Der ehemalige Nationalspieler Thomas Hitzlsperger hat sich in einer Videobotschaft zu seinem Coming-out geäußert. Er wolle damit jungen Sportlern Mut machen, sagte er. "Junge Fußballer können an meinem Beispiel sehen, dass man sowohl homosexuell, als auch erfolgreicher Profifußballer sein kann", sagte der ehemalige Mittelfeldspieler. Auf die Frage, warum er erst jetzt mit dem Thema in die Öffentlichkeit gegangen ist, antwortete er, dass bei ihm die "Bewusstwerdung länger gedauert hat". Für ihn sei es nie ein Thema gewesen, sich "während meiner aktiven Zeit zu bekennen oder darüber Auskunft zu geben". Erst jetzt sei der richtige Zeitpunkt gekommen: "Ich stehe vor einer neuen Lebensphase."

Homosexualität - Die Videobotschaft von Thomas Hitzlsperger "Homophobe Leute haben jetzt einen Gegner mehr", sagt der frühere Nationalspieler Thomas Hitzlsperger. In einer Videobotschaft hat er sich zu seinem Coming-out geäußert, die seine Kommunikationsagentur dictum law veröffentlichte.

Hitzlsperger sagte, es habe während seiner Zeit als Profi homophobe Äußerungen und Witze über Schwule gegeben. Wenn sie gut waren, habe er auch mitlachen können. "Es ist im Gegensatz zum Rassismus schwieriger zu beurteilen", sagte Hitzlsperger, "beim Rassismus weiß man ganz klar, gegen wen sich der Hass richtet." Beim Fußball gebe es jedoch keine bekannten Homosexuellen. Hitzlsperger sagte, dass er keinen einzigen schwulen Fußballer persönlich kenne.

Auf die Unterschiede zwischen Deutschland und England angesprochen, antwortete der 33-Jährige, dass es in den Kabinen keine Unterschiede gebe. In England werde jedoch in der Presse weniger darüber geschrieben und nach homosexuellen Profis gesucht. "In Deutschland wird dagegen seit vielen Jahren spekuliert", sagte Hitzlsperger.

Über Reaktionen auf sein Coming-out wolle Hitzlsperger nicht spekulieren. "Für meine Familie und mein Umfeld ist es unwichtig, dass ich darüber spreche." Wichtig sei dies nur für "Leute, die homophob sind und andere ausgrenzen aufgrund ihrer Sexualität. Die sollen wissen: Sie haben jetzt einen Gegner mehr", sagte Hitzlsperger.

In einem Interview mit der ZEIT, die am Donnerstag erscheint, hatte sich der Exprofifußballer geoutet: "Ich äußere mich zu meiner Homosexualität, weil ich die Diskussion über Homosexualität unter Profisportlern voranbringen möchte." Der Zeitpunkt sei sowohl vor den Spielen in Sotschi wie auch zum Ende seiner Karriere gut gewählt, sagte Hitzlsperger im Gespräch. 

Respekt aus Politik und Sport

Prominente aus Politik und Sport lobten den Fußballer für seinen Mut und zollten ihm Respekt, unter anderem Bundeskanzlerin Angela Merkel, Fußballprofis wie Lukas Podolski oder auch der DFB-Präsident Wolfgang Niersbach

Hitzlsperger spielte als junger Fußballer für den FC Bayern München, bevor er im Jahr 2000 zum englischen Premier-League-Verein Aston Villa wechselte. Danach war er Kapitän des VfB Stuttgart, spielte bei Lazio Rom in der Serie A und kehrte schließlich zum VfL Wolfsburg und nach Deutschland zurück. 2012 spielte er gegen Ende seiner Karriere noch einmal in der englischen Premier League für den FC Everton. "In England, Deutschland oder Italien ist Homosexualität kein ernsthaftes Thema, nicht in der Kabine jedenfalls", sagte Hitzlsperger.

Im ZEIT-Interview spricht er unter anderem über die Lebensphase, in der seine Homosexualität für ihn selbst zum Thema wurde und über die Reaktionen von Bundestrainer Joachim Löw und dem Teammanager Oliver Bierhoff, nachdem er sie darüber informiert hatte, mit dem Thema an die Öffentlichkeit zu gehen.