Champions LeagueDie drei Faktoren des Erfolgs

Erstmals stehen vier deutsche Teams im Achtelfinale der Champions League. Die wieder erstarkte Bundesliga hat alles, was im Fußball entscheidend ist. Ein Kommentar von 

Kevin Großkreutz hat mit seinem Last-Minute-Tor die Sache abgerundet: Jetzt stehen alle vier deutsche Teilnehmer im Achtelfinale. Das gab es seit Einführung der Champions League 1992/93 noch nie.

In den siebziger und frühen achtziger Jahren galt die Bundesliga schon einmal als die stärkste Liga der Welt. Zwei Beispiele: Bayern München gewann drei Mal den Europapokal der Landesmeister (1974-76) und das Uefa-Cup-Halbfinale 1980 war eine rein deutsche Angelegenheit. Danach verlor der deutsche Fußball nach und nach an Qualität.

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Vereinfacht gesagt sind drei Faktoren für den Erfolg im Fußball verantwortlich: Geld, Talent, Konzept. In allen drei Bereichen hat der deutsche Fußball in den vergangenen Jahren mehr zugelegt als die internationale Konkurrenz. Die Bundesliga-Vereine haushalten im großen und ganzen solide, nehmen mehr Geld ein als früher, setzen sich auch mal auf dem Transfermarkt gegen die ausländische Konkurrenz durch. Dank Mayer-Vorfelders Nachwuchsreform vor gut zehn Jahren sind deutsche Profis heute auf der ganzen Welt begehrt. In der Bundesliga arbeiten bessere Trainer als früher, Pep Guardiola und Jürgen Klopp vorweg.

Die Nationalelf ist schon länger wieder Weltspitze. Im Mai 2013 erreichten erstmals zwei deutsche Teams das Champions-League-Finale. Dass alle vier Teilnehmer die Gruppenphase in diesem Jahr überstehen, bestätigt den Trend: Auch der deutsche Vereinsfußball ist wiedererstarkt.

Die stärksten von allen sind die Bayern. National sind sie das schon länger, doch viele sehen sie auch als Favoriten der Champions League Titel. Das ist neu. Ihre Serie von zehn Siegen ist Rekord. Erst als alles entschieden war, leisteten sie sich gegen Manchester City eine schlechte Halbzeit (was sie fast den Gruppensieg gekostet hätte).

Auch Dortmund wird in Europa mittlerweile gefürchtet, niemand wünscht sich das Los Borussia. In der Gruppenphase hatte der BVB ein schweres Leben: zwei starke Gegner und viele Verletzte. Der BVB hat sich das Leben auch selbst schwer gemacht, mit vielen Schüssen über und neben das Tor. Doch am Ende steht sogar der Gruppensieg. Und Bayer Leverkusen und Schalke 04 siegten in den entscheidenden Spielen mit einer Nervenstärke, die ihnen nicht alle zugetraut hatten.

Diese Entwicklung geht vor allem auf Kosten der Italiener. In den neunziger Jahren waren sie die Elite. Wer was galt im Weltfußball, wollte nach Italien. Dass Dortmund im Finale 1997 Juventus Turin schlug, war eine Sensation. Heute durchleiden die Italiener eine finanzielle Krise, ihre Stadien sind marode, viele Spieler können sie sich nicht mehr leisten. Ihr Stil, das Abwarten, ist nicht mehr in Mode. Zwei von drei Teams, Juventus Turin und Neapel, sind ausgeschieden. Beide zwar sehr knapp. Doch es hat auch nicht viel gefehlt, und der AC Mailand wäre auch noch rausgeflogen. 

Vor zehn Jahren traf der AC im Finale auf Juventus. Tore fielen übrigens erst im Elfmeterschießen. Heute rechnet mit Mailand so gut wie niemand. Inzwischen hat die Serie A einen Startplatz an die Bundesliga verloren. Es ist ja erst das dritte Mal, dass die Bundesliga vier Mannschaften im Wettbewerb hat.

