René Adler"Nicht auf Facebook zu sein ist inzwischen cooler"

Mit der Presse redet er gerne, aber nicht über Interna, sagt René Adler. Ein "Alles-außer-Fußball"-Gespräch über Maulwürfe und die Nähe von Fußballern zur "Bild"-Zeitung von 

René Adler (r.) mit Rafael van der Vaart auf einer PR-Veranstaltung des HSV

René Adler (r.) mit Rafael van der Vaart auf einer PR-Veranstaltung des HSV  |  © Christian Augustin/Getty Images Entertainment

ZEIT ONLINE: Herr Adler, in München ärgern sich die Bayern über einen Maulwurf. Warum ist das im Fußball ein Problem?

René Adler: Interna müssen intern bleiben, etwa die Taktik vom nächsten Samstag oder wenn zwei Spieler aneinander gerieten. Es ist sehr wichtig, dass das die Kabine nicht verlässt. Wenn man es doch in der Zeitung liest, gibt das der Mannschaft ein ungutes Gefühl.

Anzeige

ZEIT ONLINE: Was macht das mit einem Trainer, wenn seine Pläne öffentlich werden?

Adler: Das will kein Trainer. Ich finde es richtig, wenn Trainer Verstöße bestrafen. Andererseits, die Presse macht auch nur ihren Job, meistens sogar gut.

Alles außer Fußball

Alles außer Fußball ist die Kolumne von René Adler, Thomas Hitzlsperger und Arne Friedrich. Einmal im Monat geben wir während der Bundesliga-Saison einem das Wort. Sie sollen und wollen nicht das Tagesgeschäft kommentieren, klassische Fußballerkolumnen gibt es genug. Alles außer Fußball ist der Versuch, Fußballer Fußball als gesellschaftliches Phänomen betrachten zu lassen. Hier finden Sie alle Gespräche.

Alles über Fußball

Als Pendant zu den Kolumnengesprächen mit Fußballern sprechen wir in der Serie Alles über Fußball mit einem Prominenten aus Politik, Wirtschaft oder Kultur über ihre Beziehung zum Lieblingssport der Deutschen.

Alle bisherige Interviews u. a. mit Dieter Hildebrandt,Omid Nouripour, Markus Kavka, Franzi van Almsick, Wolfgang Bosbach, Daniel Brühl lesen Sie hier nach.

ALS E-BOOK KAUFEN

Die Gespräche mit den Alles-außer-Fußball-Kolumnisten stehen Ihnen auch als E-Book nach dem Download jederzeit und überall zur Verfügung.

Hier finden Sie das E-Book im ZEIT Shop www.zeit.de/ebooks und hier für Ihren Amazon Kindle.

ZEIT ONLINE: Hat ein Journalist mal versucht, Sie als Informant anzuwerben?

Adler: Nein. Ich mache das ohnehin nicht. Ich habe Grundsätze.

ZEIT ONLINE: Was können Motive eines Spielers sein, Dinge zu verraten? Eine bessere Presse, bessere Noten?

Adler: Das ist vorstellbar. Ich schaue nicht auf Noten.

ZEIT ONLINE: Da wären Sie die Ausnahme.

Adler: Ist aber so. Zeitung lese ich selten, am ehesten den Wirtschaftsteil. Ich kann akzeptieren, wenn ich für schlechte Leistungen schlechte Kritiken erhalte. Ich hab' Verständnis für beide Seiten. Ihr habt auch Druck, Ihr habt Deadlines. Und wenn ich mal lese, dass ich Mist gespielt habe, sage ich mir: Das ist die Meinung eines einzelnen Journalisten.

ZEIT ONLINE: Wenn wir die Rollen tauschten – wie würden Sie ihre jüngsten Leistungen werten?

Adler: Ich bin froh, dass ich das nicht muss. Aber gut, ich sage: Meinem Anspruch genüge ich in dieser Saison nicht immer, momentan brillieren andere.

ZEIT ONLINE: Kann es sein, dass ein Berater hinter dem Leck steckt? Manche sind der Presse einen Gefallen schuldig oder dealen mit ihr, wollen im Gegenzug günstige Transfergerüchte über ihre Klienten streuen lassen. Als die Nationalelf während der EM einen Maulwurf jagte, vermutete der DFB einen Berater.

