschränkchen und die Braunschweiger (15) auf einen Flugzeughangar. Die Dortmunder (68) stünden vor einem Handballtor, aber sie treffen ja ohnehin nichts. 


Irgendwas muss jedenfalls passieren. Mit den Überbayern hält doch sonst keiner mit. Dem BVB ging die Puste aus, für Leverkusen reicht es als Bayern-Verfolger hinten und vorne nicht. Und Gladbach wäre froh über Rang vier. Vom Rest ganz zu schweigen.

Die Hinrunde hat es deutlich gezeigt: Der Abstand zwischen Liga-Oben und -Unten wird immer größer. Der Meister steht schon vor dem Ende der Hinrunde so gut wie fest. Die letzten vier der Tabelle haben gemeinsam weniger Punkte als der FC Bayern. Selbst Uli Hoeneß muss da schlucken und macht sich öffentlich Sorgen über die Spannung der Liga.

Nicht der Beste bekommt das meiste TV-Geld, sondern der Schlechteste

Die Zuschauer reagieren auch. Wenn die Bayern in der Bundesliga oder zur Champions League in der Walachei antreten, füllen sich schon Stunden vorher die Kneipen, selbst in Berlins Hipster-Vierteln. Aber wer interessiert sich noch für Gladbach gegen Stuttgart? Oder Hannover gegen Mainz? Augsburg und Wolfsburg?

Der Kampf gegen den Abstieg, das Rennen um die Europapokalplätze – das sei doch sehr wohl sehr spannend, sagt Christian Seifert. Ja, ja, schon klar. So hätte es der Chef der Deutschen Fußball-Liga gerne. Tatsächlich herrscht Langeweile, weil die Münchner alles abräumen.

Und machen wir uns nichts vor: Der Hauptgrund ist das Geld. Da gilt es anzusetzen. Man könnte zum Beispiel das viele Fernsehgeld mal anders verteilen. Einfach gleichmäßig an alle. So bekommen nicht die reichen Klubs, die sich mit ihren Euros einen guten Tabellenplatz erspielen, noch mehr Geld. Oder noch radikaler, weil Umverteilung politisch en vogue ist: Nicht der Beste bekommt das meiste TV-Geld, sondern der Schlechteste. Also die, die es wirklich brauchen.

Aus dem US-Sport kann man sich das Draft-System zum Vorbild nehmen. Danach räumt man, vereinfacht gesagt, den schwächeren Vereinen ein Erstzugriffsrecht auf die größten Talente ein. Die Aufsteiger bekommen die besten 19-Jährigen, dem FC Bayern blieben nur die Einbeinigen.     

Drei Bayern-Spieler müssen mit verbundenen Augen spielen

Dieses System kann man auch ganz flexibel vor den Spieltagen anwenden: Der Trainer eines Abstiegskandidaten darf zwei Ersatzmänner der Bayern einwechseln, wenn er gegen sie spielt. Oder noch radikaler: Die beiden Trainer wählen vor dem Spiel die Mannschaften. Tipp-Topp, wie in der Schule.


Oder was wäre, wenn der gegnerische Trainer ab sofort drei Bayern-Spieler bestimmen darf, die sich die Augen verbinden müssen? Oder Münchner Tore nur noch zählen, wenn sie mit beiden Füßen geschossen werden. Wenn uns allerdings nicht alles täuscht, erstochert Thomas Müller die Hälfte seiner Treffer ohnehin schon auf diese Art.

Das führt zu einem Problem: Den Bayern ist auch mit den aus dem Kreisliga-Training bekannten Handicap-Spielformen nicht beizukommen. Man darf nur noch mit zwei Kontakten spielen? Wir hören Tiki-Taka-Pep schon lachen. Es zählen nur Kopfballtore? Mario Mandžukić freut sich drauf. Es stehen zusätzlich zwei Tore an den Seitenlinien? Wie gemacht für Bayerns Breitwandfußball.

Aber vielleicht hilft ja die Kollektivvariante. Wenn sie schon zusammen weniger Punkte holen als die Bayern – wieso lässt man nicht Frankfurt, Freiburg, Nürnberg und Braunschweig gemeinsam gegen die Bayern antreten? 44 gegen 11. Dann müsste es doch auch mit den Toren klappen.

Als letzte Alternative bliebe, alle Tore einfach abzubauen. Dann fielen Ergebnisse und Tabellen sicher knapper aus. Nur das Spiel würde an Attraktivität einbüßen. Aber mit den Toren müsste man was machen.