Das Talent kann sich Italien nicht mehr hinzukaufen, das Geld ist weniger geworden. Und das Konzept? Gute Trainer hat das Land, wie immer. Doch das verbreitete Geschäftsmodell "Reicher Mann hält sich einen Klub" geht nicht mehr auf, die Berlusconis sind weniger, machtloser, ärmer geworden.

Oliver Fritsch
Oliver Fritsch

Oliver Fritsch ist Redakteur im Ressort Sport bei ZEIT ONLINE. Seine Profilseite finden Sie hier.

Auch die öl- und steinreiche Premier League ist nicht mehr die Übermacht von vor gut fünf Jahren, als Chelsea und Manchester United im Endspiel aufeinandertrafen. Zwar schickt England, wie Deutschland, vier Kandidaten in die nächste Runde: Chelsea, Arsenal und die beiden Teams aus Manchester. Geld ist mehr als woanders vorhanden, Talent kauft man sich ein, aber am Konzept mangelt es hier und da. So ist das Pressing, der letzte taktische Schrei im Fußball, in manchem englischen Klub unterentwickelt.

Der stärkste Konkurrent ist nach wie vor Spanien. Die Primera División stellt als einzige drei Gruppensieger: Barcelona, Real Madrid und die starke Elf von Atlético Madrid. Talent und Konzept gibts in großer Menge, Geld auch, zumindest bei Real und Barcelona. Aber der Vorsprung auf die Deutschen ist nicht mehr so groß. Als unschlagbar gilt nicht mal mehr Barça.

Zwar wurden auch die Schwächen der Bundesliga in dieser Vorrunde sichtbar. Leverkusen war gegen Manchester United zwei Mal chancenlos, blamierte sich beim 0:5 im Heimspiel. Und von Schalke ging nie Glanz aus, Chelsea gewann zwei Mal deutlich. Im entscheidenden Spiel gegen Basel leistete der Schiedsrichter so viel Hilfe, dass nun Verschwörungstheorien um Gazprom, Sponsor von Schalke und der Uefa, blühen. Schalke und Leverkusen sind ab dem Achtelfinale Außenseiter, aber auch der BVB wirkte in manchen Partien unreif.

Dennoch, das ist kein Vergleich mit dem blassen Abschneiden manches Bundesligisten in der Vergangenheit. Es ist noch nicht lange her, da schieden Teams aus Hamburg, Wolfsburg, Stuttgart, Leverkusen, sogar auch mal aus München chancenlos aus. In der aktuellen Saison kann man sich sogar eine Wiederholung des Finals von 2013 vorstellen.

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Leserkommentare
  1. Was beklagt sich denn der Putin über den angeblichen Werteverlust bei uns? Der soll sich doch ganz einfach mal den Wert ausrechnen den diese Clubs auf dem Markt haben. Und dann die Spieler und die Geschäfte der Veranstalter, der Sponsoren und Werbeträger... Was da an Werten zusammenkommt. Der soll sich besser mal bedeckt halten

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    • Occam
    • 12. Dezember 2013 15:49 Uhr

    dass das vielleicht im Grunde auch nur auf die europäische Wirtschafts- und Finanzkrise zurückzuführen ist...

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    so sehr der Fußball ein kapitalistisches System ist, ist diese These doch arg denkwürdig. Vielmehr kann aber aus ebendieser Perspektive die Kritik angeübt werden, dass die Spieler mehr und mehr als Roboter-Fußballer ausgebildet werden. In den großen Vereinen bekommen die Jugendspieler bereits täglich Training, Taktiktraining der ersten Mannschaft inklusive, ihnen wird alles für das "normale" Leben gestellt. Mit 18/19 Jahren sind die meisten dann ausgebildete Spieler, die ab fortan 10-12 Kilometer pro Spiel abzuspulen haben, um später als menschliche Ware auf dem Transfermarkt verkauft zu werden. Mit einer satten Entlohnung versteht sich.