Adler: Es ist immer denkbar, dass irgendjemand was lanciert. Es kann auch jemand aus dem Umfeld eines Spielers sein, der sich wichtig machen will. Es soll auch schon Verantwortungsträger des Vereins gegeben haben, die dem Boulevard was steckten.

ZEIT ONLINE: Haben Sie schlechte Erfahrung mit Kollegen gemacht?

Adler: In vielen Mannschaften gibt es einen mit einem besseren Draht zur Bild-Zeitung. Aber in meiner Karriere hat das bislang kaum eine Rolle gespielt. Wir beim HSV haben das gut im Griff, hier kommt nichts raus – zumindest, was die Mannschaft betrifft. Ich gebe aber gerne zu: Ich bin bewusst naiv. Das Ganze ist ein Spiel. Und man sollte das alles nicht zu ernst nehmen. Nicht hinter jeder Hecke steht ein Schütze.

ZEIT ONLINE: Wann nicht?

Adler: Es kommt schon mal vor, dass Reporter einen auf dem Weg zum Trainingsplatz ansprechen, auch in heiklen Dingen. Ein junger Spieler kann darauf reinfallen.

ZEIT ONLINE: Irgendwie muss man ja zu seinen Informationen kommen.

Adler: Ich halte das für ein Unding. Beim HSV gibt es klare Regeln: Unser Pressesprecher hält uns zum offenen, respektvollen Umgang mit der Presse an, aber bitte an offiziellen Terminen.

ZEIT ONLINE: Finden Sie öffentliches Training gut?

Leserkommentare
    • Hokan
    • 02. Dezember 2013 16:41 Uhr

    Noch cooler, garnicht auf Facebook gewesen zu sein.

    17 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    kan ich leider nicht mithalten. Aber seit etwa einem halben Jahr bin ich auf jeden Fall auch schon ganz schön cooool. Und fühle mich tatsächlich viel wohler dabei. Die ganzen alten Seilschaften, die man schon vor Jahren hinter sich gelassen hat... Eine Zeitlang war´s ganz lustig, dann dachte ich mir: "Mein Gott, so hast Du den oder die ja damals schon gekannt. Und es hat sich gar nichts verändert..."
    Es mag viele Anwendungen geben im geschäftlichen Bereich, da bin ich mir sogar sicher, dass es die gibt. Aber privat wurde es danach einfach nur langweilig.

  1. kan ich leider nicht mithalten. Aber seit etwa einem halben Jahr bin ich auf jeden Fall auch schon ganz schön cooool. Und fühle mich tatsächlich viel wohler dabei. Die ganzen alten Seilschaften, die man schon vor Jahren hinter sich gelassen hat... Eine Zeitlang war´s ganz lustig, dann dachte ich mir: "Mein Gott, so hast Du den oder die ja damals schon gekannt. Und es hat sich gar nichts verändert..."
    Es mag viele Anwendungen geben im geschäftlichen Bereich, da bin ich mir sogar sicher, dass es die gibt. Aber privat wurde es danach einfach nur langweilig.

    Antwort auf "Unterkühlt"
  2. Alles außer Fußball, oder?
    Oder eher Nix außer Fußball...?
    :)

    5 Leserempfehlungen
    • nero12
    • 02. Dezember 2013 17:42 Uhr

    weil ich diesen Gesellschaftsexhibitionisumus immer abgelehnt habe?

    5 Leserempfehlungen
  3. ...sein Smartphone abzuschaffen und wieder mit einem Tastenhandy zu telefonieren.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ich hab nämlich noch eins da rum liegen. Ein ganz cooles sogar. Ein Siemens ME45. Das Einzige was mir fehlen würde sind die Mails, die ich unterwegs lesen und schreiben kann mit dem Smartphone. Und die zwei Zeitschriften, die ich im Café lesen kann.

    • DDave
    • 02. Dezember 2013 18:59 Uhr

    Also wenn hier die Trendsetter diskutieren, dann muss ich mir ja gar kein neues Handy holen, sondern einfach nur warten, bis es den Backflash zum normalen Handy gibt :)

  4. 6. [...]

    Entfernt, bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/se

    Eine Leserempfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Entfernt, bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/se

  5. Mit Wahlscheibe! Das wird der Trend 2014!

    2 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ;-)

    Großartig - hoffentlich kommt dann auch das iPhone6 mit Wählscheiden-Edition statt Touchscreen - must have!

  6. 8. [...]

    Entfernt, bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/se

    Antwort auf "[...]"

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service