René Adler (r.) mit Rafael van der Vaart auf einer PR-Veranstaltung des HSV © Christian Augustin/Getty Images Entertainment

ZEIT ONLINE: Herr Adler, in München ärgern sich die Bayern über einen Maulwurf. Warum ist das im Fußball ein Problem?

René Adler: Interna müssen intern bleiben, etwa die Taktik vom nächsten Samstag oder wenn zwei Spieler aneinander gerieten. Es ist sehr wichtig, dass das die Kabine nicht verlässt. Wenn man es doch in der Zeitung liest, gibt das der Mannschaft ein ungutes Gefühl.

ZEIT ONLINE: Was macht das mit einem Trainer, wenn seine Pläne öffentlich werden?

Adler: Das will kein Trainer. Ich finde es richtig, wenn Trainer Verstöße bestrafen. Andererseits, die Presse macht auch nur ihren Job, meistens sogar gut.

ZEIT ONLINE: Hat ein Journalist mal versucht, Sie als Informant anzuwerben?

Adler: Nein. Ich mache das ohnehin nicht. Ich habe Grundsätze.

ZEIT ONLINE: Was können Motive eines Spielers sein, Dinge zu verraten? Eine bessere Presse, bessere Noten?

Adler: Das ist vorstellbar. Ich schaue nicht auf Noten.

ZEIT ONLINE: Da wären Sie die Ausnahme.

Adler: Ist aber so. Zeitung lese ich selten, am ehesten den Wirtschaftsteil. Ich kann akzeptieren, wenn ich für schlechte Leistungen schlechte Kritiken erhalte. Ich hab' Verständnis für beide Seiten. Ihr habt auch Druck, Ihr habt Deadlines. Und wenn ich mal lese, dass ich Mist gespielt habe, sage ich mir: Das ist die Meinung eines einzelnen Journalisten.

ZEIT ONLINE: Wenn wir die Rollen tauschten – wie würden Sie ihre jüngsten Leistungen werten?

Adler: Ich bin froh, dass ich das nicht muss. Aber gut, ich sage: Meinem Anspruch genüge ich in dieser Saison nicht immer, momentan brillieren andere.

ZEIT ONLINE: Kann es sein, dass ein Berater hinter dem Leck steckt? Manche sind der Presse einen Gefallen schuldig oder dealen mit ihr, wollen im Gegenzug günstige Transfergerüchte über ihre Klienten streuen lassen. Als die Nationalelf während der EM einen Maulwurf jagte, vermutete der DFB einen Berater.

Adler: Es ist immer denkbar, dass irgendjemand was lanciert. Es kann auch jemand aus dem Umfeld eines Spielers sein, der sich wichtig machen will. Es soll auch schon Verantwortungsträger des Vereins gegeben haben, die dem Boulevard was steckten.

ZEIT ONLINE: Haben Sie schlechte Erfahrung mit Kollegen gemacht?

Adler: In vielen Mannschaften gibt es einen mit einem besseren Draht zur Bild-Zeitung. Aber in meiner Karriere hat das bislang kaum eine Rolle gespielt. Wir beim HSV haben das gut im Griff, hier kommt nichts raus – zumindest, was die Mannschaft betrifft. Ich gebe aber gerne zu: Ich bin bewusst naiv. Das Ganze ist ein Spiel. Und man sollte das alles nicht zu ernst nehmen. Nicht hinter jeder Hecke steht ein Schütze.

ZEIT ONLINE: Wann nicht?

Adler: Es kommt schon mal vor, dass Reporter einen auf dem Weg zum Trainingsplatz ansprechen, auch in heiklen Dingen. Ein junger Spieler kann darauf reinfallen.

ZEIT ONLINE: Irgendwie muss man ja zu seinen Informationen kommen.

Adler: Ich halte das für ein Unding. Beim HSV gibt es klare Regeln: Unser Pressesprecher hält uns zum offenen, respektvollen Umgang mit der Presse an, aber bitte an offiziellen Terminen.

ZEIT ONLINE: Finden Sie öffentliches Training gut?