  2. >>dass alle vier Teilnehmer die Gruppenphase in diesem Jahr überstehen, bestätigt den Trend: Auch der deutsche Vereinsfußball ist wiedererstarkt.<<

    Leverkusen, Dortmund und Schalke haben sich mit Ach und Krach qualifiziert, Letzgenannten durchaus mittels freundlicher Mithilfe des Schiedsrichtergespanns.
    In Erinnerung sind zudem die üble Prügel, die Schalke und Leverkusen gegen Chelsea und United kassiert haben, zwei Teams, die derzeit in der EPL nun nicht unbedingt den Ton angeben.
    Das obige Argument ist mir da schon deutlichst zu pauschal.

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    etwas darauf ein. Hätte vllt. bis zum Schluss lesen sollen, ehe ich Aufschreie. ;)

    Vier Teams haben sich qualifiziert. Darum ging es, nicht darum ob mit fünfunddreißigeinhalb Punkten Vorsprung oder nicht.

    "Auch der deutsche Vereinsfußball ist wiedererstarkt"
    Das ist eine völlig korrekte Aussage. Der deutsche Vereinsfußball ist stark und darüber hinaus auch vergleichsweise "homemade", wenn man mal die PL oder andere europäische Top-Ligen danebenstellt.

    Klar ist natürlich auch, dass es in der nächsten Runde direkt ein, zwei deutsche Teams rauskegeln kann.

  3. etwas darauf ein. Hätte vllt. bis zum Schluss lesen sollen, ehe ich Aufschreie. ;)

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Kleine Einschränkung:"
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    Ein "noch" streichend und "aufschreien" ist natürlich ein Verb.

  4. 5. Aha...

    Vorab, die Dortmunder Gruppe war deutlich schwerer als die Schalker Gruppe. Aber die Creme de la Creme des europäischen Veinsfußballs beinhaltete sie nicht. Neapel kann ich beim besten Willen nicht einschätzen, aber Arsenal ist nun wirklich alles andere als unschlagbar. Naja, und Marseille, hmm, ich weiß nicht so recht, mit null Punkten die Segel zu streichen, zeugt nicht von Klasse.

    Richtig ist aber, dass die Chancen von Leverkusen und Schalke im Achtelfinale sehr gering sind. Die möglichen Gegner sind schon Extraklasse. Da warten auf die Dortmunder schon deutlich kleinere Kaliber. Obwohl, bei dem Verletzungspech...

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    • lxththf
    • 12. Dezember 2013 16:29 Uhr

    stehen hauptsächlich Bayern und Dortmund im Fokus. Schade eigentlich. Die Arbeit, die Hyypiä in Leverkusen leistet ist tief beeindruckend, denn Leverkusen spielt die beste Hinrunde der Vereinsgeschichte, hat in Dortmund gewonnen, ist im Pokal auf Kurs und ich glaube es gibt genügend CL Klubs, die nicht gegen Leverkusen spielen wollen. Hier kommt aber noch ein Faktor hinzu. Geld. Schalke hat sehr viel Geld für den Kader ausgegeben, in Dortmund spielen die Spieler auch nicht für ein Butterbrot und Reus war kein Schnäppchen. Hier sei nochmal auf Leverkusen verwiesen: http://www.transfermarkt.... Der Klub ist zwar nicht arm, macht aber auch einfach aus begrenzten Mitteln das Optimale.
    Zu den Italienern. So bitter zwar das Ausscheiden auf der einen Seite ist, so sollte man deutlich machen, dass Neapel gegen Dortmund und Arsenal mit jeweils 12 Punkten den kürzeren zog und Juve gegen Istanbul (in einer Gruppe mit Real) den kürzeren zog, also einer Truppe, die stark von den finanziellen Problemen von Inter profitierte und mit Sneijder einen Topspieler verpflichtete und für die eine oder andere Überraschung gut ist. Gradmesser für die Stärke einer Liga ist für mich die EL denn da spielen die Klubs, die nicht Jahr für Jahr an den CL Töpfen der CL hängen und da sind Florenz und Lazio locker durchmarschiert.
    Und nun eine gewagte These. Die italienische Liga würde extrem davon profitieren, eine Weltmeisterschaft auszurichten :D

  5. Ein "noch" streichend und "aufschreien" ist natürlich ein Verb.

    • wadele
    • 12. Dezember 2013 16:06 Uhr

    "So ist das Pressing, der letzte taktische Schrei im Fußball, in manchem englischen Klub unterentwickelt."

