Eusébio während eines Europapokalspiels zwischen Benfica Lissabon und dem 1. FC Lok Leipzig am 21.12.1966 © Hanns-Peter Beyer/dpa

Portugals Fußball-Legende Eusébio ist nach Angaben des staatlichen Fernsehsenders RTP und der nationalen Nachrichtenagentur Lusa in der Nacht zum Sonntag im Alter von 71 Jahren gestorben. Der Torschützenkönig der Weltmeisterschaft 1966 in England soll gegen 3.30 Uhr einem Herzstillstand erlegen sein. 

Es ist bald 35 Jahre her, dass Eusébio die Stiefel an den Nagel gehängt hatte. Für viele seiner Landsleute war der frühere Stürmer der beste Fußballer der Geschichte in Portugal.

Portugals Weltstar Cristiano Ronaldo von Real Madrid schrieb auf Facebook: "Immer ewig Eusébio, Ruhe in Frieden." Sein Landsmann Luis Figo würdigte den 64-maligen Nationalspieler auf Twitter. "Der King!! Ein großer Verlust für uns alle! Der Allergrößte!!", schrieb Figo.

"Er war wie von einem anderen Planeten. Ein Außerirdischer", schreibt etwa der portugiesische Journalist Pedro Vasco in einem Buch. Die Sportzeitung Record schrieb anlässlich seines 70. Geburtstages, Eusébio sei ein "Mythos", der das Land "mit Stolz und Freude" erfülle. An seinem Thron könnten weder Ronaldo noch Figo rütteln, hieß es weiter.

Auf dem Feld zeichnete sich der Mann aus Mosambik vor allem durch psychische Stärke, Schnelligkeit und einen starken Schuss aus. "Wenn man Ronaldo und Figo zusammentut, dann ergibt das Eusébio", sagt Journalist Vasco. An die Heldentaten des Stürmers erinnert eine zwei Meter große Bronze-Statue vor Benficas Estadio de Luz in Lissabon.

Torschützenkönig bei der WM 1966 in England

Geboren wurde Eusébio am 25. Januar 1942 in ärmlichen Verhältnissen in Lourenço Marques, dem heutigen Maputo in Mosambik. Ein Talentspäher Benficas hatte ihn bei Sporting Lourenço Marques entdeckt, einer Filiale des Erzrivalen Sporting Lissabon. Damit die Konkurrenz ihn nicht verpflichten konnte, wurde der schüchterne junge Mann 1960 in einer Nacht- und Nebelaktion unter dem Namen "Ruth" nach Lissabon geflogen und vor Vertragsunterzeichnung noch wochenlang versteckt.

Seinen Höhepunkt erlebte Eusébio bei der WM 1966 in England, als er mit neun Treffern Torschützenkönig wurde und Außenseiter Portugal auf den dritten Platz schoss. Damals gewann die Selecção bei ihrer ersten WM-Teilnahme auch gegen Titelverteidiger Brasilien. Legendär ist aber vor allem das Spiel des Teams im Viertelfinale gegen Nordkorea, als die Portugiesen mit vier Eusébio-Toren aus einem 0:3 noch einen 5:3-Sieg machten.

Noch im vergangenen Jahr sagte Eusébio, bei der 1:2-Niederlage gegen den Gastgeber und späteren Weltmeister England sei es nicht mit rechten Dingen zugegangen: "Unser Verband hat damals das Spiel verkauft". Eusébio ging damals unter Tränen vom Platz. 

Elf Meisterschaften, fünf Landespokale und ein Europapokal

In 15 Jahren bei Benfica gewann er elf Meisterschaften, fünfmal den Pokal und einmal auch den Europapokal der Landesmeister. Im Finale 1962 in Amsterdam gegen das damals fast unschlagbare Team von Real Madrid schaffte Eusébio mit zwei Toren an der Seite der Sturmkollegen Mario Coluna und José Augusto Torres den internationalen Durchbruch.

Seine Torquote war aufsehenerregend: Mit der Nationalelf traf der Stürmer in 64 Spielen 41 Mal, im Benfica-Trikot schoss er in 614 Pflichtspielen 638 Tore. Siebenmal wurde er Torschützenkönig in Portugal. 1968 gewann der 1,77-Meter-Mann mit 42 Toren den erstmals vergebenen Goldenen Schuh als bester Torschütze in Europas Ligen. 1973 wiederholte er mit 40 Treffern das Kunststück. 1965 wurde Eusébio außerdem zu Europas Fußballer des Jahres gewählt.

Großen finanziellen Profit schlug Eusébio aus seiner Karriere nicht. Lukrative Angebote aus Italien durfte er nicht annehmen, weil Diktator Salazar Portugals Imageträger nicht verlieren wollte und ein Verkaufsverbot aussprach. "Die Leute in Portugal denken, ich sei reich. Ich lache mich tot", sagte Eusébio. Trost für den entgangenen Gewinn fand Eusébio auf Reisen. "Die Freude, die ich spüre, wenn Kinder mich in Portugal oder Afrika noch heute bejubeln und umarmen, die ist unbezahlbar", sagte er im vergangenen Jahr.