ZEIT ONLINE: Herr Moro, wie gefährlich ist Skifahren?

Franco Moro: Grundsätzlich ist Skifahren nicht gefährlich. Ein Restrisiko gibt es natürlich immer. Und heute muss man ein wenig mehr Vorkehrungen treffen, zum Beispiel einen Helm tragen.

ZEIT ONLINE: Warum?

Moro: Die Leute sind heute schneller unterwegs als früher. Zum einen weil die Skipisten besser präpariert sind. Sie sind heute sehr eben und glatt, weil sie jeden Tag hergerichtet werden. Früher musste man langsamer fahren, weil da mal ein Hügel war oder dort ein Stück unpräparierte Strecke. Außerdem ist das Material, also die Skier, Schuhe und Bindungen, besser geworden.

ZEIT ONLINE: Statistisch gesehen gibt es weniger Skiunfälle. Aber Michael Schumacher liegt nach seinem Sturz im Koma und Angela Merkel braucht Krücken, obwohl sie nur Langlaufen war. Was ist da los?

Moro: Es stürzt halt immer wieder mal jemand. Oft genügt ein kleiner Ausrutscher oder ein Gleichgewichtsverlust, und wenn man dann unglücklich hinfällt, kann was passieren. Michael Schumacher hatte riesengroßes Pech, dass er einen Felsen unter dem Schnee übersehen hat und mit dem Kopf auf einen anderen Felsen gefallen ist.

ZEIT ONLINE: Er trug sogar einen Helm.

Moro: Den gab es früher ja nicht mal. Früher war man mit Helm ein Exot. Heute ist ein Exot, wer keinen Helm trägt. Aber: Der Helm verleiht zwar Sicherheit, einige gehen wegen des Helms aber auch ein höheres Risiko ein.

ZEIT ONLINE: Ist der Sturz von Michael Schumacher bei Ihnen in der Schule Thema?

Moro: Ja, weil es Michael Schumacher ist. Weil er im Formel-1-Auto sicherlich einige Unfälle hatte, bei denen viel hätte passieren können, und dann geschieht ihm so etwas Schlimmes bei einer so banalen Sache wie Skifahren. Für den Skisport ist seine Verletzung sicher nicht gut. Für Leute, die etwas weiter weg sind, bekommt Skilaufen diesen gefährlichen Touch. Ich kenne die Zahlen nicht, aber ich sage einfach mal: Skilaufen ist nicht gefährlicher als Radfahren. Ich bin überzeugt, es passieren mehr Unfälle auf dem Fahrrad als auf Skiern.

ZEIT ONLINE: Kann eigentlich jeder Ski fahren?

Moro: Ja. Wir haben hier auch viele Menschen, die sonst sehr weit weg vom Schnee sind, bei denen man sich eigentlich kaum vorstellen kann, dass sie Skifahren lernen. Zum Beispiel arabische Prinzen und Prinzessinnen mit Bodyguards. Für sie ist Schnee ungewohnt. Aber auch die schaffen es.

ZEIT ONLINE: Eine gewisse Fitness schadet nicht, oder?

Moro: Fitness ist von Vorteil. Skifahren ist eine Sportart, die mit Gleichgewicht zu tun hat, vor allem, wenn man das erste Mal auf Skiern steht. Allein die ersten paar Schritte in Skischuhen laufen einige schon wie halbe Marsmenschen. Sportliche bewegen sich darin schneller und einfacher und lernen schneller. Irgendwann spielt auch die Kondition eine Rolle.

ZEIT ONLINE: Wie lange braucht man, um ordentlich fahren zu können?

Moro: Wer eine Woche einen Skikurs macht, kann eine mittelmäßige, also blaurote Piste einigermaßen herunterfahren.

ZEIT ONLINE: Wie viele Leute, die sich auf den Pisten in den Alpen tummeln, haben alles im Griff?

Moro: Ein großer Teil. Es scheint da gewisse nationale Unterschiede zu geben. Die Holländer sind ein wenig verrückter oder sagen wir, mutiger, die Australier auch. Sie haben nur kurz Ferien, also wollen sie schnell auf den Berg und schnell runterfahren. Italiener und Portugiesen sind dagegen zurückhaltender.