Arne Friedrich und Thomas Hitzlsperger während eines Bundesligaspiels im September 2011 © Joern Pollex/Bongarts/Getty Images

ZEIT ONLINE: Herr Friedrich ...

Arne Friedrich: … Sie brauchen gar nicht fragen. Natürlich kann es in diesem Alles-Außer-Fußball-Kolumnengespräch nur um Thomas Hitzlsperger gehen.

ZEIT ONLINE: Lassen Sie sich nicht stoppen.

Friedrich: Es gibt im Fußballgeschäft sehr viele Bekannte, aber wenige Freunde. Thomas zähle ich zu meinen Freunden. Ich habe zuletzt vor zwei Tagen mit ihm gesprochen, nichts besonderes. Erst vor einigen Wochen hat er mir von seiner Sexualität erzählt. Dass er sich mit diesem Interview jetzt an die Öffentlichkeit wendet, wusste ich nicht. Seit Mittwoch habe ich selbst enorm viele Medienanfragen und so viele Twitter-Reaktionen wie noch nie bekommen. Das Bedürfnis über Thomas zu reden, scheint sehr groß zu sein. Die Wellen, die das schlägt, sind gewaltig.

Homosexualität - Die Videobotschaft von Thomas Hitzlsperger "Homophobe Leute haben jetzt einen Gegner mehr", sagt der frühere Nationalspieler Thomas Hitzlsperger. In einer Videobotschaft hat er sich zu seinem Coming-out geäußert, die seine Kommunikationsagentur dictum law veröffentlichte.

ZEIT ONLINE: Ist die Aufmerksamkeit gerechtfertigt?

Friedrich: Für mich absolut nicht! Ich hoffe, dass Thomas mit seiner Offenheit dazu beiträgt, dass die Sexualität, egal ob Hetero- oder Homosexualität, eines Menschen im Fußball etwas ganz Normales, nicht Erwähnenswertes wird. Es ist schlicht schlimm, dass so ein Thema im Fußball ein Tabu war – oder ist.

ZEIT ONLINE: Wann wird das Tabu gebrochen werden?

Friedrich: Einen genauen Zeitpunkt kann niemand voraussagen. Thomas hat jetzt eine sehr gute, wichtige, mutige Entscheidung getroffen. Ich unterstütze ihn vollkommen, habe ihm das auch schon mitgeteilt. Gerade als Profifußballer, wenn man ohnehin unter großem Leistungsdruck steht, kann so etwas schwer sein. Thomas ist den richtigen Schritt gegangen, auch der Zeitpunkt ist gut, kurz vor Sotschi. Er hat eine Tür aufgestoßen für viele andere. Auch aktive Fußballer könnten sich nun nach den vielen positiven Reaktionen leichter offen über ihre Sexualität äußern.

ZEIT ONLINE: Sie haben vor Ihrem Karriereende in den USA gespielt. Läuft dort die Debatte anders ab?

Friedrich: Auf jeden Fall. Als ich in Chicago spielte, hat sich der aktive MLS-Spieler Robbie Rogers über seine Homosexualität geäußert. Er hat nur positives Feedback bekommen. In der gesamten Liga wurde es als Normalität betrachtet, dass ein Spieler sich outet.

ZEIT ONLINE: Thomas Hitzlsperger kritisiert im Interview auch Witze und Beleidigungen, die in einer Gruppe von Fußballern ausgesprochen werden. Sie haben mit ihm in der Nationalelf zusammengespielt. Erinnern Sie sich an solche Momente?