    Wer regelmäßig englischen Fussball sieht und die Mentalität auf der Insel schon mal persönlich erlebt hat, der merkt schnell, dass Pressing und Kick&Rush die ersten Tugenden sind, nach denen gespielt wird. Das kann mitunter sehr erfolgreich sein und ist auf jeden Fall oft spektakulär. Leider bisweilen auch zerfahren. Wie auch immer, eine Unterentwicklung kann man eigentlich nicht feststellen.

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  6. solange der Ball rollt, kann uns der Rest egal sein. Hauptsache das Volk hat seine Ablenkung, grölen, saufen. Gefördert auf Kosten anderer Etats, werden Polizeieinsätze und Fernsehübertragungen aus Steuergeldern oder direkt per GEZ-Gebühren von der Allgemeinheit getragen, damit sich Bundes-Jogi, Bayern-Uli und Fifa-Sepp die Taschen voll machen können.
    Erinnert irgendwie an die zweite Hälfte des römischen Reichs (Gott sei Dank nicht so blutig).

    5 Leserempfehlungen
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    • cafbad
    • 12. Dezember 2013 17:45 Uhr

    "Erinnert irgendwie an die zweite Hälfte des römischen Reichs (Gott sei Dank nicht so blutig)."

    Das ist ja eine interessante These. Ein paar Fragen wirft sie allerdings auf:

    1. Wann setzen Sie denn die "zweite Hälfte des römischen Reichs" an?
    2. Und welche Zustände herrschten dort, die heutigen ähnelten?

    • lxththf
    • 12. Dezember 2013 17:56 Uhr

    unsterstelle ich Ihnen absolute Ahnungslosigkeit. Warum? Es beginnt damit (sorry für die vielfache Wiederholung), dass der Staat deutlich mehr einnimmt, als ausgibt. Einnahmen durch den dt. Fußball liegen bei über 1,5 Milliarden, die Ausgaben bei ca. 300 Millionen, ergo profitieren auch solch erleuchtete Gemüter wie Sie vom verhassten Fußball.
    Weiter geht es damit, dass man sich schon die Mühe machen könnte zu Differenzieren zwischen FIFA (Weltverband), UEFA (europäischer Fußballverband), den Landesverbänden, wie dem DFB und natürlich den Vereinen. Hier also Hoeneß, Blatter und Löw in einem Atemzug zu nennen, da bleibt mir nur ein leichtes Kopfschütteln.
    Abgerundet werden pseudointellektuelle Beiträge, wie der Ihre jedoch immer mit dem Vergleich zur römischen Geschichte und da fängt es wirklich ein bisschen an schmerzhaft zu werden, denn ich glaube nicht, dass Sie einen Überblick über den Bildungsgrad von Fußballfans haben (wie wäre es mit einer Studie als Beleg, denn als Intellektueller und besorgter Bürger sollten Ihnen doch die Methoden wissenschaftlichen Arbeitens vertraut sein), aber ich würde mich bereits damit Begnügen, wenn Sie (bitte mit Quellenangaben) schildern, was genau Sie "an die zweite Hälfte des römischen Reichs" erinnert.
    Meine Gegenthese. Viele Fußballfans sind politisch und gesellschaftlich interessiert und dazu noch kritisch. Wie ich das begründen möchte? Nehmen Sie hier die Foristen im Forum? Man liest ihre Beiträge in allen Bereichen von ZO.

    siehe http://de.wikipedia.org/w...
    Die Zeit ist wohl gekennzeichnet durch eine Reduktion der politischen Einflussmöglichkeiten und eine Marginalisierung der einfachen Bevölkerungsschichten.
    Begonnen hat die zweite Hälfte (sicher etwas ungenau) ungefähr mit Augustus also gegen 0. Passt auch gut mit ungefähr 500 Jahren vorher und hinterher.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Bundesliga | Fußball | Borussia Dortmund | Champions League | Gazprom | FC Schalke 04
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