Fußball : Zwanziger will WM-Vergabe an Einhaltung der Menschenrechte koppeln

Ex-DFB-Präsident Theo Zwanziger fordert, dass WM-Gastgeber die Menschenrechte achten müssen. Er kritisiert den Weltfußballverband Fifa für die Turniervergabe an Katar.
Migrantenarbeiter in Doha, Katar © dpa

Der ehemalige Präsident des Deutschen Fußballbundes, Theo Zwanziger, hat die Fußballweltverband Fifa ermahnt, künftig menschenrechtliche Aspekte in ihre Entscheidung einzubeziehen, wo Fußballweltmeisterschaften stattfinden. "Die Fifa muss schon vor Vergabe der Turniere verbindliche Standards festlegen", sagte Zwanziger der Neuen Presse. Zwanziger ist einziges deutsches Mitglied des 24-köpfigen FIFA-Exekutivkomitees.

Bereits in der Auswahlphase sollten die Bewerber dazu verpflichtet werden, etwas zu verändern, forderte Zwanziger. So sei denkbar, dass auch Russland, wo die WM 2018 stattfinden soll, damit aufhören müsse, Homosexuelle zu verfolgen. Die Statuten der Fifa würden es untersagen, Menschen zu diskriminieren, sei es wegen ihrer Hautfarbe, Herkunft oder sexuellen Orientierung.

Er wünsche sich, dass der Fußball dazu beitrage, dass die Welt demokratisiert werde, sagte Zwanziger. Sport müsse die Chance haben, die Verhältnisse zu verändern: "Aber das funktioniert doch nur dann, wenn die Grundvoraussetzungen stimmen. Das ist in Katar nicht der Fall."

Im vergangenen November hatte Amnesty International  über Zwangsarbeit, unzumutbaren Arbeitszeiten und Unterkünften sowie systematischer Ausbeutung in Katar berichtet. Mitglieder der Menschenrechtsorganisation waren im Oktober 2012 und im März 2013 in den Golfstaat gereist.

Zuvor hatte bereits der Guardian darüber berichtet, dass auf den Baustellen des Emirats allein zwischen Juli und August des vergangenen Jahres 44 Arbeiter aus Nepal ums Leben gekommen seien. Katar hatte die Berichte zunächst empört zurückgewiesen, kündigte aber später an, die Bedingungen für Migrantenarbeiter zu verbessern.

Verlagsangebot

Entdecken Sie mehr.

Lernen Sie DIE ZEIT 4 Wochen lang im Digital-Paket zum Probepreis kennen.

Hier testen

Kommentare

27 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren