Als der DFB-Präsident Wolfgang Niersbach am Mittwoch vor die Kameras trat, versicherte er Thomas Hitzlsperger seine Solidarität: "Thomas Hitzlsperger war immer ein Vorbild, vor dem ich höchsten Respekt hatte. Dieser Respekt ist jetzt weiter gewachsen." Hitzlsperger hatte zuvor seine Homosexualität öffentlich gemacht – nach seinem Karriere-Ende.

Niersbach versprach Hitzlsperger Unterstützung. Er scheint zu wissen, dass im Fußball Schwule und andere Minderheiten nur schwer akzeptiert werden. In diesen Tagen wurde bekannt, dass der DFB-Chefausbilder Frank Wormuth auf einem Trainerlehrgang vor gut einem Jahr einen Behinderten diskriminierend beleidigt hatte.

Der DFB befasst sich seit Jahren mit gesellschaftspolitischen Themen wie Anti-Diskriminierung, Kampf gegen Homophobie und gegen Rassismus. Theo Zwanziger hat ihnen in seiner Zeit als Präsident Gewicht gegeben, externe Experten zu Rate gezogen, die wichtige Kommission Nachhaltigkeit gegründet. Doch was bewirken diese Initiativen? Und wie viel tut der große und reiche Verband heute, wie wird er seiner Verantwortung gegenüber Millionen von Amateur- und Jugendfußballern gerecht?

Mit Zwanziger gingen seine Themen

Kritiker sagen, der DFB tue nicht genug, etwa die Wirtschaftspsychologin Alexandra Hildebrandt. Sie war Mitglied der Kommission Nachhaltigkeit. Dass die Kommission auf dem DFB-Bundestag im vorigen Oktober in viele kleine Unterkommissionen zergliedert wurde, hält Hildebrandt für einen Fehler. "So wird das Thema separiert und isoliert." Nun versickere alles in den Ausschüssen. 

Hildebrandt hält die Entscheidung, die Kommission aufzulösen, auch für eine Entscheidung gegen Zwanziger. "Mit Zwanzigers Weggang haben seine Themen an Gewicht verloren." Niersbachs Aussagen über Hitzlsperger zum Beispiel, sagt Hildebrandt "klangen eher nach Mitleidsbezeugung". Außerdem gehe es nicht um Hitzlsperger, sondern um die, "die sich noch verstecken müssen und jene, für die das Thema noch kein Selbstverständnis ist".

Zwar hat der DFB im vorigen Sommer einen Leitfaden zum Coming-out (pdf) erstellt und an die Vereine gemailt. Doch Hildebrandt hält ihn für halbherzig. Sie vermisst darin "das Commitment des Präsidenten", etwa ein persönliches Vorwort, ein Foto oder eine Unterschrift. Sie sieht darin Indizien für seine Unverbindlichkeit. "Broschüren und wohlmeinende Statements sind schön. Aber Werte müssen gelebt werden", sagt Hildebrandt. Zwanziger, der für sein Engagement intern oft belächelt wurde, besuchte einmal den Christopher Street Day.

Der Sportwissenschaftler Gunter Pilz, Beauftragter des DFB für gesellschaftliche Verantwortung, hingegen sagt, Niersbach arbeite zwar weniger öffentlichkeitswirksam als sein Vorgänger. "Aber er lässt uns machen, das ist vielleicht sogar effektiver." Dass sich Niersbach auf den Profifußball konzentriere, sei kein Nachteil, sagt Pilz. Man dürfe das nicht mit Desinteresse verwechseln. "Zwanziger hingegen hat am Ende seiner Präsidentschaft vergessen, seinen Verband mitzunehmen."